Gender Pay Gap Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern etwas geringer

Frauen haben auch 2020 in Deutschland deutlich weniger verdient als Männer: Im Schnitt betrug der Gender Pay Gap 18 Prozent. Umstritten ist, welchen Einfluss die Corona-Krise auf die Entwicklung hat.
Aktion für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern in Berlin (2016)

Aktion für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern in Berlin (2016)

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Der Abstand zwischen Männern und Frauen bei Löhnen und Gehältern ist im vergangenen Jahr etwas geringer geworden. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verdienten Frauen im Jahr 2020 durchschnittlich 18 Prozent weniger als Männer. Der Verdienstunterschied – der sogenannte Gender Pay Gap – war damit um einen Prozentpunkt geringer als 2019. Zugleich hoben die Statistiker hervor, dass dabei Sondereffekte infolge der Kurzarbeit in der Corona-Krise eine Rolle gespielt haben könnten.

Der Gender Pay Gap ist die Differenz der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste. Unbereinigt vergleicht er allgemein den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Ein großer Teil des Verdienstunterschieds hat allerdings weniger mit direkter Gehaltsdiskriminierung zu tun, sondern geht darauf zurück, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen und Berufen arbeiten und seltener in Führungspositionen.

Bereinigter Pay Gap liegt bei 6 Prozent

Werden Frauen und Männer mit vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verglichen, ist der Lohnunterschied niedriger. Dieser bereinigte Gender Pay Gap wird alle vier Jahre erhoben. 2018 verharrte er wie bereits 2014 bei 6 Prozent; im Jahr 2010 hatte der Unterschied 7 Prozent betragen und 2006 8 Prozent.

Wie das Bundesamt am Dienstag anlässlich des internationalen Tags für die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern (Equal Pay Day) am 10. März weiter mitteilte, verdienten Frauen im Jahr 2020 mit durchschnittlich 18,62 Euro brutto in der Stunde 4,16 Euro weniger als Männer (22,78 Euro). 2019 hatte die Differenz 4,28 Euro betragen. Nach wie vor fällt der unbereinigte Gender Pay Gap dabei in Ostdeutschland mit 6 Prozent viel geringer aus als in Westdeutschland (20 Prozent).

Einfluss der Pandemie ist unklar

Ursächlich für den leicht geringeren Gender Pay Gap 2020 war laut Bundesamt, dass die Bruttostundenverdienste der Frauen im Vergleich zum Jahr 2019 mit einem Plus von 3,5 Prozent stärker stiegen als die der Männer (plus 2,3 Prozent). "Somit hat sich die Verdienstsituation von Frauen und Männern angenähert", erklärten die Statistiker.

Allerdings könne Kurzarbeit in der Corona-Krise diese Entwicklung verstärkt oder aber auch ihr entgegengewirkt haben: Wenn etwa Männer in einer höher entlohnten Verdienstgruppe in Kurzarbeit gehen, würde der Gender Pay Gap sinken, da der durchschnittliche Bruttostundenverdienst der Männer vergleichsweise geringer ausfällt, erläuterte das Bundesamt. Eine ähnliche Wirkung auf den Gender Pay Gap würde demnach erzielt, wenn Frauen in niedriger entlohnten Verdienstgruppen in Kurzarbeit gingen. Statistisch betrachtet steigt der Bruttostundenverdienst der Frauen dann.

Wie hoch der Einfluss der verstärkten Kurzarbeit in der Pandemie ist, kann laut Bundesamt aus den vorliegenden Daten aber nicht abgeleitet werden. Kurzarbeitergeld federt die individuellen Einkommensverluste demnach "zwar zum Großteil ab, es zählt aber nicht zum Bruttoverdienst und fließt daher nicht in die Berechnung des Gender Pay Gap ein".

SPIEGEL, beb/dpa
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