Michael Machatschke

Mehr Wettbewerb auf der Schiene Warum Flixtrain jetzt die Hilfe des Bundes braucht

Michael Machatschke
Ein Kommentar von Michael Machatschke
Ein Kommentar von Michael Machatschke
Die Investitionspläne des Bahnbetreibers Flixmobility beweisen viel Mut – und setzen die neue Regierung unter Druck.
Mehr Wettbewerb auf die Schiene: Am stärksten litten die privaten Herausforderer wie Flixtrain bislang unter dem monopolistischen Powerplay der Deutschen Bahn

Mehr Wettbewerb auf die Schiene: Am stärksten litten die privaten Herausforderer wie Flixtrain bislang unter dem monopolistischen Powerplay der Deutschen Bahn

Foto: Christian Charisius / DPA

Es wird bunter auf Deutschlands Schienen. Bestätigt ist noch nichts, doch viel deutet darauf hin, dass das Verkehrsunternehmen Flixmobility  große Summen – die Rede ist von einer Milliarde Euro – in eigene Fahrzeuge stecken wird. Damit würde der Ableger Flixtrain deutlich gestärkt, der bisher neben den Fernbussen der Marke Flixbus eher ein Nebengeschäft bildet. Der Schritt beweist vor allem eins: ungeheuren Mut. Denn bisher sind praktisch alle Versuche privater Betreiber gescheitert, im Fernverkehr auf der Schiene Fuß zu fassen.

Die Misserfolge lagen zum Teil an der Komplexität des Geschäfts und an den hohen Trassenpreisen. Es ist in Deutschland alles andere als leicht, mit Bahnverkehr Geld zu verdienen. Am stärksten aber litten die Herausforderer unter dem monopolistischen Powerplay der Deutschen Bahn.

Der Staatskonzern hält im Fernverkehr auf der Schiene immer noch einen Marktanteil nahe der 100 Prozent. Und er unternimmt schier alles, damit es so bleibt. Da wird beherzt quersubventioniert, Gewinne aus dem Netz etwa werden regelwidrig in die Fernverkehrssparte umgeleitet. Das bestätigte indirekt ein Funktionär der Hausgewerkschaft EVG, als er unlängst öffentlich bekundete, die Bahn brauche weiter die Hoheit über das Netz, um ihre neuen ICE zu finanzieren.

Die Deutsche Bahn sperrt sich traditionell, Tickets von Konkurrenten zu verkaufen oder greift dabei gern mal zu Schikanen. Und sie beweist eine geradezu zerstörerische Lust, die Kalkulation von Rivalen zu durchkreuzen, indem sie den Markt mit Billigtickets flutet. Zu Preisen, die für die Bahn selbst kaum kostendeckend sein können.

Das Flix-Management ist sicherlich nicht naiv und dürfte die fragwürdige Gangart des Quasi-Monopolisten längst kennen. Dass sie trotzdem ans Investieren denkt, zeigt ein gewisses Vertrauen darin, dass der Bund seine Bahn in Zukunft bändigen wird, um mehr Leben auf die Schiene zu bringen.

Tatsächlich beabsichtigt die Ampel-Koalition, das Netz neutraler zu führen und Geldabflüsse zum Bahn-Konzern zu kappen. Aber das wird keinesfalls reichen. Insofern sind die Flix-Pläne ein Signal an die Ampel.

Mehr Vielfalt, mehr Verkehr auf der Schiene? Könnt ihr haben – wenn ihr private Investitionen in neue Züge und Angebote schützt.

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