Tarifvertrag gekündigt Gewerkschaft Verdi kritisiert Galeria-Führung scharf

Bei Deutschlands letztem großen Warenhauskonzern Galeria hat das Management den mit der Verdi geschlossenen Sanierungstarifvertrag gekündigt. Verdi kritisiert den harten Sparkurs, über den manager magazin zuerst berichtet hatte, in scharfer Form.
Galeria-Chef Miguel Müllenbach: "Gezwungen,(..) unseren Integrationstarifvertrag mit Verdi zu kündigen, um unser Unternehmen wieder zu stabilisieren".

Galeria-Chef Miguel Müllenbach: "Gezwungen,(..) unseren Integrationstarifvertrag mit Verdi zu kündigen, um unser Unternehmen wieder zu stabilisieren".

Foto: Oliver Berg / DPA

"Den Integrations- und Überleitungstarifvertrag ohne jede Vorankündigung zu kündigen, ist der Gipfel sozialer Verantwortungslosigkeit des Galeria Managements und der Eigentümergesellschaft Signa mit dem Hauptgesellschafter (Rene) Benko an der Spitze", erklärte das bei Verdi für den Handel zuständige Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Freitag. manager magazin hatte am Freitagmorgen exklusiv über die Sparpläne bei Galeria berichtet.

Gerade die Beschäftigten hätten laut Verdi in der Vergangenheit das Überleben der Kaufhäuser durch einen Verzicht auf Entgelterhöhungen und Zusatzleistungen möglich gemacht. "Die Rettung des Unternehmens liegt jetzt in der Hand des Eigentümers und des Managements", betonte Nutzenberger. Galeria erklärte, das Unternehmen sei in einer "wirtschaftlich angespannten Situation gezwungen,(..) unseren Integrationstarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi zu kündigen, um unser Unternehmen wieder insgesamt nachhaltig zu stabilisieren".

Folge dieser Kündigung sei das "Einfrieren" der Vergütung der Beschäftigten auf dem aktuellen Lohnniveau sowie "die Verpflichtung mit Verdi zu verhandeln, um den Tarifweg nunmehr an die neue Situation anzupassen", teilte Galeria weiter mit. Der nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof aus dem Jahr 2019 abgeschlossene "Überleitungs- und Integrationstarifvertrag" sicherte Standorte und Beschäftigung sowie Entgeltleistungen für die Mitarbeiter. Zudem kündigte Galeria an, noch in vielen weiteren Bereichen zu sparen: Nach Informationen von manager magazin soll zum Beispiel auf die Einstellung neuer Aushilfen verzichtet werden.

Galeria erneut um staatliche Hilfen bemüht

Der Warenhausriese war in der Corona-Krise erneut unter Druck geraten und griff auf staatliche Hilfen zu. Erst im Januar hatte die Bundesregierung das Unternehmen mit weiteren 220 Millionen Euro gestützt. Galeria hatte sich schon 2021 mit dem Bund auf einen Kredit in Höhe von 460 Millionen Euro verständigt.

Galeria Karstadt Kaufhof gehört der Signa Holding des österreichischen Investors Rene Benko. Diese verfügt unter anderem über ein milliardenschweres Immobilien-Portfolio.

Durch die anziehende Inflation, die steigenden Energie-Preise und den Krieg in der Ukraine war die Konsumlaune der Verbraucher in den Keller gerutscht. Der Branchenverband HDE sieht den Einzelhandel im Dilemma. "Die Kundinnen und Kunden kaufen weniger oder günstiger ein, gleichzeitig steigen die Energiepreise auch für die Betriebe explosionsartig an", hatte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gesagt. Galeria-Chef Miguel Müllenbach hatte in einem hauseigenen Podcast sogar von einem "existenzbedrohenden Zangengriff" gesprochen.

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