Bester Geschäftsbericht 2004 Marathon der Prüfer

Das Bewertungsverfahren im mm-Wettbewerb "Die besten Geschäftsberichte" ist in seiner Gründlichkeit und Ausgewogenheit einzigartig. Vier wissenschaftliche Gutachterteams untersuchen unabhängig voneinander die Berichte. Eine Jury prüft abschließend noch einmal die besten Reports.
Von Patricia Döhle und Ulric Papendick

Die Arbeit der mm-Tester beginnt schon lange bevor der erste Geschäftsbericht analysiert wird. Hunderte von Kapitalmarkt-, Börsen- und Kommunikationsprofis werden befragt, um die rund 400 Prüfkriterien zu aktualisieren und auf dem neuesten Stand zu halten.

In der zweiten Stufe werden im April jedes Jahres rund 200 Unternehmen aufgefordert, ihren aktuellen Geschäftsbericht einzusenden. Eingeladen zur Teilnahme sind nur Firmen, deren Aktien in einem der für Deutschland und Europa wichtigen Börsenindizes gelistet sind: Dax 30, MDax, SDax, TecDax und Stoxx 50.

Nun beginnt der Härtetest. Zuerst untersucht ein 40-köpfiges Team der Universität Münster die Reports anhand von knapp 300 Kriterien. Jeden einzelnen Bericht prüft die Gruppe um Professor Jörg Baetge von der Universität Münster mehr als sieben Stunden lang auf inhaltliche Qualität. Auch die Quartalsreports werden anhand von 120 Einzelaspekten begutachtet.

Die Gutachter

Die 20 besten Jahresreports aus jedem Index und alle Berichte der Dax-30-Unternehmen kommen in die nächste Runde. Die Professoren Carl-Christian Freidank und Eberhard Scheffler von der Universität Hamburg analysieren und benoten die Finanzkommunikation, also die Aussagekraft, Wahrhaftigkeit und Transparenz der Reports.

Zeitgleich nimmt Gisela Grosse, Professorin für Corporate Design an der Fachhochschule Münster, mit ihrem Team die grafische Gestaltung der Reports unter die Lupe. Eine vierte Gutachtergruppe unter der Leitung von Professor Rudi Keller von der Universität Düsseldorf bewertet die sprachliche Qualität der Berichte.

Die alte Berichtseffizienz

Im vergangenen Jahr 2004 wurde im mm-Wettbewerb "Die besten Geschäftsberichte" eine wichtige Neuerung eingeführt. Da die durchschnittliche Seitenzahl der Geschäftsberichte in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen war (bei den Dax-Firmen wuchs das Volumen der Reports um 26 Prozent, im MDax um 36 Prozent, bei den Stoxx-Konzernen gar um 45 Prozent), reagierten die Prüfer auf die immer umfangreicheren Imageelemente mit einem neuen Kriterium: der Berichtseffizienz.

Während der Großteil der Betroffenen das neue Prüfmerkmal grundsätzlich begrüßte, gab es indes Kritik an der Gewichtung und an der Ausgestaltung im Detail. So wurde etwa moniert, dass die umfangreichen Erfordernisse der Berichterstattung von Unternehmen die nach mehreren Rechnungslegungsvorschriften - etwa nach US-GAAP und nach Form 20-F an die SEC - berichten müssen, unberücksichtigt blieben. Auch empfanden viele die hohe Bestrafung von Bildstrecken als unangemessen.

Neues Kriterium, Benotung und Jury

Die neue Berichtseffizienz

Die wissenschaftlichen Leiter und die Jury haben das Kriterium daraufhin noch einmal überprüft und neu definiert. Nach wie vor wird nun die Qualität pro Seite gemessen. Dazu wird das Ergebnis der vier Kategorien Inhalt, Finanzkommunikation, Sprache und Gestaltung durch die Anzahl sämtlicher Seiten eines Berichts geteilt. Nach der Neuregelung werden Bildstrecken aber nur noch zu 50 Prozent auf die Seitenzahl angerechnet.

Damit große Konzerne und Unternehmen, die mehreren Berichterstattungsformen gerecht werden müssen, sowie bestimmte Branchen wie Banken und Versicherungen nicht benachteiligt werden, wird die erreichte Qualität pro Seite mit einem Indexfaktor (Vergleich mit Firmen ähnlicher Größe), einem 20-F-Faktor (für Firmen die nach US-GAAP und gleichzeitig nach Form 20-F der SEC berichten müssen) sowie einem Branchenfaktor gewichtet.

Abschließend wird dieser Wert in eine für alle am Wettbewerb teilnehmenden Firmen vergleichbare Kennzahl umgerechnet - die Berichtseffizienz. Ihr Anteil an der Gesamtbeurteilung wurde als Reaktion auf die Einwände vieler Finanzprofis von 20 auf 10 Prozent verringert. Nachdem auch das neue Prüfmerkmal ausgewertet wurde, steht das Urteil der wissenschaftlichen Leiter des mm-Wettbewerbs fest. Die Bewertung der vier Teams geht mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtnote ein.

Die Benotung

Alle Berichte, die es nicht in die zweite Runde schaffen, werden nur anhand des Inhalts bewertet. Das Urteil für den Geschäftsbericht macht bei diesen Firmen 80 Prozent der Gesamtnote aus, die inhaltliche Bewertung des Zwischenreports zählt 20 Prozent.

Bei den 20 Unternehmen mit den besten Geschäftsberichten aus den verschiedenen Segmenten - sowie bei allen Dax-Firmen - ist das Gesamturteil anders gewichtet. Die Inhaltsnote für den Geschäftsbericht geht hier mit 36 Prozent ein, die Benotung der Zwischenreports mit neun Prozent. Das Urteil für Finanzkommunikation macht 18 Prozent aus, die Bewertung von Sprache und Gestaltung je 13,5 Prozent. Schließlich fließt die Berichtseffizienz mit 10 Prozent ein. Die Noten für Finanzkommunikation, Sprache und Gestaltung beziehen sich im mm-Wettbewerb nur auf die Geschäftsberichte.

Die mm-Jury

Die besten Berichte aus jedem Index werden Anfang August der mm-Jury vorgelegt. Sie besteht aus Arno Balzer (manager magazin), Klaus Rainer Kirchhoff (Kirchhoff Consult), Christian Strenger (DWS Investment), Elisabeth Weisenhorn (Weisenhorn & Partner) und Xaver Zimmerer (Interfinanz).

Nach den Theoretikern sind damit jetzt die Praktiker am Werk. Die Juroren untersuchen die besten Berichte anhand der Kriterien Authentisches Bild, Vollständigkeit, Ansprache und Lesefreundlichkeit. Je nachdem, wie die Jury die Qualität eines Reports beurteilt, kann sie bis zu 8 Prozentpunkte auf das Gesamturteil aufschlagen oder abziehen.

Die mm-Jury untersucht die besten drei Reports aus jedem Segment. Für den Fall, dass ein Geschäftsbericht durch die Wertung der Juroren aus den Top 3 eines Börsensegments verdrängt wird, analysiert die Jury auch den nächstplatzierten Report.

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