Größter Gläubiger vor Softbank Deutscher Bankenverband fordert zwei Milliarden Euro von Greensill

Die Gläubiger im Insolvenzverfahren der britisch-australischen Greensill Capital stellen sich an. Softbank macht eine Milliardensumme geltend. Den größten Schaden aber meldet der deutsche Bankenverband.
Schadensfall: Besonders große Folgen hat das globale Finanzdrama um Greensill in Deutschland

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Foto: Sina Schuldt / dpa

Nach der Pleite der Bremer Greensill Bank will der Bankenverband BdB bei der Muttergesellschaft Greensill Capital Forderungen von rund zwei Milliarden Euro geltend machen. In dem australischen Verfahren sei der Einlagensicherungsfonds als Gläubiger präsent, teilte der BdB am Freitag mit. Auch in Großbritannien, wo der australische Konzern sein operatives Geschäft in einer Tochtergesellschaft gebündelt hat, werde der Verband seine Ansprüche über die genannte Summe geltend machen.

Unterdessen erklärte die Londoner Regierung, Greensill Capital habe sich vor dem Zusammenbruch vergeblich um eine größere Einbeziehung in die Vergabe von staatlichen Corona-Hilfskrediten in Großbritannien bemüht. Einem Zeitungsbericht zufolge soll sich der ehemalige Premierminister David Cameron (54) dafür eingesetzt haben.

Der Insolvenzverwalter Grant Thornton teilte mit, man sei vom deutschen Bankenverband über eine Eventualverbindlichkeit von fast zwei Milliarden Euro an die australische Mutter informiert worden. "Diese Forderung erscheint nicht in den Büchern des Unternehmens und wurde von den Verwaltern nicht formell überprüft", so Grant Thornton. Der BdB erklärte, es handele sich um eine Eventualverbindlichkeit, weil zunächst noch der Entschädigungsprozess abgeschlossen werden müsse, mit dem die Forderungen der Kunden auf den BdB übergingen.

Knapp zwei Wochen nachdem die Finanzaufsicht Bafin die Bremer Greensill Bank geschlossen hatte, eröffnete das Amtsgericht der Hansestadt am Dienstag das Insolvenzverfahren. Die Bafin stellte am selben Tag den Entschädigungsfall fest. Der BdB erklärte daraufhin, der Einlagensicherungsfonds werde sich in Kürze bei den betroffenen Sparern melden. Die Entschädigung werde innerhalb von sieben Arbeitstagen erfolgen. Für mehrere deutsche Kommunen, die Geld bei der Bremer Bank angelegt hatten, greift die Einlagensicherung nicht.

BdB fordert fast doppelt so viel wie 34 weitere Gläubiger

Laut dem BdB werden rund eine Milliarde Euro der Entschädigungen durch die gesetzliche Einlagensicherung getragen, weitere rund zwei Milliarden durch den freiwilligen Einlagensicherungsfonds der Privatbanken. Dieser wird gespeist durch seine mehr als 120 Mitglieder, darunter die Branchengrößen  Deutsche Bank und Commerzbank. Die Greensill Bank ist nach Angaben des Bankenverbands der bisher zweitgrößte Entschädigungsfall nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers 2008. Damals wurden Kunden mit knapp sieben Milliarden Euro entschädigt. Insidern zufolge hat der Fonds im Insolvenzverfahren damals alles wieder bekommen.

In Australien haben laut dem Insolvenzverwalter zusätzlich zum BdB 34 Gläubiger ihre Forderungen auf insgesamt rund 1,14 Milliarden Euro (1,75 Milliarden australische Dollar) beziffert. Insidern zufolge wird davon knapp eine Milliarde Euro allein von Softbank verlangt. Der japanische Investor gehört wie die Schweizer Großbank Credit Suisse einem Gläubigerausschuss an, der am Freitag beim ersten, virtuellen Gläubigertreffen eingesetzt wurde. Credit Suisse wollte sich zu der jüngsten Entwicklung nicht äußern. Grant Thornton erklärte, den Gläubigern solle in etwa drei Wochen ein Bericht vorgelegt werden, eine zweite Versammlung werde am 22. April folgen.

Softbanks Vision Fund hatte laut Bloomberg  2019 1,5 Milliarden Dollar in Greensill Capital gesteckt. Der Wert sei inzwischen allerdings weitgehend abgeschrieben, heißt es. Softbank habe sich zu den Informationen nicht geäußert.

Die "Financial Times" berichtete, der frühere konservative Premierminister Cameron habe sich Monate vor dem Zusammenbruch von Greensill Capital bei der Regierung für das Unternehmen starkgemacht. Ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson sagte, das Finanzministerium habe das Anliegen von Greensill Capital, verstärkt in die Vergabe staatlicher Corona-Hilfskredite einbezogen zu werden, ordnungsgemäß geprüft und schließlich abgelehnt.

cr, ak/Reuters