Fotostrecke

Praktiker: Missmanagement und Strategiefehler

Foto: Arne Dedert/ picture-alliance/ dpa

Baumarktkette Praktiker-Chef Werner geht

Praktiker-Chef Wolfgang Werner geht. Gewinnwarnung und Kurseinbruch gaben vermutlich die letzten Anlässe zur Trennung. Andere als Werner wären schon längst gegangen: Doch der 57-Jährige strahlte trotz Umsatzverlusten und Kurseinbruch der Aktie eine gewisse Robustheit aus. Die Aktie hebt ab.

Hamburg - Der Vorstandsvorsitzende der Baumarktunternehmens Praktiker, Wolfgang Werner (57), verlässt das Unternehmen. Das teilte Praktiker am Mittwoch mit. Die Aktie von Praktiker , die in den vergangenen Monat massiv an Wert verloren hatte, legte als Reaktion auf den Rücktritt um mehr als 7 Prozent zu.

Der Vorsitzende des Kontrollgremiums, der Rechtsanwalt Kersten von Schenck (59), hat Werner gebeten, seine Aufgaben solange weiter wahrzunehmen, bis der Aufsichtsrat die Nachfolge geregelt hat. Schenck hatte seinen Urlaub am Mittelmeer unterbrochen und war am Mittwoch eigens von Nizza nach Deutschland zurückgeflogen.

Andere als Werner wären schon längst gegangen. Doch der gelernte Metzger strahlte eine gewisse Robustheit aus. Dabei verlor die von ihm geführte Baumarktkette Praktiker seit 2007 stetig an Umsatz. Seine strategischen Entscheidungen wirkten hilflos. Anfang Juli musste Werner zugeben, dass sich das operative Ergebnis 2011 gegenüber dem bereits miesen Vorjahr abermals verschlechtern werde. Prompt brach der Börsenkurs von Praktiker  ein, die Notiz dümpelt seitdem etwa bei der Hälfte des Wertes von Anfang 2011.

Derweil geht es Wettbewerbern wie Bauhaus, Obi oder Hornbach durchweg gut; sie nehmen Praktiker als Konkurrenten inzwischen kaum noch wahr. Dass Praktiker seine abgenutzte Rabattkampagne ("20 Prozent auf alles") durch Spots mit Boris Becker ersetzte, macht sich beim Umsatz bislang nicht bemerkbar. Das Publikum scheint dem Ex-Tennis-Profi alles Mögliche zuzutrauen - nur eben nicht, Heimwerker oder Hobbygärtner zu sein.

Angesichts des betrieblichen Desasters verharrte der von Branchenlaien dominierte Aufsichtsrat lange Zeit starr und tatenlos. Erst nach der jüngsten Gewinnwarnung kamen Überlegungen in Gang, personelle Konsequenzen zu ziehen.

Doch ein neuer Chef, wenn er denn bald gefunden wird, ist nur die halbe Lösung. Eigentlich müsste auch Pascal Warnking (40) gehen. Der für das Inlandsgeschäft zuständige Vorstand vermittelt den Eindruck, als verstünde er weder von der Ware noch vom Vertrieb allzu viel. Doch Warnking, der gerade einen neuen Dreijahresvertrag erhalten hat, steht unter dem persönlichen Schutz des Aufsichtratsvorsitzenden von Schenck. Das Fatale an diesem Kontrolleur: Schenck setzt bei der Personalsuche gern auf eigene Kontakte. Und die hat der Rechtsanwalt zumeist zu Juristen und nicht zu Praktikern.

Praktiker: Missmanagement, Strategiefehler, Dauerrabatte

Mehr lesen über Verwandte Artikel