Bester Geschäftsbericht Börsenfirmen im Härtetest

Welche Konzerne informieren ihre Anleger wirklich gut? Und wer versucht, mit Schönfärberei über mangelhafte Ergebnisse oder Risiken hinwegzutäuschen? manager magazin hat die Geschäftsberichte der wichtigsten deutschen und europäischen Unternehmen analysiert und prämiert die Topreports.
Von Patricia Döhle

Hamburg/Frankfurt am Main - Der Beinahe-Zusammenbruch von IKB und SachsenLB hat es wieder einmal gezeigt: Viele Unternehmen informieren in ihren Geschäftsberichten nur unzureichend über bestehende Risiken. Dies ist auch das Ergebnis des diesjährigen manager-magazin-Wettbewerbs "Die besten Geschäftsberichte".

Zum dreizehnten Mal hat das manager magazin die Geschäftsberichte der wichtigsten deutschen und europäischen Börsenfirmen analysiert. Die Reports von rund 200 Unternehmen aus dem Dax , dem MDax , dem SDax , dem TecDax  und dem europäischen Leitindex Stoxx 50  wurden untersucht. Hinzu kamen alle Börsenneulinge, die sich im vergangenen Jahr im Prime Standard der Deutschen Börse notieren ließen. Der manager-magazin-Wettbewerb ist der größte in Deutschland und einer der umfassendsten weltweit.

Gesamtsieger aus dem SDax

Mit dem Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister  hat erstmals seit Jahren ein Mitglied des SDax den besten Geschäftsbericht erstellt, ein Erfolg, der bislang in der Regel Dax-30-Unternehmen vorbehalten war. Vorstandschef Rüdiger Kapitza nahm im Rahmen der Siegerehrung in Frankfurt die Plastik "Der Rufer", gestaltet von Vadim Sidur, entgegen.

Gildemeister liegt seit Jahren schon im SDax auf dem Spitzenplatz, bewies in schwierigen Zeiten Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit seinen Aktionären. Dieses Jahr gelang nun auch der Gesamtsieg.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die durchschnittliche Gesamtbewertung deutlich gestiegen. 2006 hatten viele Unternehmen mit neu eingeführten gesetzlichen Informationspflichten zu kämpfen. In diesem Jahr scheinen sie sich in der Mehrheit auf die Neuregelung eingestellt zu haben.

Im Dax konnte sich der Dialysespezialist Fresenius Medical Care  den Spitzenplatz sichern, im MDax siegte Heidelberger Druck . Im TecDax schaffte es Jenoptik  auf das Treppchen. Unter den Börsenneulingen sicherte sich der Aromenhersteller Symrise  den ersten Platz. Die Nummer eins im Stoxx ist wie im Vorjahr das Schweizer Bankhaus UBS .

Jury prüft Berichtseffizienz

Die Geschäftsberichte werden in den Kategorien Inhalt, Gestaltung und Sprache geprüft. Die wissenschaftliche Leitung lag, wie auch in den Vorjahren, bei Professor Jörg Baetge, Leiter des Forschungsteams Baetge der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster. Die Gestaltung prüfte Professor Gisela Grosse von der Fachhochschule Münster, die sprachliche Qualität Professor Rudi Keller von der Universität Düsseldorf (siehe: "Methode: So werden die Reports bewertet").

Die fünf besten Berichte aus jedem Index wurden zusätzlich von einer Jury aus erfahrenen Kapitalmarktexperten geprüft. Erstmals übernahm die Jury auch die Beurteilung der Berichtseffizienz. Diese oblag bislang den Gutachtern, die anhand eines standardisierten Kriterienkatalogs vorgingen. Aufgrund diverser Einflüsse - unter anderen zunehmende internationale Offenlegungspflichten - wurde die Standardisierung der Analyse jedoch schwieriger.

Die Jury kann im Rahmen ihrer individuellen Prüfung nun auf Besonderheiten bei der Berichtseffizienz besser eingehen. Außerdem zählen Glaubwürdigkeit und Prägnanz der Berichte zu den Themen, mit denen die Jury sich beschäftigt. Die Mitglieder sind Elisabeth Weisenhorn (Weisenhorn & Partner), Arno Balzer (manager magazin), Klaus Rainer Kirchhoff (Kirchhoff Consult), Christian Strenger (DWS) und Xaver Zimmerer (Interfinanz).

Ergebnistabellen: Alle Sieger im Überblick Methode: So werden die Reports bewertet Downloads: Die Kriterien zum Herunterladen

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