Beste Geschäftsberichte 2004 Der Widerspenstigen Zähmung

Zahlreiche geplatzte Börsengänge und die zum Teil unwürdigen Umstände des Postbank-IPOs hatten die Stimmung am Finanzplatz Frankfurt zuletzt arg getrübt. Wie die Verleihung des von manager magazin ausgelobten Preises "Bester Geschäftsbericht" zeigte, hat man am Main das Lachen dennoch nicht verlernt.
Von Martin Scheele

Frankfurt - "IPOs gehören in Deutschland immer noch zu den größten Abenteuern", eröffnete Arno Balzer, Chefredakteur des manager magazins, am Mittwochabend im Frankfurter Grandhotel Arabella-Sheraton die diesjährige Preisverleihung zur Kür der besten Geschäftsberichte. Immerhin sei der Postbank  der wichtigste Börsengang des Jahres gelungen. Ein Hoffnungsschimmer für die zuletzt so arg gebeutelte Finanzmetropole Frankfurt.

Hauptredner des Abends war denn auch Postbankprimus Wulf von Schimmelmann. Frei nach Shakespeare stellte von Schimmelmann seine Rede unter das Motto "Der Widerspenstigen Zähmung". Ein Drama in drei Akten also.

Den ersten Akt, den Vorreiter, beschrieb von Schimmelmann mit der professionellen Vorbereitung der Hauptdarsteller. Ohne konkrete Namen zu nennen, kritisierte der Postbank-CEO, dass einige Akteure schon zu dieser Zeit falsche Töne gespielt hätten.

Der zweite Akt schließlich - Schimmelmann wählte hierfür die Bezeichnung "Drei Tage im Sommer" - befasste sich mit der Rolle der Konsortialbanken. "Einige Kartenvorverkaufstellen wollten gar alle Karten aufkaufen", so Schimmelmanns Theaterkritik. Schließlich hätten einige Abonnenten noch nach ermäßigten Preisen gerufen. "Sie wollten aber gleichzeitig in der ersten Reihe sitzen."

Rückendeckung in dieser Probenzeit habe man aber von der Intendanz erfahren. Und wieder sei der Theatergrundsatz bestätigt worden, dass nach einer schlechten Generalprobe eine gute Premiere folge. Dass dabei die IPO-Erstaufführung der Postbank um zwei Tage verschoben wurde, sei für ihn kein negatives Zeichen.

Und heute, im Dritten Akt "Der Herbst danach", schloss von Schimmelmann seine Rede, behaupte sich das Papier gut und habe seit der Uraufführung 2 Prozent zugelegt. Insgesamt sei das "Theaterstück" sehr gelungen und man habe "das Publikum bis zur letzen Sekunde in Spannung gehalten", sagte von Schimmelmann. "Die Rolle des Eisbrechers für den deutschen Kapitalmarkt, den uns einige zugeschrieben hatten, wollten wir aber gar nicht übernehmen."

Zeitverschwendung und Stilblüten

Zeitverschwendung und Stilblüten

Jörg Baetge, Professor an der Universität Münster und wissenschaftlicher Leiter der Jury, erläuterte anschließend die verändert Kriterienauswahl. Neu hinzu kam die "Berichtseffizienz". Grund: In den vergangenen Jahren wuchs die Seitenanzahl der meisten Jahresreports stetig an, ohne dass sie sich qualitativ verbesserte.

"Dieses Kriterium, das 20 Prozent zur Gesamtnote beiträgt, hat die Reihenfolge ordentlich durcheinander gewirbelt", sagte Baetge. Das Nachsehen hatten dadurch Unternehmen, die "eine wenig aussagekräftige Bilderstrecke von 20 Seiten im Report platzieren."

In punkto Berichtseffizienz wurde der Report von Beiersdorf  - Sieger im Segment MDax  - ausdrücklich gelobt, der mit 91 Seiten auskommt. Rolf Kunisch, Vorstandsvorsitzender von Beiersdorf zeigte sich angesichts des Lobes sehr zufrieden. "Überlängen sind Verschwendung wertvoller Zeit", sagte Kunisch. Bei Beiersdorf dürfe zum Beispiel kein Strategiepapier mehr Umfang als eine Seite haben.

Dax- und Gesamtsieger Münchener Rück  glänzte in seinem Report unter anderem mit Bestnoten bei der Sprache. Nikolaus von Bomhard, Vormann der Rückversicherung, nannte dann auch die Glaubwürdigkeit das wichtigste Merkmal eines Geschäftsberichts.

Der Münchener-Rück-Chef wies daraufhin, dass sein Unternehmen, das keine konkrete Marke wie beispielsweise Beiersdorf (Nivea) herstellt, es ungleich schwieriger habe, den Verlauf des Geschäftsjahres plakativ darzustellen.

Dass der Gebrauch der deutschen Sprache zuweilen auch herrliche Stilblüten produziert, war auch in diesem Jahr wieder zu beobachten. So sorgte vor allem ein Konzern für lautes Lachen, der zum Stichwort Führung vermerkte: "Einfach, aber nicht leicht."

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