Fußball-WM Kein Kick für die Konjunktur

Ein Land im Fußballfieber - zwei Wochen vor Beginn des Ballsportevents ist die Erwartungshaltung hoch. Nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Doch zumindest die Hoffnungen auf weit reichende Konjunkturimpulse durch die Fußball-WM sind laut einer Untersuchung unberechtigt.

Hamburg - Mit der Euphorie ist das so eine Sache. Bisweilen erfasst sie auch die sonst so nüchtern denkende Spezies der Analysten. Nicht nur zu Zeiten des Börsenbooms, sondern auch im Vorfeld einer Fußball-WM. Alles sollte besser werden durch das Turnier. Perfekt vermarktet, dazu Ströme von Fans und Touristen sowie eine Anhängerschaft im eigenen Land, die schon bei einem 2:1-Rumpelsieg gegen Costa Rica in einen kollektiven Konsumrausch verfallen könnte.

Weit gefehlt sagt nun das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung: "Von der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft sind keine spürbaren Impulse auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland zu erwarten", verlautet es nüchtern aus Berlin.

Wieso plötzlich das? Erschreckte Gesichter bei den vielen Konjunkturoptimisten im Lande, nur noch vergleichbar mit dem Schock der englischen Fans nach dem Fußbruch ihres Idols Wayne Rooney.

Die Wirtschaftswissenschaftler liefern die Begründung natürlich gleich mit: Von den im Vorfeld der WM getätigten Investitionen sind keine gesamtwirtschaftlichen Effekte ausgegangen. Das Investitionsvolumen war nicht groß genug, zumal es über mehrere Jahre verteilt war.

Und gleich darauf der nächste Gegentreffer: Auch der Tourismus darf nicht überschätzt werden. Die anreisenden WM-Besucher könnten offenbar andere Touristen verdrängen. Bei ähnlichen Veranstaltungen im europäischen Ausland gab es jedenfalls keinen nennenswerten Zuwachs an Gästen. Das hätte man doch in all den Studien zuvor mal prüfen können - ein Fußballtrainer, der sich im Vorfeld einer Partie so wenig mit der Materie auseinander setzt, würde den Anpfiff jedenfalls nicht mehr auf der Bank erleben.

Fußball ist halt doch eine reine Gefühlssache. Über eine Milliarde Euro setzen die 18 Vereine der 1. Fußball-Bundesliga im Jahr um. Hört sich viel an, ist es aber nicht. Allein die deutsche Automobilbranche kam im letzten Jahr auf einen Umsatz von 236 Milliarden Euro - mehr als ein Klassenunterschied.

Bleiben die Hoffnungsträger Puma , Adidas  und Nike . Weltweit brachten sie es 2005 auf einen Umsatz von 20 Milliarden Euro. Sehr beachtlich, doch konjunkturtechnisch reicht es damit in einer Volkswirtschaft von Deutschlands Größe höchstens zum Einwechselspieler.

Und die vielen neuen Arenen, die dank FIFA für einige Wochen wieder Stadien heißen? Stolze sechs Milliarden Euro wurden hier verbaut, allerdings verteilt sich diese Summe über mehrere Jahre und ist im Vergleich zu den 384 Milliarden Euro, die in Deutschland im vergangenen Jahr investiert wurden, schon wieder so klein wie die Wahrscheinlichkeit, mit der Wettanbieter ihre Quoten für den Titelgewinn Togos errechnen.

Dennoch ziehen die Forscher aus Berlin ein versöhnliches Fazit: "Die WM 2006 ist gleichwohl ein Mosaikstein im Wandel der deutschen Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft". Immerhin etwas. Und vielleicht auch gut so, denn in zwei Wochen wird das erste Spiel angepfiffen, und dann interessiert es sowieso keinen mehr, welches Tor nun gut oder schlecht für die Konjunktur sein könnte. Zurück zum Sport.

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