Leasingspezialist Grenke-Aktie nach Vorstandsentlassung mit weiteren Verlusten

Noch ist unklar, auf welche Probleme genau Grenke bei Prüfung seiner Geschäftsprozesse gestoßen ist. COO Kindermann jedenfalls hat es den Job gekostet. Nach dem Kurssturz am Vortag verliert die Aktie am Dienstag weiter.
Mängel im eigenen Haus: Grenke entlässt COO Mark Kindermann

Mängel im eigenen Haus: Grenke entlässt COO Mark Kindermann

Foto: Bernd Opitz

Der Leasingspezialist Grenke ist nach heftiger Kritik an Geschäftspraktiken und Bilanzierung auf Mängel im eigenen Haus gestoßen. "Im Rahmen der laufenden Prüfungen ist es zu kritischen vorläufigen Bewertungen bisheriger interner Prozesse in der Complianceorganisation und der internen Revision gekommen", teilte das Unternehmen überraschend am Montag mit. Konzernvorstand Mark Kindermann verlässt mit sofortiger Wirkung das Management. Was dem langjährigen COO - dem Leiter des operativen Geschäfts - genau vorgeworfen wird, ließ der Konzern aus Baden-Baden am Montag offen.

Die Anleger sind entsetzt: Nachdem die Aktie fast ein Drittel ihres Wertes am Montag verloren hatte, gab sie Dienstagvormittag um weitere 2 Prozent nach.

Zuletzt lag der Kursnoch mit 30,49 Prozent im Minus bei 26,76 Euro und war damit mit großem Abstand Schlusslicht im Nebenwerte-Index SDax. Schon im Jahr 2020 hatte die Grenke-Aktie infolge der Corona-Pandemie und heftiger Manipulationsvorwürfe eines Leerverkäufers gegen den Konzern fast 60 Prozent verloren. Inzwischen wird das Papier sogar rund 70 Prozent billiger gehandelt als vor einem Jahr.

Die Investorengruppe Viceroy Research hatte Grenke Mitte September öffentlich angegriffen und dem Konzern unter anderem ein undurchsichtiges Geschäftsmodell mit unlauteren Praktiken, Scheingewinnen und zu hoch ausgewiesenen Geldbeständen vorgeworfen. Beim Franchisingsystem von Grenke handle es sich um ein Betrugskonstrukt, mit dem entweder Luftbuchungen von Finanzmitteln kaschiert oder Geld abgezweigt werden sollten. Hinter dem Shortseller Viceroy steht der Brite Fraser Perring, er war einer der ersten Kritiker des im Juni 2020 in einem Bilanzbetrugsskandal zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers Wirecard.

Grenke hatte daraufhin verschiedene Wirtschaftsprüfer mit internen Untersuchungen beauftragt und sah sich im Oktober zunächst durch Sonderprüfer von KPMG und Mitte Dezember durch ein weiteres Gutachten der Wirtschaftsprüfer von Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) in wesentlichen Punkten entlastet. Zugleich hatte das Unternehmen angekündigt, das heftig kritisierte Franchisesystem zu beenden. Überdies hatte Grenke einen Vorstandsposten für Risikomanagement neu geschaffen und diesen zum 1. Januar dieses Jahres mit der ehemaligen PwC-Beraterin Isabel Rösler besetzt. Damit will sich das Unternehmen weniger angreifbar machen.

Nun teilte Grenke mit, eine zügige Fortsetzung der Prüfungen und deren Abschluss hätten "höchste Priorität". Unabhängig davon nimmt auch die Finanzaufsicht Bafin das Unternehmen derzeit unter die Lupe.

Grenke schweigt zu den genauen Problemen

Welche kritischen Punkte bei der Prüfung konkret entdeckt wurden, ließ der Grenke-Konzern zunächst offen. Kindermann habe den Aufsichtsrat darauf hingewiesen, dass die vorläufigen Bewertungen der internen Prozesse nach Abschluss der Prüfungen zu revidieren sein würden.

"Um eine Auseinandersetzung über die Berechtigung und die Wesentlichkeit dieser Kritikpunkte vor Abschluss der Prüfungen zu vermeiden und um potentiellen Schaden daraus von der Gesellschaft fernzuhalten, hat Herr Kindermann seine Mandate heute niedergelegt", hieß es vom Unternehmen. Der Aufsichtsrat dankte dem Manager für seine langjährige Tätigkeit im Konzern. Das Kontrollgremium werde kurzfristig über die Neuordnung der Verantwortlichkeiten im Vorstand entscheiden.

Kindermann hatte 1990 bei Grenke angefangen und war später in den Vorstand aufgestiegen. Seit 2006 verantwortete er dort die Konzernbereiche Verwaltung, Personal, Rechnungswesen, Qualitätsmanagement, interne Dienstleistungen und Verwertung sowie die Verwaltung von Immobilien und Gebäuden.

rei/dpa-afx/Reuters
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