Vorstandsabgang Grenke reagiert mit offenem Brief auf Aktiencrash

In Bedrängnis an der Börse, wirbt Grenke um Verständnis der Investoren. Einen Tag nach der Trennung von Vorstand Mark Kindermann räumt das Unternehmen ein, die Bafin habe Mängel gefunden. Die entlastenden Sondergutachten stelle das aber nicht infrage.
Ein bisschen mehr Transparenz: Grenke-Zentrale in Baden-Baden

Ein bisschen mehr Transparenz: Grenke-Zentrale in Baden-Baden

Foto: Uli Deck / dpa

Nach dem Bekanntwerden von Unregelmäßigkeiten in der internen Kontrolle beim Leasingkonzern Grenke wirbt der Aufsichtsratschef um Vertrauen. "Wir werden alles daran setzen, die Prüfungen so schnell wie möglich abzuschließen und als Unternehmen gestärkt aus dieser Krisensituation hervorzugehen", schrieb Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp in einem offenen Brief an die Investoren am Dienstag.

Lipp sagte den Investoren nun, das Unternehmen habe den "Ruf nach mehr Transparenz hinsichtlich der Amtsniederlegung unseres Vorstandsmitglieds Mark Kindermann laut und deutlich vernommen". Kindermann sei gegangen, nachdem die Bafin "Prozesse der Internen Revision und der Compliance im Rahmen der laufenden Prüfungen" kritisiert habe.

Auf der Handelsplattform Tradegate legte der Grenke-Kurs  am Dienstag daraufhin kräftig zu. Den 30-prozentigen Kurssturz von Montag machte das Papier aber längst nicht wett. Grenke hatte in einer Pflichtmitteilung über den Abgang Kindermanns berichtet, die Gründe aber nur vage benannt.

Kindermann hatte sein Amt auf Druck der Finanzaufsicht Bafin niedergelegt, nachdem bei einer Prüfung durch die Behörde Schwächen in der internen Revision aufgedeckt wurden. Grenke steht seit einer Attacke des britischen Leerverkäufers Fraser Perring im September an der Börse massiv unter Druck. Perring warf dem auf die Vermietung von IT und Büroausstattung spezialisierten Unternehmen unter anderem Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung vor - und wettete gleichzeitig auf einen Absturz der Aktien. Grenke gab daraufhin zwei Sonderprüfungen in Auftrag: bei Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) und dem Bilanzprüfer KPMG. Zudem prüft die Bafin den Konzern.

Konzern sieht keine Auswirkungen auf die Bilanz

Keiner der Kritikpunkte lasse "unmittelbare Auswirkungen" auf die Bilanz oder die Gewinn- und Verlustrechnung des Leasingspezialisten erkennen, beharrte Lipp. Auch stelle die Untersuchung, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars im Auftrag der Bafin vornimmt, "in keinem Punkt" die im Dezember veröffentlichten Ergebnisse der Sonderprüfungen in Frage.

Die Bafin habe etwa die Qualität von Arbeitspapieren und Handbüchern, die Messung von Compliance-Risiken sowie die Personalausstattung des Unternehmens etwa bei der Compliance kritisiert. Die Bafin habe angekündigt, nach Ablauf einer Frist zur Stellungnahme über eine Abberufung von Mark Kindermann als Vorstand zu entscheiden. Daraufhin habe Kindermann von sich aus abgedankt.

Lipp erklärte weiter, die entscheidenden Bereiche Interne Revision und Compliance gestärkt zu haben und weiter stärken zu wollen. Die Aufgaben Kindermanns würden auf die anderen Vorstandsmitglieder verteilt.

ak/Reuters, dpa-afx
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