Isabel Rösler Grenke ernennt Wirtschaftsprüferin zur Risikochefin

Mit dem neu geschaffenen Vorstandsposten für Risikomanagement will sich der Leasingspezialist Grenke künftig weniger angreifbar machen. Übernehmen soll den Posten die ehemalige PwC-Beraterin Isabel Rösler.
Soll dem Vorstand auf die Finger schauen: Wirtschaftsprüferin Isabel Rösler

Soll dem Vorstand auf die Finger schauen: Wirtschaftsprüferin Isabel Rösler

Der mit Manipulationsvorwürfen konfrontierte Leasingspezialist Grenke erweitert seinen Vorstand wie geplant um die Position des Chief Risk Officer (CRO). Der Aufsichtsrat habe dazu Isabel Rösler (45) zum 1. Januar 2021 zum Vorstandsmitglied bestellt, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Baden-Baden mit. In dem neu geschaffenen Ressort werde Rösler wesentliche Funktionen wie Risikocontrolling, Compliance, Geldwäscheprävention und Datenschutz verantworten. Am 5. Januar 2021 will Grenke zudem Zahlen zum Neugeschäft aus dem vierten Quartal veröffentlichen.

Rösler hat den Angaben zufolge Betriebswirtschaft studiert, bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers gearbeitet und eine Ausbildung zur Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin absolviert. Zuletzt sei sie mit der Prüfung von Leasinggesellschaften und Banken befasst gewesen und habe anschließend Leitungspositionen bei der Landesbank Baden-Württemberg, der SüdLeasing und der SüdFactoring GmbH übernommen.

Grenke hatte das neue Vorstandsressort Ende Oktober angekündigt, nachdem das Unternehmen wochenlang von der Investorengruppe Viceroy attackiert worden war. Hinter dem Shortseller steht der Brite Fraser Perring (46), der sich bereits mit dem inzwischen insolventen Zahlungsabwickler Wirecard angelegt hatte. Viceroy wirft Grenke unter anderem ein undurchsichtiges Geschäftsmodell vor.

Wirtschaftsprüfer finden bisher keine Beweise für Vorwürfe

Grenke hatte daraufhin selbst eine Überprüfung durch Wirtschaftsprüfer in Auftrag gegeben. Erst Mitte Dezember veröffentlichte Grenke weitere Ergebnisse der Untersuchungen, durch die sich das Unternehmen entlastet sieht. Demnach kommt die mit der Untersuchung der Franchise-Geschäfte beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) zu dem Schluss, "dass die bisherigen 17 Franchise-Übernahmen gesamthaft für die Grenke AG als positiv bezeichnet werden können".

Auch die Sonderprüfung durch den regulären Wirtschaftsprüfer KPMG habe bislang keine Anhaltspunkte gebracht, die vermuten ließen, dass das Leasinggeschäft des Konzerns nicht existiere, erklärte Grenke. Für die Behauptung, das Unternehmen sei systematisch an Geldwäsche beteiligt gewesen oder habe diese ermöglicht, hätten die Wirtschaftsprüfer ebenfalls bisher keine Hinweise gefunden. Einen Verstoß gegen eine Bafin-Anordnung bei der Überprüfung eines in den Vorwürfen genannten Einzelfalls habe KPMG nicht erkennen können.

KMPG weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass weitere umfassende Analysen und Arbeiten erforderlich seien, "die auf alle Gebiete der Prüfung ausstrahlen können". KPMG setzt derzeit die gesonderte Prüfung fort, die Bestandteil der normalen Jahresabschlussprüfung ist.

Wolfgang Grenke: "Keine gravierenden Folgen"

In einem Rechtsstreit gegen die Investorengruppe Viceroy Research und den Briten Fraser Perring rechnet sich Grenke aber wenig Chancen aus. "Ich persönlich glaube nicht, dass es in Delaware etwas zu holen gibt. Man würde nur gutem Geld schlechtes hinterherwerfen", sagte der Baden-Badener Firmengründer Wolfgang Grenke (69) der "Stuttgarter Zeitung ". Dennoch behalte sich der Vorstand rechtliche Schritte vor.

Trotz der öffentlichen Angriffe und des deutlichen Absturzes des Aktienkurses  habe das Unternehmen noch keine gravierenden Folgen erlitten, sagte Grenke. "Ich habe persönlich keinen finanziellen Schaden. Ich will ja keine Aktien verkaufen, deshalb muss ich auch keine Verluste realisieren." Das Geschäftsmodell der Grenke AG laufe weiterhin gut.

Grenke ist spezialisiert auf die Vermietung von IT-Ausrüstung und Büroausstattung und beschäftigt 1700 Mitarbeiter in 33 Ländern. Bei einer Expansion in neue Märkte setzt der Konzern aus Baden-Baden seit 2003 auf ein Franchise-Modell, das im Zentrum von Perrings Vorwürfen steht. In neuen Ländern werden Franchise-Gesellschaften von einem Manager aus den eigenen Reihen gegründet, die Finanzierung der Firmen erfolgt über einen externen Investor. Grenke kann diese Gesellschaft nach einer gewissen Zeit übernehmen.

Vorstandschef Grenke hat inzwischen angekündigt, das von Perring heftig kritisierte Franchise-System beenden zu wollen. Die bestehenden Franchise-Gesellschaften sollen in den Konzern integriert werden. Künftig will Grenke mit eigenen Start-up-Gesellschaften expandieren.

mg/dpa-afx
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