Corporate Governance "Das steht so gar nicht im Kodex"

Auch wenn Gerhard Cromme zuletzt eher als Chefaufseher von Siemens die Schlagzeilen beherrschte, bleibt seine Herzensangelegenheit der Deutsche Corporate Governance Kodex. Um dessen Image, ein "Papiertiger" zu sein, zu widerlegen, führt Cromme mitunter auch Finanzkrisen und Delistings als Erfolgsausweise ins Feld.
Von Arne Stuhr

Frankfurt am Main - Was hätten die Zeitungen nicht alles geschrieben, als der Deutsche Corporate Governance Kodex vor fünf Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Einen "Marketinggag" und "Papiertiger" hätten sie das unter seiner Leitung entstandene Regelwerk zur guten Unternehmensführung genannt. Gerhard Cromme, im Hauptberuf Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens und ThyssenKrupp, hat es sich beinahe zur Lebensaufgabe gemacht, gegen dieses Image anzukämpfen.

Auch am Mittwochabend wurde er als Hauptredner bei der vom manager magazin in Frankfurt vergebenen Auszeichnungen "Die besten Geschäftsberichte" nicht müde, für den Kodex in die Bütt zu steigen.

So sieht Cromme unter anderem im "mutigen Rückzug" zahlreicher deutscher Unternehmen von der New Yorker Börse - am Mittwoch hatte nach BASF  und Eon  auch Bayer  seine Delisting-Pläne veröffentlicht - ein Zeichen dafür, dass sich die deutsche Corporate Governance international "nicht verstecken muss".

Die anhaltende Kritik am Regelwerk, das mittlerweile zu Crommes Zufriedenheit von den Unternehmen im Dax "zu fast 100 Prozent" befolgt werde, beruht aus seiner Sicht vor allem auf "Missverständnissen". So würden immer wieder Anforderungen an den Kodex gestellt, die gar nicht zu seinen Aufgaben gehörten.

Hinzu kämen undifferenzierte Vergleiche mit den angelsächsischen Verhältnissen. So würden etwa Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende als CEO beziehungsweise Chairman tituliert und umgekehrt. Dabei seien die Zuständigkeiten in Sachen Unternehmensführung und -kontrolle aber eben nicht gleichzusetzen.

Den Gesichtsverlust vermeiden

Auch den Vorwurf, er selbst hätte ja "gegen den eigenen Kodex verstoßen", indem er bei ThyssenKrupp direkt vom Chefsessel an die Aufsichtsratsspitze gewechselt ist, lässt Cromme nicht gelten. "Das steht so gar nicht im Kodex drin", sagte Cromme. Es ging lediglich darum, den bis dahin üblichen Automatismus zu unterbinden und es den Vorstandsvorsitzenden zu ermöglichen, "ohne Gesichtsverlust" auf den früher üblichen Wechsel in den Aufsichtsrat zu verzichten.

Dass es im Gegenteil sinnvoll sei, diesen nicht gänzlich zu verbieten, zeigten die Vorkommnisse der vergangenen Wochen. Es sei durchaus hilfreich, dass ein Aufsichtsratschef bei Problemen wie jetzt bei der Subprime-Krise über die entsprechenden Fachkenntnisse verfüge. Es sei aber ein nicht zulässiger Umkehrschluss, dass ein Vorstandschef in den Aufsichtsrat wechsle, um die Fehler der Vergangenheit zu verschleiern. Nicht zuletzt, weil es so viele Fehler gar nicht gebe. Immerhin seien "acht bis neun von zehn Vorständen hierzulande durchaus für ihren Job qualifiziert".

Das spiegele sich übrigens auch in den vom manager magazin ausgezeichneten Geschäftsberichten wider, deren Qualität in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sei. Eine Warnung hatte Cromme aber dennoch im Gepäck: "Gewinnen können Sie die Leser ihrer Geschäftsberichte mit Bildern, halten nur mit soliden Informationen."

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