Verdacht auf Bilanzfälschung Gesamter Vorstand von Juventus Turin tritt zurück

Seit Oktober ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den italienischen Fußball-Erstligisten Juventus Turin wegen möglicher Bilanzfälschung. Jetzt ist der Vorstand überraschend zurückgetreten – samt Präsident Andrea Agnelli aus der Familie des Fiat-Gründers.
Zieht Konsequenzen: Auch Juventus Turin-Präsident Andrea Agnelli tritt wegen der finanziellen Schieflage und Ermittlungen gegen den Verein zurück

Zieht Konsequenzen: Auch Juventus Turin-Präsident Andrea Agnelli tritt wegen der finanziellen Schieflage und Ermittlungen gegen den Verein zurück

Foto: MARCO BERTORELLO / AFP

Der gesamte Vorstand des italienischen Fußball-Erstligisten Juventus Turin einschließlich Präsident Andrea Agnelli (46) ist überraschend zurückgetreten. Die Juve-Führung reagierte damit auf die finanzielle Schieflage des Vereins samt staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschung. Das gaben die Norditaliener am Montagabend nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung bekannt.

Auch Ex-Profi und Vizepräsident Pavel Nedved (50) trat zurück. Vorübergehend wurde Maurizio Scanavino als Generaldirektor ernannt. "Wir sind in einer heiklen Situation für den Verein", schrieb Agnelli in einer Mail an die Mitarbeiter, aus der die Nachrichtenagentur Ansa zitierte.

Geschäftsführer Maurizio Arrivabene, früher Teamchef beim Formel-1-Rennstall Ferrari, kündigte ebenfalls seinen Rücktritt an, soll aber noch den Übergang bis zur Einsetzung eines neuen Vorstands begleiten.

Autodynastie hat Sagen im Klub

Agnelli hatte den Verein seit 2010 geführt und eine der erfolgreichsten Epochen bei Juve verantwortet. In jener Phase wurden die Turiner neunmal in Serie Meister, holten viermal den nationalen Pokal und standen zweimal im Finale der Champions League. Darüber hinaus zog der Verein unter Andrea Agnelli in ein neues Stadion um.

Die Familie des Fiat-Gründers Giovanni Agnelli bestimmt seit rund einem Jahrhundert die Geschicke bei Juventus. Seit dem Kauf 1923 hat die Autodynastie das Sagen im Klub. Andrea Agnelli ist der Urenkel von Giovanni Agnelli und vierte Präsident aus der italienischen Familie.

Rekordmeister mit Rekordverlust

Zuletzt geriet Juve in heftige Turbulenzen. Im September vermeldete der Traditionsclub für die vorige Saison einen Rekordverlust von 254,4 Millionen Euro. Niedrigere Erlöse und gestiegene Kosten lasteten auf dem Club.

Die italienische Börsenaufsicht schaltete sich daraufhin ein, zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Verein wegen Bilanzfälschung in den Jahren 2018, 2019 und 2020. Dabei soll es um Beträge von 115 Millionen Euro gehen, die der Verein aus fingierten Bewertungen seiner Spieler in den Büchern vermerkt habe. Die Staatsanwaltschaft wirft Juve vor, Investoren getäuscht und gefälschte Rechnungen ausgestellt zu haben. Der Verein hat sich nach eigenen Angaben an geltendes Recht gehalten.

dri/Reuters, dpa
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