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Weinbrand-Probe Gaumentaumel

Besondere Lage, extrem lange gereift, exorbitant im Preis - Prestige-Cognac trinkt sich gut.
Von Rüdiger Albert
aus manager magazin 12/2008

Dass ein hochkarätiger Weinbrand aus Frankreich für seine Liebhaber etwas Sinnliches, ja Erotisches hat, wissen wir spätestens seit Winston Churchill. Ein guter Cognac, wagte der versierte Genießer und Poet den Vergleich, sei wie eine schöne Frau. Die sich eben auch gern streicheln und wärmen lasse.

Der britische Premier hatte eine Schwäche für eine französische Prestigekreszenz mit englischem Namen: Hine. Und bewies damit erlesenen Geschmack: Eine Flasche aus dem Hause Hine wurde jetzt von sechs professionellen Testern, die im Auftrag von manager magazin 26 Edel-Cognacs beurteilten, mit einer Traumnote bewertet - 9,62 Punkte von 10 erreichbaren. Der berühmteste unter allen Cognacs, "Louis XIII." aus dem Hause Rémy Martin und ebenfalls in der Auswahl, erhielt die gleiche herausragende Bewertung und musste sich den ersten Platz mit Hine teilen.

Das Spitzenergebnis dieser Edelbrände des höchsten Preisniveaus war aber nicht die einzige Überraschung in einer denkwürdigen Verkostungsrunde. Gleich 14 Cognacs bestachen durch exzellente Qualität (mindestens 9 Punkte von 10 möglichen) und zeigten eindrucksvoll, welche spirituellen Genüsse aus dem Saft von Weinreben zu zaubern sind.

Damit nicht genug. Auch die restlichen zwölf Kandidaten gereichen jeder Bar zur Ehre. Nicht ein Destillat aus den Kellern der Charente enttäuschte. Die Juroren attestieren allen Prestige-Cognacs in der Runde Subtilität und Feinheit: mindestens 7,1 Punkte versprechen allemal einen gehobenen Genuss.

Lange schien es, als habe sich der Cognac aus der Beletage der Spirituosen in die Altherrenecke verdrückt. Der Absatz der klassischen Genussspirituose kränkelte bereits Anfang der 90er Jahre. 15 Jahre brauchten die Cognac-Barone zum Umdenken: Neue Produkte wie Jahrgangs-Cognacs nach dem Vorbild schottischer Malt-Whiskys oder sogenannte Single-Estate-Abfüllungen sollten das Getränk wieder hoffähig machen. Und siehe, die Marketingoffensive hatte Erfolg.

Spätestens seit 2005 floriert das Geschäft wieder. Über 140 Millionen Flaschen wurden damals weltweit abgesetzt, im Jahr 2007 waren es bereits knapp 160 Millionen Flaschen. Vor allem in China und Russland stieg die Nachfrage nach den Spitzenqualitäten, den sogenannten Prestige-Cognacs. Cognac gehört in den Wirtschaftswunderländern zu einem erfolgreichen Leben, genauso wie teure Anzüge, dicke Autos und erlesene Zigarren.

Grund genug, Prestige-Cognac auf seine Qualität zu überprüfen. manager magazin bat dazu alle beim Cognac-Büro in Reutlingen registrierten Importeure um Kostproben. Die Auswahl der Proben überließ manager magazin den Händlern, da Prestige-Cognac im Gegensatz zu anderen Cognac-Qualitäten keiner gesetzlichen Normierung unterliegt. Einigkeit herrscht einzig darin, dass ein Prestige-Cognac die höchste Qualitätsstufe des jeweiligen Hauses präsentiert.

Die besondere Überraschung: Der "Léopold Gourmel Âge de Épices" - ein merkwürdig heller, weiniger Cognac, der leicht über die Zunge läuft. Das Besondere an diesem Cognac: Er kommt aus den Fins Bois, einer in der offiziellen Hierarchie der Region als viertrangig eingestuften Anbauzone. Dennoch wirkt "Âge de Épices" feiner als die vielen Cognacs aus der Grande oder Petite Champagne, den beiden besten Lagen des Anbaugebiets.

Obendrein kostet die Flasche gerade mal 160 Euro. Während "Louis XIII." und andere Spitzenbrände gern hohe drei- oder vierstellige Preise haben.

Rüdiger Albert

Die weiteren Ergebnisse finden Sie unter www.manager-magazin.de/link/cognac

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