Generationswechsel bei Müller-Milch Patriachensohn Stefan wird Aufsichtsratschef

Der älteste Sohn von Milchmogul Theo Müller soll künftig den Aufsichtsrat leiten. Dafür muss Ex-Kuka-Chef Till Reuter weichen.
Stefan Müller übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz des Milliardenkonzerns

Stefan Müller übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz des Milliardenkonzerns

Foto: Robert Michael / imago images

Der Milchriese Müller vollzieht den Generationswechsel. Laut Informationen von manager magazin übernimmt Stefan Müller (54) zum 1. Januar den Aufsichtsratsvorsitz des Milliardenkonzerns. Stefan Müller ist der älteste Sohn von Patriarch Theo Müller (81). Über den Plan hatte manager magazin bereits im August berichtet , ebenso wie über ein prominentes Opfer: Ex-Kuka-Chef Till Reuter (53). Ein Sprecher bestätigt die Informationen auf Anfrage. Demnach werde Reuter Müller in den "kommenden Monaten" als einfaches Aufsichtsratsmitglied bei der Einarbeitung begleiten. Laut Insidern ist ein Übergang bis März geplant, danach dürfte Reuter den Konzern endgültig verlassen.

Reuter fungierte seit September 2019 als Aufsichtsratschef der Molkerei und führte das Unternehmen zuletzt sogar in Personalunion als eine Art Interims-CEO. Er hatte Vorstandschef Werner Stegmüller (56) erst entmachtet und dann komplett aus dem Unternehmen gedrängt.

Angeblich bekommt Reuter für seinen Doppeljob rund fünf Millionen Euro im Jahr. Seine Bilanz ist durchwachsen. 2020 stieg der Umsatz des in Luxemburg registrierten Konzerns zwar um 4 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro, der operative Gewinn verdreifachte sich auf 141 Millionen Euro. Einen Großteil des Wachstums steuert aber die britische Logistiktochter Culina bei, das Kerngeschäft läuft eher schleppend.

Müller hat viele Trends verschlafen

Müller hat Trends wie der steigenden Nachfrage nach veganen Alternativen lange hinterhergeschaut. Ähnlich zögerlich agierte das Unternehmen beim Verkauf des kriselnden Feinkostherstellers Homann, den Müller einst vom Brötchenmillionär Heiner Kamps (66) erworben hatte. Um die Salatsparte an den niederländischen Wettbewerber Johma loszuschlagen, musste Müller eine Mitgift in zweistelliger Millionenhöhe zahlen. Nun wickelt der Konzern für viel Geld die verbliebenen Standorte ab.

Richtig angekommen ist Reuter in der Milchwelt nie. Während Patriarch Theo den Betriebswirt und Juristen anfangs in den höchsten Tönen lobte, empfanden viele Manager auf der zweiten Führungsebene den langjährigen Investmentbanker zuletzt als Fremdkörper.

Stefan Müller gilt als größtes Managementtalent unter den neun Kindern des Inhabers. Trotzdem trug ihm der Senior das verkorkste US-Abenteuer lange nach. 2015 kündigte der Konzern ein Joint-Venture mit dem Brauseriesen PepsiCo unter Führung von Stefan Müller auf. Danach trennten sich die Wege von Vater und Sohn. Der Junior gründete mit Colostrum Biotech ein eigenes Unternehmen. Inzwischen gehört Müller zu den Marktführern im Bereich Vormilch. Ein Erfolg, der den Patriarchen offenbar überzeugt hat.

mm