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Gallischer Ausfall

EADS: Co-Chairman Jean-Luc Lagardère will die Machtbalance kippen - zu Gunsten der Franzosen.
aus manager magazin 2/2001

Kann einer mehr erreichen als Jean-Luc Lagardère (72)?

Der Mann schaffte den Aufstieg vom Habenichts zum Krösus, vom einfachen Angestellten zum Konzernherrn. Er gebietet über die Technologie- und Medienholding Lagardère SCA. Als einer von zwei Chairmen kontrolliert er den Luftfahrt- und Rüstungsriesen EADS.

Und doch. Ein bisschen mehr Ruhm kann man sich noch verdienen - zumal in Frankreich. Mit einer nationalen Großtat.

Zuerst bereitete Lagardère gemeinsam mit DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp (56) die Gründung der EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) vor, im Kern eine Fusion der deutschen DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) und der französischen Aerospatiale Matra. Jetzt will er die Machtbalance kippen - zu Gunsten der Franzosen.

Wie viele seiner Landsleute fuchst es den Ritter der Ehrenlegion, dass die Grande Nation im EADS-Bündnis auf Augenhöhe mit den Deutschen herabgesunken ist. Überall im Konzern herrscht nationaler Proporz, den Vorstand führen gleichberechtigt ein Deutscher und ein Franzose. Dabei gebührt doch nach gallischem Verständnis Frankreich die Vormacht. Sind Airbus und Ariane nicht letztlich französische Erfindungen?

Kurz vor Weihnachten leistete sich Lagardère einen öffentlichen Ausbruch. Bei der Präsentation des neuen Super-Airbus A380 polterte er, die Doppelspitze müsse weg. Überhaupt sei die Holdinggesellschaft mit dem faden Kürzel EADS überflüssig. Stattdessen solle man den Konzern doch so nennen wie die wichtigste Sparte: Airbus.

Ein Vorstoß mit Hintergedanken. Airbus, zu 80 Prozent im EADS-Besitz, wird nicht von einer Doppelspitze geführt, sondern von einem herausgehobenen CEO mit französischem Pass, von Noël Forgeard (54). Wenn aus EADS Airbus würde, so Lagardères Kalkül, dann könnte, ja müsste Forgeard die Führung übernehmen; die Franzosen säßen allein am Ruder.

Schrempp und sein EADS-Statthalter, Co-Chairman Manfred Bischoff (58), haben die Forderungen prompt zurückgewiesen. Doch ein Lagardère gibt so schnell nicht auf. Er vertraut auf zwei starke Helfer: auf treue Vasallen und reichlich Geduld.

"Der französische Block im EADS-Management steht", berichtet ein deutscher Berater. Jetzt zahlt sich aus, dass Lagardère wichtige Positionen mit Vertrauten besetzt hat, im Haus als "Lagardère-Boys" bekannt.

Vier der elf Konzernvorstände haben bei Lagardère gearbeitet oder tun es noch immer: Airbus-Chef For-geard, der "strategische Koordinator" Jean-Louis Gergorin (54), Marketingchef Jean-Paul Gut (39) und Co-CEO Philippe Camus (52).

Der Block wahrt das gewohnte Bild deutsch-französischer Projekte. Argwöhnisch wacht er über nationale Pfründen. An den Abbau von Doppelfunktionen ist da nicht zu denken.

Lagardère spielt auf Zeit. Alter fängt für ihn laut Selbstauskunft erst mit "80 oder 85" an. Bis dahin will er im Amt bleiben. Und abwarten, bis Schrempp endgültig die Freude an der Aero-Branche verliert.

Michael Machatschke

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