Abramowitsch Von Lübeck nach Berlin für 40.000 Euro

Die Hansestadt Lübeck hat eine neue Sehenswürdigkeit: "Abramowitsch-Watching" nennt sich der aktuelle Volkssport der Einheimischen und Touristen. Täglich pendeln Hunderte an den Lübecker Hafen, um die Yacht des russischen Ölbarons zu sehen. Abramowitsch startet von der "Pelorus" regelmäßig zu Spielen der Fußball-WM.

Lübeck – Der heimische VfB spielt nur in der Fußball-Regionalliga. Trotzdem könnte in Lübeck eine Personalie entschieden werden, die Fußball-Deutschland bewegen würde. Denn Multimilliardär Roman Abramowitsch residiert seit Beginn der Fußball-WM auf seiner Yacht "Pelorus" im Lübecker Hafen, fliegt von dort zu den WM-Spielen und denkt in seiner Eigenschaft als Besitzer des FC Chelsea in stillen Stunden über weitere Verstärkungen für seinen Verein nach.

Nach der Verpflichtung des ukrainischen Stürmerstars Andrej Schewtschenko sowie von Michael Ballack ist nun der neue deutsche Publikumsliebling Phillip Lahm ins Blickfeld des russischen Staraufkäufers gerückt. Knapp 15 Millionen Euro will er angeblich für den Linksverteidiger des FC Bayern München bezahlen. Viel Geld, allerdings nur relativ - zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass Abramowitsch über sein Unternehmen Millhouse Group für über zwei Milliarden Euro bei dem russischen Stahlkonzern Evras einsteigt.

Geradezu bescheiden wirken da die Summen, die Abramowitsch für die Flüge zur Begutachtung seiner aktuellen - Spieler aus 11 WM-Ländern stehen auf seinem Gehaltszettel - und möglichen neuen Akteure bei den WM-Spielen auf den Tisch legt. Allein eine Reise zum Berliner Olympiastadion kostete ihn nach Berechnungen der "Lübecker Nachrichten" etwa 40.000 Euro. Der Grund: Oft fliegt sein Hubschrauber nur zum Lübecker Flughafen Blankensee, von dort geht es dann mit der eigenen Boeing 767-300 zu den Austragungsorten der WM-Spiele.

Nicht eingerechnet in diese für den Normalbürger grotesk hohe Reiseabrechnung ist das Personal, das Abramowitsch auf seiner Yacht beschäftigt - täglich wird auf der "Pelorus" gewienert und auch der Hubschrauber geputzt. Doch die blitzblanke Außenwirkung lohnt sich, denn das Schiff, mit 115 Metern länger als ein Fußballplatz, wird täglich von Hunderten Besuchern vom Ufer aus oder per Ausflugsschiff begutachtet. Die Fragen, ob Abramowitsch gerade an Bord ist, welche Spiele er besuchen wird, ob er es noch zur nächsten Partie schaffen kann oder heute doch lieber auf der Yacht per Fernseher zuschaut, bleiben dabei stets gleich.

Für viele Hafenarbeiter und auch die Stammgäste des benachbarten Beachclubs sind die Hubschrauberstarts des Fußballverrückten dagegen mittlerweile schon fast Routine geworden. Und obwohl Marzipan, Holstentor und Buddenbrookhaus für ein paar Wochen als Lübecker Attraktionen abgelöst sind, hat sich die Lage nach dem ersten Medienrummel fast wieder normalisiert im Lübecker Hafen. "Es geht hier äußerst ruhig und unauffällig zu", zitiert eine Nachrichtenagentur einen Lübecker Polizeibeamten, der mehrmals täglich mit seinen Kollegen an der Yacht vorbeifährt.

Aufgefallen sind bisher nur fünf Besatzungsmitglieder, die kürzlich das Hafenbecken mit Jetskis erkundeten. Das Resultat: Die Wasserschutzpolizei zeigte keine Angst vor großen Namen und stellte fünf Knöllchen über je zehn Euro aus - nur eine kleine Freude für den gebeutelten Lübecker Haushalt.

Doch viel wichtiger ist den Hansestädtern ein seltener Erfolg gegen die große Schwester Hamburg. Auch dort wurde kürzlich  eine große Yacht im City-Sportboothafen am Baumwall gesichtet - allerdings kann die schnelle "Visione" des SAP-Gründers Hasso Plattner mit einer Länge von 45 Metern der mehr als doppelt so langen Abramowitsch-Variante in Lübeck nicht das Wasser reichen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.