Bester Geschäftsbericht 2006 Auf dem Prüfstand

Das Bewertungsverfahren im mm-Wettbewerb "Die besten Geschäftberichte" ist in seiner Gründlichkeit und Ausgewogenheit einzigartig. Drei wissenschaftliche Gutachterteams untersuchen unabhängig voneinander die Berichte. Eine Jury prüft abschließend noch einmal die besten Reports.
Von Patricia Döhle

Die Arbeit der mm-Tester beginnt schon lange bevor der erste Geschäftsbericht analysiert wird. Hunderte von Kapitalmarkt- , Börsen- und Kommunikationsprofis werden befragt, um die fast 500 Prüfkriterien zu aktualisieren und auf dem neuesten Stand zu halten. Außerdem werden natürlich Änderungen in Gesetzen und Richtlinien berücksichtigt.

Im diesjährigen Durchlauf sorgten vor allem die europäische Modernisierungs- und die Fair-Value-Richtlinie für Veränderungen. Beide wurden in deutsches Recht umgesetzt und bedeuten für die Unternehmen deutlich verschärfte Offenlegungs- und Berichtspflichten.

Ziel der Innovation: Der Informationsvorsprung des Vorstands vor den Aktionären soll verringert werden. Investoren sollen es künftig leichter haben, den Unternehmenswert zu ermitteln. Der Fachbegriff für den neuen Trend in der Geschäftsberichtserstattung, der auch in die Checklisten des mm-Wettbewerbs Eingang fand: Value Reporting.

Die Unternehmen

Im April jedes Jahres bereits werden die Mitglieder der wichtigsten deutschen und europäischen Börsenindizes um die Einsendung ihrer Geschäftsberichte an die mm-Gutachter gebeten. Es handelt sich um Firmen aus dem Dax 30 , dem MDax , dem SDax , dem TecDax , dem Stoxx 50  sowie um die Börsenneulinge des jeweiligen Jahrgangs. Insgesamt nehmen rund 200 Unternehmen am mm-Wettbewerb teil.

Die Gutachter

Nun beginnt der Härtetest. Zunächst untersucht ein 40-köpfiges Team der Universität Münster unter Leitung von Professor Jörg Baetge die Reports anhand von mehr als 300 Kriterien auf inhaltliche Qualität. Jeder einzelne Bericht wird 14 Stunden lang unter die Lupe genommen - das ist fast doppelt so lange wie im Vorjahr.

Der Grund: Die neuen Anforderungen des Value Reporting, die zu einer kompletten Überarbeitung und deutlichen Ausweitung der inhaltlichen Checklisten führten. Auch die Zwischenberichte werden geprüft, und zwar anhand von weiteren 120 Kriterien. Die 20 besten Reports aus jedem Index sowie die Berichte aller Börsenneulinge und aller Dax-30-Unternehmen kommen in die nächste Runde.

Die Benotung

Alle Berichte, die es nicht in die zweite Runde schaffen, werden nur anhand des Inhalts bewertet. Das Urteil für den Geschäftsbericht macht bei diesen Firmen 80 Prozent der Gesamtnote aus, die inhaltliche Bewertung des Zwischenreports zählt 20 Prozent.

Bei den 20 Unternehmen mit den besten Geschäftsberichten aus den verschiedenen Segmenten - sowie bei allen Dax-Firmen und allen Börsenneulingen - ist das Gesamturteil anders gewichtet. Die Inhaltsnote für den Geschäftsbericht geht hier mit 43 Prozent ein, die Benotung der Zwischenreports mit 11 Prozent. Das Urteil für Sprache und Gestaltung macht jeweils 18 Prozent aus. Schließlich fließt die Berichtseffizienz mit 10 Prozent ein. Die Noten für Sprache und Gestaltung beziehen sich im mm-Wettbewerb nur auf die Geschäftsberichte.

Straffung, Berichtseffizienz, Jury

Die Straffung

In den vergangenen Jahren wurde neben der Gestaltung und der Sprache auch noch die Finanzkommunikation geprüft. Diese Kategorie wurde indes gestrichen. Sie war Ende der 90er Jahre eingeführt worden, um die Anforderungen des Kapitalmarkts, die damals vielfach noch nicht gesetzlich verankert waren, in die Prüfung zu integrieren. Doch das ist mittlerweile nicht mehr nötig. Die neuen Offenlegungs- und Berichtspflichten gehen so weit, dass eine separate Analyse der Finanzkommunikation überflüssig ist.

Die Gestaltung der Berichte begutachtet Gisela Grosse, Professorin für Corporate Design an der Fachhochschule Münster. Für die Analyse der Sprache zeichnet Rudi Keller von der Universität Düsseldorf verantwortlich.

Die Berichtseffizienz

Dieses Kriterium wurde im vorvergangenen Jahr in den Wettbewerb eingeführt, um die überbordende Seitenzahl vieler Berichte einzudämmen. Nicht wenige Reports waren mit Imageteilen überfrachtet, die nach Meinung der mm-Gutachter die Lesefreundlichkeit und Transparenz negativ beeinflussten. Die Berichtseffizienz misst die Qualität pro Seite.

Dafür wird das Ergebnis der Prüfung von Inhalt, Gestaltung und Sprache, die Gesamtpunktzahl also, durch die Anzahl der Seiten des Berichts geteilt. Ein Index-, ein Branchen- und ein Offenlegungsfaktor berücksichtigen zusätzlich Faktoren wie die Unternehmensgröße, die Komplexität des Geschäfts und besondere Offenlegungsverpflichtungen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass etwa kleinere Unternehmen, die schlicht weniger zu berichten haben, einen Vorteil gegenüber Großkonzernen erlangen.

Das Bemühen, unterschiedlichsten Unternehmen gerecht zu werden, geht bei der Anwendung dieses Kriteriums sehr weit: So gibt es Firmen, die aufgrund ihrer Größe eigentlich dem Dax angehören müssten, aber in einem anderen Index notieren, weil sie ihren Hauptsitz nicht in Deutschland haben. Diesen Firmen - etwa EADS - wird bei der Berichtseffizienz trotzdem der Dax-Faktor, der eine höhere Seitenzahl zugesteht, angerechnet.

Die Jury

Über die besten sieben Berichte jedes Index fällt am Ende die mm-Jury ein abschließendes Urteil. Ihre Mitglieder sind Elisabeth Weisenhorn (Weisenhorn & Partner), Klaus Rainer Kirchhoff (Kirchhoff Consult), Christian Strenger (DWS), Xaver Zimmerer (Interfinanz) und Arno Balzer (Chefredakteur manager magazin).

Sie prüfen vor allem die Authentizität des Berichtes, den Deckungsgrad von Report und Wirklichkeit also, aber auch die Vollständigkeit, die Lesefreundlichkeit und die Ansprache des Lesers. Ziel ist es, den Bericht als Gesamtkunstwerk zu würdigen.

Die Jury kann Zu- und Abschläge von bis zu 8 Prozentpunkten verteilen. Am Ende der Jurysitzung stehen die endgültigen Platzierungen aller Unternehmen fest.

Downloads: Die Kriterien zum Herunterladen Hintergrund: Der Wettbewerb wird härter  Ergebnistabellen: Alle Sieger im Überblick Einleitung: Die besten Geschäftsberichte 2006

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