Samstag, 7. Dezember 2019

Goldman-Sachs-1MDB-Skandal Malaysische Luxusyacht geht an Lloyd Werft-Investor

Die Superyacht "Equanimity" steht symbolisch für einen der größten Geldskandale weltweit. Der flüchtige Finanzakrobat Low Taek Jho soll sie mit Geld erworben haben, das er sich illegal aus dem malaysischen Staatsfonds 1MDB genommen haben soll ...

Der malaysische Staat hat die Luxusyacht "Equanimity" für 126 Millionen Dollar verkauft. Ursprünglich hatte das Schiff aus dem Jahr 2014 rund 250 Millionen Dollar gekostet, finanziert mit Hilfe der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen. Damals ging sie an den mittlerweile flüchtigen malaysischen Millionär Jho Low.

Die Yacht steht symbolisch für einen der größten Geldskandale weltweit. Im vergangenen Jahr hatte der Staat Malaysia das Schiff mit Hilfe US-Bundespolizei FBI beschlagnahmt und kürzlich zur Versteigerung gestellt. Den Zuschlag erhielt nun der malaysische Casino- und Hotelbetreiber Genting Berhad, der bis Ende April das Geld überweisen will, heißt es. Das malaysische Unternehmen besitzt über Genting Hong Kong einige Kreuzfahrtschiffmarken wie Star Cruises und Crystal Cruises. In Deutschland gehören mehrere Werften wie die Lloyd Werft in Bremerhaven zum Portfolio.

Der neue Besitzer, der Casino- und Hotelbetreiber Genting Berhad, wird den Luxus des 91 Meter langen Schiffes zu schätzen wissen. Marmor und Blattgold zieren die Innenräume des Schiffes. Sauna, 20-Meter-Schwimmbecken und ein Kino gehören zur Ausstattung. Der Hubschrauberlandeplatz versteht sich bei derlei Luxus schon fast von selbst.

Hinter der Veräußerung steckt ein Riesenskandal, in dessen Zuge der jetzige Verkaufspreis der Yacht nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was dem malaysischen Staat tatsächlich verloren gegangen sein dürfte.

2009 hatte das Land den Staatsfond 1Malaysia Development Berhad, kurz 1MDB, mit Hilfe des US-Bankhauses Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung aufgelegt. Etliche Milliarden Dollar wurden eingesammelt, an denen sich verschiedene Personen weltweit bandenmäßig bereichert haben sollen.

Verwickelt ist nicht nur der malaysische Millionär Jho Low, aus dessen Privatbesitz die besagte Luxusyacht stammt, sondern auch Goldman Sachs sowie der frühere malaysische Ministerpräsident Najib Razak, dessen Regierung schließlich wegen des Skandals zu Fall gebracht wurde und wegen dem sich Razak mittlerweile vor Gericht verantworten muss.

Bei einer Hausdurchsuchung bei dem Ex-Politiker im vergangenen Jahr hatte die malaysische Polizei nach eigenen Angaben unter anderem umgerechnet fast 25 Millionen Euro in bar, 567 Luxus-Handtaschen von Marken wie Hermes, Prada oder Chanel sowie 423 Uhren von Marken wie Rolex und Chopard. Najib muss sich nun gegen sieben Anklagepunkte wie Geldwäsche und Amtsmissbrauch verteidigen. Just an dem Tag als Razak seinen ersten Prozesstag erlebte, ging der Verkauf des Luxusschiffs über die Bühne.

Angeklagt in dem Skandal ist auch Goldman Sachs. Das US-Justizministerium mutmaßt, dass hochrangige Fonds-Mitarbeiter und ihre Partner insgesamt mehr als 4,5 Milliarden Dollar aus dem Fonds nahmen. So hat der frühere Südostasien-Chef von Goldman Sachs, der aus Deutschland stammende Tim Leissner, mittlerweile auch gestanden und sich wegen Betrugs, Bestechung, Geldwäsche und Veruntreuung schuldig bekannt. Ihm zufolge seien mehrere Topmanager von Goldman eingeweiht gewesen. Sein damaliger Vize Roger Ng wurde ebenfalls in New York angeklagt.

Jho Low hat bislang jedes Fehlverhalten im Kontext mit dem Fondsskandal bestritten

Zentrale Figur im Skandal bleibt jedoch der untergetauchte Millionär Low, dessen gesamtes Vermögen im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmt wurde. Low soll ausländische Beamte geschmiert haben, um Aufträge für Goldman Sachs bei dem Fonds 1MDB zu sichern. Laut Anklage veruntreute der Flüchtige mit Hilfe von Leissner, Roger Ng und weiteren fast drei Milliarden Dollar aus dem malaysischen Staatsfonds. Dazu seien im Zeitraum von 2009 bis 2014 auch Politiker wie Razak bestochen worden.

Vorgeworfen wird Goldman Sachs zudem, viel zu hohe Gebühren eingenommen zu haben. Laut Anklage sind es 600 Millionen Dollar, die Goldman Sachs dabei verdient haben soll. Der neue malaysische Premierminister Mahathir Mohamad sowie sein Finanzminister Lim Guan Eng hatten sich zuletzt dafür stark gemacht, von dem US-Bankhaus die Gebühren zurückzuerhalten. Goldman Sachs wurde verklagt und hat mittlerweile seine millionenschweren Bonus-Zahlungen an Manager gekürzt, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.


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Die Aufarbeitung des 1MDB-Skandals wird die Gerichte sicherlich noch einige Zeit beschäftigen. Welche Kreise der Skandal noch ziehen wird, ist derzeit unklar. Zwischenzeitlich wurden auch mögliche Verbindungen zur Deutschen Bank angeschaut, aber offenbar nicht weiter verfolgt.

Ob Low jemals gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden kann, steht in den Sternen. Seine Yacht zumindest darf nun wieder malaysische Gewässer verlassen und "besondere Kunden" von Genting befördern.

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