Vorstandsvergütungen Teamviewer-Chef bekommt mehr als jeder Dax-Vorstand

Die Gewinne vieler Dax-Konzerne litten in 2020 arg unter der Corona-Krise - und damit auch die Vergütungen der Chefs. Zu den Gewinnern zählte Post-Chef Frank Appel. Ein deutscher Manager allerdings hängte alle Dax-Chefs um Längen ab.
Teamviewer-Chef Oliver Steil flossen im vergangenen Jahr mehr als 71 Millionen Euro zu, der Großteil davon in Aktien

Teamviewer-Chef Oliver Steil flossen im vergangenen Jahr mehr als 71 Millionen Euro zu, der Großteil davon in Aktien

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Deutschlands Topmanager haben im Corona-Krisenjahr 2020 deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Die durchschnittlichen Bezüge der Vorstandschefs der Dax-Konzerne sanken um 28 Prozent auf 5,3 Millionen Euro, wie aus einer am Montag vorgelegten Auswertung des Beratungsunternehmens hkp-Group hervorgeht. Im Vorjahr belief sich die Summe demnach auf 7,4 Millionen Euro. hkp-Partner Michael Kramarsch sprach von einer Zäsur. "Nie zuvor seit der verpflichtenden Veröffentlichung individueller Vorstandsvergütungen haben wir einen so deutlichen Rückgang im Durchschnitt der Vergütungshöhen gesehen."

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Diese Dax-Chefs kassieren am meisten - und am wenigsten

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Ausgewertet wurden 28 bislang veröffentlichte Geschäftsberichte 2020 der 30 Dax-Unternehmen. Die Analyse berücksichtigt auch die Altersversorgung und Nebenleistungen, wie Dienstwagen oder Versicherungen. Zu den Vorstandsvergütungen gibt es verschiedene Studien mit unterschiedlichen Berechnungsmethoden. Die Ergebnisse weichen teilweise deutlich voneinander ab.

Die Gewinne der Börsenschwergewichte waren den Berechnungen zufolge im Krisenjahr im Schnitt um 45 Prozent eingebrochen. Vor allem bei der variablen Vergütung, die an den Unternehmenserfolg gekoppelt ist, mussten die Topmanager deutliche Abstriche hinnehmen. Den Angaben zufolge sanken die Jahresboni der Vorstandschefs im vergangenen Jahr im Schnitt um rund 38 Prozent. Die mehrjährigen variablen Bezüge, die zumeist auf Aktien basieren, verringerten sich um rund 41 Prozent. In acht Konzernen verzichteten die Vorstandschefs im Krisenjahr 2020 zudem auf einen Teil ihrer Vergütung.

Spitzenverdiener war im vergangenen Jahr der Studie zufolge Deutsche-Post-Vorstandschef Frank Appel (59) mit zehn Millionen Euro. Der Paketboom in Coronazeiten hatte der Deutschen Post DHL das beste Jahr in ihrer Firmengeschichte beschert. Auf Platz zwei folgte demnach der in diesem Jahr ausgeschiedene Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser (63) mit 9,3 Millionen Euro. Am unteren Ende des Dax-Rankings lag der Vorstandschef des Hamburger Konsumgüter- und Kosmetikherstellers Beiersdorf, Stefan De Loecker (53), mit 2,1 Millionen Euro.

Den größten Scheck unter den Dax-Chefs überhaupt bekam die Kurzzeit-Chefin Jennifer Morgan (50) von SAP: 15 Millionen Euro Abfindung zahlte ihr der Softwareriese nach gut einem halben Jahr im Amt, weil ihr Vertrag als Co-Vorstandschefin noch bis 2025 gelaufen wäre.

Teamviewer-Chef fließen 71 Millionen Euro zu

Die höchste Vergütung unter deutschen Spitzenmanagern strich im vergangenen Jahr aber erneut kein Dax-30-Chef ein. Teamviewer-Chef Oliver Steil flossen für 2020 laut Geschäftsbericht  (S. 56 ff) mehr als 71 Millionen Euro zu. Als Festgehalt veranschlagte sein Arbeitgeber lediglich mit 900.000 Euro plus Boni. Den Löwenanteil von mehr als 70 Millionen Euro erhielt Steil vom Großaktionär Permira für den erfolgreichen Börsengang 2019 des schwäbischen Softwareunternehmens. Dabei wurden dem Teamviewer-Chef im Dezember mehr als 1,765 Millionen Aktien zum Preis von knapp 40 Euro zugeteilt. Bereits im Jahr zuvor flossen Steil rund 41,3 Millionen Euro zu. Der Manager verdiente damit auch schon 2019 mehr als jeder andere deutsche Dax-Manager.

Und am Ende dieses Jahres könnte der Teamviewer-Chef erneut alle Dax-Chefs abhängen. Im vierten Quartal 2021 nämlich steht eine zweite Aktienzuteilung in gleicher Höhe an, heißt es im Geschäftsbericht (S. 59)

rei, cr/dpa-afx
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