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Führungswechsel

Umfrage: Wendelin Wiedeking ist der beliebteste deutsche Konzernlenker. Die deutschen Autohersteller stehen an der Spitze des Börsenbarometers.
Von Ulric Papendick
aus manager magazin 1/2003

Eigentlich dürfte Wendelin Wiedeking (50) bei seinen Aktionären nicht sonderlich beliebt sein.

Der selbstbewusste Porsche-Chef hält die international übliche Quartalsberichterstattung für überflüssig und informiert seine Anteilseigner nur alle sechs Monate über den Fortgang der Geschäfte. Zu sagen haben die Kleinaktionäre bei Porsche ohnehin nichts - die an der Börse gehandelten Papiere sind Vorzugsaktien, also ohne jegliches Stimmrecht.

Dennoch ist Wiedeking überaus populär. 71 Prozent der privaten Aktionäre in Deutschland sind der Ansicht ,

der Porsche-Lenker werde den Aktienkurs seines Sportwagenherstellers nachhaltig steigern. Mit diesem Ergebnis erreicht Wiedeking erstmals Platz eins im Börsenbarometer des manager magazins.

Nicht von ungefähr. Wiedeking erwirtschaftet Shareholder-Value - Aktionärswert - pur. Um 70 Prozent hat er den Kurs seit Anfang 2000 gesteigert. In einem Zeitraum, in dem der Deutsche Aktienindex um 50 Prozent einbrach.

Porsche-Anteilseigner erhalten eine Sonderdividende für das abgelaufene Geschäftsjahr; 2003 peilt der Autobauer abermals ein Rekordergebnis an. Kein Wunder, dass sich die Aktionäre offenkundig wenig um Mitspracherechte und regelmäßige Anlegerinformationen

scheren.

Der Erfolg Wiedekings beendet zugleich eine Ära. Sechsmal in Folge ging ein BMW-Manager aus der mm-Umfrage als beliebtester deutscher Vorstandschef hervor. Der Münchener Konzernlenker Helmut Panke (56) erzielt mit 69 Prozent Anlegerzuspruch auch diesmal ein hervorragendes Resultat. Doch es reicht nur für Rang zwei.

Zum achten Mal hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid gemeinsam mit dem Hamburger Finanzkommunikationsexperten Kirchhoff Consult rund tausend private Aktionäre nach ihrer Meinung zu deutschen Topmanagern und nach ihrer Einschätzung des Börsenklimas gefragt.

Die aktuellen Ergebnisse lassen zwei grundsätzliche Schlussfolgerungen zu: Die Anleger halten den zaghaften Börsenaufschwung der vergangenen Wochen nicht für nachhaltig. Die Aussichten an den Aktienmärkten werden trotz der jüngsten Kurserholung schlechter beurteilt als vor einem Vierteljahr. Das Stimmungsbarometer für die nächsten drei Monate bleibt mit +0,6 (Skala von -5 bis +5, siehe Grafik links) unter dem zuletzt erreichten Wert von +0,9.

Zugleich verpasst die Steuerdiskussion seit dem Wiederantritt der rot-grünen Regierung der deutschen Aktienkultur einen deutlichen Dämpfer. Nur noch ein gutes Drittel der Befragten (38 Prozent) spricht sich für eine Investition in Aktien oder Aktienfonds aus. Vor drei Monaten waren es immerhin 44 Prozent.

Die verhaltene Stimmung der Anleger schlägt auch auf die Bewertung der Topmanager durch. Außer Wiedeking, der sich im Börsenbarometer um 3 Prozentpunkte verbessert, gelingt es nur wenigen Konzernchefs, ihr Ansehen aufzuwerten.

Zu den positiven Ausnahmen zählt Lufthansa-Lenker Jürgen Weber (61), der mit einem Zuspruch von 55 Prozent 9 Punkte gegenüber der letzten Umfrage gutmacht. Der Konsolidierungskurs des Airline-Chefs ist für die Aktionäre offenkundig die richtige Reaktion auf die Krise in der internationalen Luftfahrtbranche.

Zulegen, wenn auch von niedrigem Niveau aus, kann zudem SAP-Chef Hasso Plattner (58). Kosten gesenkt, Marktanteile hinzugewonnen - Plattners Erfolgsbilanz der vergangenen Monate lässt sein Ansehen steigen.

Erleichterung herrscht bei den Anlegern auch über die endlich beendete Suche nach einem neuen Vormann für die Deutsche Telekom. Kai-Uwe Ricke (41) erhält Vorschuss- lorbeeren: 31 Prozent der Befragten hoffen, der frühere T-Mobile-Chef werde den arg gebeutelten Aktienkurs des Telefonriesen steigern können. Dem Interimslenker Helmut Sihler (72) hatten dies vor drei Monaten nur 23 Prozent zugetraut.

Bei einer ganzen Reihe von Topmanagern fällt das Anlegerurteil hingegen weniger mild aus. Abgestraft wurde vor allem Bayer-Chef Werner Wenning (56) für den unerfreulichen Zustand seiner Pharmasparte - ein Bereich, der noch vor wenigen Jahren Weltgeltung besaß. Wenning fiel um 7 Prozentpunkte zurück.

Auch Deutsche-Bank-Primus Josef Ackermann (54) und Allianz-Anführer Henning Schulte-Noelle (60) werden etwas schlechter bewertet als vor drei Monaten. Die Chefs der beiden bedeutendsten deutschen Finanzkonzerne hatten bereits im vergangenen mm-Börsenbarometer erheblich an Ansehen verloren.

Die anhaltende Sorge der Anleger um das deutsche Finanzgewerbe trifft auch Werner Seifert (53). Obwohl sein Unternehmen zuletzt stattliche Zahlen präsentierte, sprechen 40 Prozent der Befragten dem Herrn über die Deutsche Börse AG die Befähigung ab, den Aktienkurs seines Dax-Neulings zu steigern.

Trost für Seifert: Es geht noch schlechter. Beim frisch gekürten HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl (55) sind sogar 51 Prozent der Anleger der Ansicht, der neue Mann werde den Börsenwert der Bank nicht nachhaltig beflügeln können.

Ulric Papendick

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Methode

Idee: Ziel des Börsenbarometers ist es, alle drei Monate die Stimmung privater Aktionäre auszuloten. Zugleich wird die Einstellung der Anleger gegenüber 20 deutschen Vorstandschefs ermittelt, die von der mm-Redaktion nominiert werden. In der aktuellen Umfrage wurden Helmut Sihler, Interimschef der Deutschen Telekom, und HVB-Lenker Albrecht Schmidt durch ihre Nachfolger Kai-Uwe Ricke und Dieter Rampl ersetzt.

Vorgehen: Im Auftrag von mm befragte das Bielefelder TNS Emnid-Institut in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kirchhoff Consult 1002 deutsche Privatanleger zu ihrem Investitionsverhalten. Die Telefoninterviews wurden in Städten und Gemeinden in allen Bundesländern mit Personen geführt, die angaben, Aktien zu besitzen.

Zeitraum: Die Befragung, die den Ergebnissen dieses mm-Börsenbarometers zu Grunde liegt, führte Emnid vom 19. bis 23. November 2002 durch.

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Online

Welcher Manager wird von vermögenden Anlegern geschätzt? Wer ist vor allem bei Frauen beliebt? Details der Umfrage unter: www.manager-magazin.de/

unternehmen/boersenbarometer/

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