Übernahme des AC Mailand Der neue Imperator in Europas Fußball

Dem langjährigen Goldman-Sachs-Partner Gerry Cardinale gehört der FC Toulouse und seit 2021 ein Teil des FC Liverpool. Nun übernimmt der US-Investor auch den italienischen Meister. Wer ist der Mann?
Klubsammler: Investor Gerry Cardinale in New York

Klubsammler: Investor Gerry Cardinale in New York

Foto:

Bloomberg / Getty Images

Was er von den immer weiter steigenden Bewertungen einzelner Sport- und Fußballklubs halte, wurde Gerry Cardinale neulich gefragt. Nun, sagte er, es gebe eigentlich keinen richtigen Wert für die Marken, die meisten Investoren zahlten einfach mehr als beim vorherigen Deal. Klar, es könne nicht immer so weitergehen, die Preise für die Teams könnten nicht immer weiter steigen. Aber die hohen Bewertungen zeigten doch eines im globalen Medien- und Kulturgeschäft. "Dies ist der beste Content, den man bekommen kann. Sport gilt als das neue Hollywood."

Mit dieser Einstellung ist der langjährige Goldman-Sachs-Banker und CEO der New Yorker Investmentfirma Redbird Capital Partners zu einem der einflussreichsten Sportinvestoren der Welt geworden – der inzwischen auch im europäischen Fußball kräftig mitmischt. Nun übernimmt er auch die Mehrheit am Traditionsklub AC Milan, der gerade erst die italienische Meisterschaft gewonnen hat.

Für angeblich rund 1,3 Milliarden Euro soll Redbird Capital die Mehrheit der Anteile von US-Investor Elliott übernehmen, wie am Dienstag bekannt wurde. Der Hedgefonds von Elliott Singer (77) hatte den einstigen Klub von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi (85) 2018 übernommen, nachdem ein chinesischer Geschäftsmann abgesprungen war. Elliott soll in den vier Jahren mehr als 740 Millionen Euro in den Klub um Superstar Zlatan Ibrahimovic (40) investiert haben und als Minderheitsaktionär an Bord bleiben. Voraussichtlich im Herbst soll der Deal abgeschlossen sein.

Für Cardinale ist es nicht das erste Sportinvestment. Der Harvard-Absolvent war mehr als 20 Jahre bei Goldman Sachs, zuletzt als Partner der Wall-Street-Bank, wo er das 100 Milliarden Dollar schwere Private-Equity-Business der Merchant Banking-Sparte mitsteuerte. In der Zeit hob er unter anderem eine Vermarktungsplattform für das Baseballteam der New York Yankees aus der Taufe. 2014 machte er sich selbstständig – und kaufte sich mit Redbird in Sportteams ein.

So wurde er zu einem der einflussreichsten Investoren des europäischen Fußballs. Redbird gehört seit 2020 die Mehrheit am französischen Erstligisten FC Toulouse. Im Frühjahr 2021 stieg Cardinale in einem spektakulären 735-Millionen-Dollar-Deal bei der Fenway Sports Holding ein – und ist seitdem Mitinhaber des Champions-League-Finalisten FC Liverpool um Trainer Jürgen Klopp (54). Redbird gehören 10 Prozent der Anteile.

"Die meisten Leute denken, in Sport zu investieren, heißt Teams zu kaufen", sagte Cardinale neulich mal über seine Strategie. Er habe eigentlich lange in alles außer die Teams investiert und lieber um sie herum Medien- und Vermarktungsplattformen gebaut. Erst in den letzten Jahren ist er selbst zum Inhaber geworden. Es gehe ihm um vertikale Integration von Klub, Rechtevermarktung, Wettgeschäft sowie Streaming- und Medienbusiness. Die Teams als Inhaber der Markenrechte seien dabei der Kern.

Cardinale glaubt, dass Sportmarken das Wertvollste sind, was es in der Medienwelt gibt. Geschickt gemanagt, lasse sich mit ihnen über alle neuen digitalen Kanäle Geld verdienen. Wie weit er dabei geht, zeigt die Übernahme einer neuartigen American-Football-Liga namens XFL.

2020 hatte er gemeinsam mit Dwayne "The Rock" Johnson (50) und dessen Managerin Dany Garcia die Rechte an der Liga erworben, um sie zu einem landesweiten Spektakel auszubauen. Nach Verschiebungen in der Corona-Zeit soll es 2023 losgehen.

Bei aller Euphorie ist ihm allerdings auch klar: Die Wertsteigerungen der Teams werden nicht ewig so weitergehen. "Das ist nicht möglich", sagt Gerry Cardinale. Wenn man sich die Details früherer Übernahmen anschaut, seien einige davon Fehler gewesen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.