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Gallische Galeone

Der C5 ist das Flaggschiff der Marke Citroën. Doch leider wirkt die Limousine etwas plump. mm-Tester Ziegler, Spezialist für Lebensart, konzentrierte sich auf den Komfort.
aus manager magazin 9/2001

Mit Citroën kennt sich Peter Ziegler aus: "Wo bleibt Claudia Schiffer?" fragt der 61-jährige Geschäftsführer der Veuve Clicquot Import GmbH, nachdem er eine Weile um das derzeitige Spitzenmodell des französischen Automobilherstellers herumgestrichen ist. Der Deutschland-Chef über ein halbes Dutzend Nobelmarken - darunter die Champagner Veuve Clicquot, Krug und Canard Duchêne - bewundert zwar den großen Bogen, den die moderne Linienführung der C5-Limousine von der Motorhaube über die Windschutzscheibe und das Dach schlägt - wie bei einem Van.

Doch ein wenig mondäner, extravaganter und eleganter könnte die Karosserie der Edel-Limousine seiner Meinung nach schon gestaltet sein.

"Die Schiffer hat doch Werbung gemacht für Citroën", sagt Ziegler mit viel sagendem Lächeln. "Warum hat das manager magazin sie nicht gleich mitgebucht für diesen Testtermin?" Ein Einsatz des deutschen Topmodels, so der Spezialist für französische Genüsse, könnte sein Urteil über den Urenkel des legendären DS-Modells positiv beeinflussen.

Dabei sind Peter Zieglers weitere Eindrücke vom Citroën C5 auch ohne die Vorzeigeblondine positiv: Im Innern imponieren ihm sogleich die zahlreichen Wurzelholzapplikationen, das teure Leder der Armaturenverkleidung und die dezent, aber effektiv arbeitende Klimaautomatik: "Alles sehr solide verarbeitet, sehr hochwertig, sehr überzeugend."

Der "Corpus", wie er den Aufbau nennt, wirkt auf ihn zumindest von innen "wie ein Panzer" - robust, sicher, zuverlässig. "Aber leider auch ziemlich unübersichtlich", fügt er mit einem suchenden Blick über die Wagenfront hinzu. Die wölbt sich viel zu früh aus dem Gesichtsfeld des Fahrers heraus.

Vom hydropneumatischen Fahrwerk, das die Citroën DS (französisch ausgesprochen: "Déesse", deutsch "Göttin") in den 60er Jahren zur Serenissima der gallischen Landstraßen machte, ist beim C5 kaum noch etwas zu spüren: Ein Computer passt die Dämpfung automatisch ("hydractiv") sowohl dem Untergrund als auch der Geschwindigkeit und dem Fahrstil des Chauffeurs an. So herrscht zwar Bequemlichkeit, doch nie das Gefühl daunenweicher Pfühle wie in den historischen Hydropneumatikerinnen. Die konnten, vom Fahrer manuell auf "hochbeinig" gestellt, über Kopfsteinpflaster oder schlecht gepflegte Schlosseinfahrten hinweggleiten.

Am Turbodiesel, der den mm-Testwagen treibt, gefällt Peter Ziegler das Drehmoment. Das gibt dem Wagen bereits in unteren Drehzahlen Durchzug, sorgt für zügiges Vorwärtskommen an der Ampel und im dichten Münchener Stadtverkehr. Nur draußen auf der Autobahn reicht dem Manager das Temperament des Motors nicht aus.

Die Ausfahrt endet dennoch mit einer positiven Bilanz: Peter Ziegler lobt die Laufruhe und die Schalldämmung der Vier-Zylinder-Maschine, die Servolenkung mit drehzahl-abhängiger Kraftunterstützung und den gut bedienbaren Zentralknopf für den Bordcomputer in der Mittelkonsole. Damit lässt sich unter vielem anderen auch der Maßstab für die Straßenkarte des Navigators im Monitor stufenlos verstellen: "Maximaler Komfort".

Am elektrischen Schiebedach entdeckt der frankophile Markenspezialist dann sogar ein "typisch französisches" Detail: Stoffbälge an den Seiten verhindern hässliche Windgeräusche, wenn das Glasdach gekippt wird.

Auch der Kofferraum überzeugt Peter Ziegler: "Genug Platz für zwei Golfausrüstungen". Dank der geteilt umklappbaren Heckbank könnte er sogar sein Mountainbike unterbringen.

Dennoch würde er die C5-Limousine nicht kaufen. Als Vertreter einer ebenso traditionsbewussten wie offensiv operierenden Marke ist der Veuve-Clicquot-Chef selbst "sehr markenbewusst". Der Vielfahrer (Jahresleistung: 40 000 Kilometer) nutzt derzeit ein Modell der Mercedes- S-Klasse. Zuvor fuhr er 20 Jahre lang die 7er-Modelle von BMW.

"Vielleicht ändert sich meine Einstellung, wenn der nächste C5, bei dem ich mich hinters Steuer setzen darf, einen stärkeren Motor hat", sagt er versöhnlich. Citroën bietet bereits eine Drei-Liter-Maschine mit sechs Zylindern und 207 PS.

Oder wenn eine Beifahrerin, Modell Claudia Schiffer, mitgeliefert wird. Michael O. R. Kröher

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Komplettangebot

Kaum ein Konkurrent bietet ein ähnliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Eher schwach ist dagegen der Antrieb des C5.

manager-magazin-Fazit:

Verglichen mit den Angeboten der "oberen Mittelklasse" deutscher Hersteller, ist das Citroën-Spitzenmodell ein Schnäppchen. Mit allen Extras der "Exclusive"-Ausstattung - Antischlupfregelung (ASR), elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), computergesteuertes Hydractiv-Fahrwerk, Verlourssitze, Xenonscheinwerfer und vielem mehr - kostet der hier getestete C5 2.2 HDI gerade mal 54 500 Mark. Der Partikelfilter hält nahezu alle giftigen Emissionen des Dieselmotors zurück - wie beim Peugeot 607, dem vorbildlichen Vetter aus dem PSA-Konzern (siehe mm 3/2001).

Doch anders als der Peugeot hat der Citroën konzeptionelle Fehler: Der Platz im Fond zum Beispiel reicht gerade mal für Kinder. Erwachsene müssen beim Aussteigen die Füße mühsam unter den Vordersitzen hervordröseln.

Der fünfte Gang des Schaltgetriebes ist zu lange übersetzt. Das spart zwar Sprit bei ruhigem Gleiten, schwächt jedoch das Temperament des Wagens über Gebühr und verlangt bei zügiger Fahrweise häufiges Schalten.

Nahe der Höchstgeschwindigkeit flattert die Plastiklippe am oberen Ende der Motorhaube bedrohlich. Der große Wendekreis macht das Rangieren in Parkhäusern mühsam. Im Vergleich der zwei Spitzenmodelle bleibt der Peugeot 607 derzeit das bessere Auto.

Technik: Frontgetriebene, fünfsitzige Limousine mit hydropneumatischem Fahrwerk, Vier-Zylinder-Turbodieselmotor, 133 PS (98 kW) aus 2179 ccm, Fünf-Gang-Schaltgetriebe.

Fahrleistungen: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 10,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 205 km/h.

Verbrauch: 8,8/4,9/6,4 Liter Diesel/ 100 Kilometer (EU-Norm).

Preis: 54 469,87 Mark.

Serienausstattung (Exclusive-Modell): Klimaautomatik, Velourssitze, Lederlenkrad, Holzdekor, Xenonscheinwerfer, ASR, ESP, computer-gesteuertes Hydractiv-Fahrwerk, Tempomat, Bremsassistent, Leichtmetallfelgen.

Sonderausstattung: vierstufiges Automatikgetriebe (2542,57 Mark), Radiobedienungssatellit an der Lenksäule (1466,87 Mark), Zwei-Schicht-Metalliclackierung (782,33 Mark), Navigationssystem (2738,16 Mark).

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