Tarifvertrag gekündigt, Löhne eingefroren Kaufhauskette Galeria braucht dringend frisches Geld

Der Warenhauskonzern Galeria schwört seine Mitarbeiter auf einen harten Sparkurs ein. Die Löhne werden eingefroren und der Tarifvertrag mit Verdi gekündigt. Galeria braucht dringend frisches Geld, bestätigt Konzernchef Müllenbach in einem Brandbrief.
Galeria Kauhaus in Frankfurt: Harter Sparkurs verordnet

Galeria Kauhaus in Frankfurt: Harter Sparkurs verordnet

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

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Die Videokonferenz, die Galeria-Chef Miguel Müllenbach am Dienstag dieser Woche für die Filialgeschäftsführer der einzelnen Galeria Häuser ansetzte, hatte es in sich: Nach Informationen von manager magazin hat das Unternehmen die Filialleiter der Galeria-Kaufhauskette (ehemals Karstadt Kaufhof) auf einen eisernen Sparkurs eingeschworen. Das bedeutet nicht nur einen Einstellungsstopp für Aushilfen, die eigentlich für das Weihnachtsgeschäft benötigt werden. Alle Aufträge und Bestellungen der Häuser sollen offenbar überprüft und freigezeichnet werden, jeder Auftrag, der nicht zwingend nötig ist, soll storniert werden. Das Unternehmen wollte auf Anfrage von manager magazin zu den Sparplänen zunächst keine Stellung nehmen.

Über den Beginn des vom Spardiktat geprägten Notbetriebs hat Galeria-Chef Müllenbach die Mitarbeiter jedoch am Freitag in einem Brief informiert. Der Brief liegt manager magazin vor. Darin spricht Müllenbach von einer "bedrohlichen Lage" für das Unternehmen.

Finanzierung muss neu strukturiert werden

Die extrem gestiegenen Energiepreise sowie die jüngste Zurückhaltung der Kunden in Folge der Inflation haben die Probleme bei dem Warenhauskonzern Galeria, der schon während der Corona-Jahre stark gelitten hatte, noch einmal verschärft. Galeria-Chef Müllenbach rechnet auch für 2022 mit hohen Verlusten  und sieht akuten Handelsbedarf.

"Wir werden unseren Weg nur erfolgreich fortsetzen können, wenn es uns gelingt, die Finanzierung von Galeria neu zu strukturieren und dem Unternehmen neues, frisches Kapital zuzuführen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck", schreibt der Galeria-CEO in dem Brief an die Mitarbeiter.

Löhne für Mitarbeiter werden eingefroren, Tarifvertrag wird gekündigt

Das Unternehmen müsse den Integrationsvertrag mit der Gewerkschaft Verdi kündigen, um damit die Vergütungen auf dem aktuellen Niveau einzufrieren, heißt es weiter in dem Schreiben. Galeria bleibe zwar tarifgebunden. Die geplanten Schritte der Tarifangleichung könne man aber leider nicht gehen, so Müllenbach. Zudem seien bei der Kauhauskette "weitere Einsparungen in allen Bereichen" unausweichlich. Verdi reagierte mit scharfer Kritik und warf dem Management soziale Verantwortungslosigkeit vor.

Um Energiekosten zu sparen, soll dem Vernehmen nach etwa in jeder Filiale die Inbetriebnahme der Heizung so weit wie möglich herausgeschoben werden. Auch bei kleineren Reparaturen spielt man offenbar auf Zeit.

Mit dem Sparkurs ist Galeria nicht allein. Auch die Otto Gruppe hat in zahlreichen Gebäuden die Temperatur abgesenkt und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Doch die stark gestiegenen Betriebskosten treffen mit Galeria einen Konzern, der schon vor Ukraine-Krieg und Energiekrise in einer finanziellen Notsituation war. 2021 fiel ein Verlust von rund 620 Millionen Euro an, der Staat hat Anfang des Jahres noch einmal 250 Millionen Euro als stille Einlage gewährt, zusätzlich zu den bisherigen 460 Millionen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. 

Gespräche über weitere Staatshilfen

Nach Informationen von manager magazin bemüht sich das Galeria-Management nun erneut um öffentliche Hilfen. Eine Möglichkeit wäre Geld aus dem Maßnahmenpaket der Bundesregierung für vom Ukraine-Krieg betroffene Unternehmen. Für die vom deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds bereits in der Vergangenheit geleisteten Hilfen sei man "unbeschreiblich dankbar", heißt es in dem Brief.

Die Kunden sollen vom Sparkurs möglichst wenig mitbekommen. Auch bei Galeria hofft man auf weitere warme Oktobertage und einen möglichst milden Winter. Doch spätestens im für den Konzern so wichtigen Weihnachtsgeschäft dürften Lücken beim Aushilfspersonal sichtbar werden, denn während dieser Zeit stocken Einzelhändler ihr Personal regelmäßig auf. Aushilfen, die bereits ihre Verträge unterschrieben haben, dürfen ihren Job zwar antreten, weitere Verstärkung soll es aber nicht geben.

Die kommenden Wochen dürften bei Galeria ungemütlich werden. Ob sich die Kaufhauskette aus der prekären Lage heraussparen kann, ist ungewiss. Doch Müllenbach und sein Finanzchef Guido Mager sehen derzeit offenbar keine Alternative, als jeden Euro zweimal umzudrehen.

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