Übernahmeangebot sorgt für Kurssprung Autozulieferer SAF-Holland greift erneut nach Haldex

Der fränkische Lkw-Zulieferer SAF-Holland bietet 370 Millionen Euro für den schwedischen Bremsenhersteller Haldex. Der erste Versuch von SAF war vor sechs Jahren gescheitert. Nun stehen die Chancen besser, da auch Knorr-Bremse seine restlichen Haldex-Anteile an SAF verkauft. Die Aktie von Haldex haussiert.
Begehrte Ware: Der Autozulieferer SAF versucht erneut, den Bremsenhersteller Haldex zu übernehmen

Begehrte Ware: Der Autozulieferer SAF versucht erneut, den Bremsenhersteller Haldex zu übernehmen

Foto: Haldex

Der fränkische Lkw-Zulieferer SAF-Holland nimmt nach sechs Jahren einen neuen Anlauf zur Übernahme des schwedischen Nutzfahrzeugbremsen-Herstellers Haldex. Der Lieferant von Achsen und Anhängerkupplungen aus Bessenbach bietet 3,21 Milliarden schwedische Kronen (307 Millionen Euro) für Haldex - und hat anders als 2016 auch dessen Vorstand und Aufsichtsrat hinter sich. Haldex sei angesichts der zunehmenden Konzentration auf dem Lkw-Markt allein auf Dauer wohl zu klein, erklärte das Unternehmen aus Landskrona am Mittwoch. Mehr als ein Drittel der Aktien hat SAF-Holland bereits sicher.

SAF-Chef Alexander Geis sagte, zusammen könne man einen weltweit führenden Anbieter von Fahrwerks-Komponenten wie Druckluftscheibenbremsen, Achsen und ganzen Radlagern schaffen. "Gemeinsam wären wir noch besser positioniert, um profitables Wachstum zu erzielen und die Transformation der Branche durch die Entwicklung von Lösungen für Elektrifizierung, Vernetzung und autonomes Fahren voranzutreiben." Das käme auch den Lkw-Bauern zugute, die mit wackligen Lieferketten kämpften.

Mit dem Zukauf könnte SAF-Holland seinen Umsatz um gut ein Drittel auf 1,7 Milliarden Euro schrauben, die Abhängigkeit vom europäischen Markt zugunsten von Amerika reduzieren und den Anteil des lukrativen Ersatzteilgeschäfts erhöhen. Mit einer operativen Rendite von knapp acht Prozent sind beide Unternehmen ähnlich profitabel.

Haldex-Aktie legt knapp 50 Prozent zu

SAF-Holland bietet 66 schwedische Kronen (6,30 Euro) je Haldex-Aktie, 46 Prozent mehr als den Schlusskurs vom Dienstag an der Stockholmer Börse. Am Mittwoch zogen Haldex dort bis auf 64,80 Kronen an. Die Offerte ist deutlich niedriger als 2016, als sich die Unterfranken mit Knorr-Bremse und ZF Friedrichshafen eine Bieterschlacht um Haldex geliefert hatten.

Damals hatte der Münchner Lkw- und Zug-Bremsenkonzern letztlich 580 Millionen Euro geboten, war aber am Widerstand des Haldex-Vorstands gescheitert. Auszuschließen sei ein Gegengebot auch diesmal nicht, er sei aber zuversichtlich, die angepeilten 90 Prozent zu erreichen, sagte Geis. "Wir verhandeln schon seit vier Monaten." 2016 habe Haldex schon mit ZF gesprochen, als SAF seine Offerte vorgelegt habe. Deshalb sei man abgeblitzt.

Mit Knorr Bremse droht diesmal keine Bieterschlacht

Diesmal droht zumindest von Knorr-Bremse keine Gefahr . Die Münchner haben ihr Haldex-Aktienpaket von 9,2 Prozent für rund 28 Millionen Euro an SAF-Holland verkauft. Die Großaktionäre Athanase Industrial Partners, Fjärde AP-fonden, Afa Försäkring und Nordea Asset Management, die zusammen 22,5 Prozent an Haldex halten, haben sich verpflichtet, die Offerte anzunehmen, so dass SAF-Holland gut 36 Prozent sicher hat.

Finanziert werden soll die Übernahme zunächst mit Barmitteln und Krediten. Um die Schulden wieder abzubauen, sei später auch eine kleinere Kapitalerhöhung geplant, erklärte SAF-Holland. Das gefiel den Aktionären nicht: Die SAF-Aktie fiel um sechs Prozent auf 7,61 Euro.

la/reuters
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