Dienstag, 15. Oktober 2019

Expansion Woolworth will wieder wachsen

Dieter Schindel: Der geschäftsführende Woolworth-Gesellschafter stellt die künftige Strategie der Warenhauskette vor

Die Billigkaufhauskette Woolworth plant in jeder deutschen Kleinstadt ein Warenhaus. Man wolle jede Woche eine neue Filiale eröffnen, langfristiges Ziel sind 500 Kaufhäuser sowie eine abgespeckte Produktpalette, kündigte der neue Woolworth-Chef Dieter Schindel an. 

Düsseldorf - Nur knapp fünf Monate nach der Entlassung aus dem Insolvenzverfahren plant die Warenhauskette Woolworth zahlreiche Neueröffnungen in kleinen und mittleren Städten. "Jede Kleinstadt ab 30.000 Einwohner soll wieder ihr Nahversorgungskaufhaus bekommen", beschrieb der neue Woolworth-Chef Dieter Schindel seine Pläne für die Zukunft der Traditionsmarke. Die Zahl der Woolworth-Filialen könne langfristig von derzeit 163 auf bis zu 500 steigen, sagte er. "Wir wollen Woolworth wieder zu einem großen Kaufhausunternehmen in Deutschland aufbauen."

Jährlich will die Warenhauskette künftig rund 50 neue Kaufhäuser eröffnen. Dabei hat das Unternehmen gerade erst die schwerste Krise seiner Geschichte hinter sich. Im April 2009 hatte die bereits seit 1998 vom US-Mutterkonzern unabhängige Billigwarenhauskette Insolvenzantrag stellen müssen. Doch gelang es dem Insolvenzverwalter Ottmar Hermann, eine Schließung zu verhindern und Käufer für das unter seiner Leitung von 323 auf rund 160 Filialen geschrumpfte Unternehmen zu finden. Seit 1. Juli dieses Jahres haben bei Woolworth der Chef des Textildiscounters KiK, Stefan Heinig, als Mehrheitseigentümer und die Unternehmerfamilie Tengelmann das Sagen.

Sie wollen nun das angeschlagene Traditionsunternehmen mit modernerem Ambiente, abgespecktem Sortiment und neuer Produktpalette wieder auf Erfolgskurs bringen. Statt über 20.000 Artikeln werde es künftig in den Woolworth-Geschäften nur noch 6000 Artikel geben, kündigte Schindel an. Ganze Produktsparten wie Unterhaltungselektronik, Alkohol, Zeitschriften oder Schuhe werden aus dem Angebot gestrichen. Als Publikumsmagnet soll dagegen ein breites Angebot an Lizenzprodukten von Disney bis Playboy und von Hello Kitty bis zu den Simpsons dienen. Alle vier bis sechs Wochen werde eine neue Lizenzmarke präsentiert werden, um Kunden in die Läden zu locken, sagte der Manager.

40 Millionen Euro für Renovierung der Filialen

Neu im Angebot sind künftig auch Wohnaccessoires und Tierbedarf. "Tierzubehör gibt es sonst so in der Innenstadt gar nicht mehr, nur auf der grünen Wiese", begründete Schindel die Entscheidung. Daneben sollen Schreibwaren, Heimtextilien und Wäsche Schwerpunkte der Warenpräsentation bilden.

Zielgruppe seien die unteren und mittleren Einkommensschichten, betonte der Woolworth-Chef und grenzte sich gleichzeitig gegen Ein-Euro-Läden und sogenannte Harddiscounter ab: "Wir werden kein Ramschkaufhaus". Allein im kommenden Jahr werde Woolworth rund 40 Millionen Euro in die Renovierung der bestehenden Filialen investieren.

Seit der Entlassung aus der Insolvenz Anfang Juli schreibt das Unternehmen nach seinen Angaben schwarze Zahlen. Neue Mietverträge mit günstigeren Konditionen, aber auch die drastische Senkung der Logistikkosten machten sich hier bemerkbar.

Durch seine Expansion will das Unternehmen, das derzeit rund 4600 Mitarbeiter beschäftigt, in den nächsten zwei Jahren rund 3100 Stellen schaffen. Pro Neueröffnung würden rund 35 neue Mitarbeiter benötigt, rechnete Verkaufsleiter Michael Siepmann vor. Allerdings sind es ganz überwiegend Teilzeitstellen. In jedem Geschäft gibt es nur eine Vollzeitkraft: den Filialleiter. Für die Bezahlung der Mitarbeiter gilt bis Ende Juni kommenden Jahres noch die vom Insolvenzverwalter ausgehandelte Regelung. Danach werde es für die Mitarbeiter auf jeden Fall eine Lohnerhöhung geben, sagte Schindel. "Wir werden nicht der Lohndumper sein."

sk/dapd

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