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Leserbrief Führungsschwache Kanzlerin

Politik: Kanzlerin Angela Merkel ist bei den Unternehmen in Ungnade gefallen (mm 7/2008)
aus manager magazin 8/2008

Meine Außensicht auf Deutschland über viele Jahre und die Innensicht seit vergangenem Jahr geben mir Anlass zu einer Reaktion auf Ihren Artikel. Von außen betrachtet, habe ich eine Bundeskanzlerin erlebt, die rasch große Bedeutung für Europa und hohes Ansehen in der Welt gewonnen hat und die als verbindlich, energisch und weitsichtig gilt. Meine Eindrücke, seit ich hier lebe und arbeite, unterstreichen das: offen, ansprechbar und interessiert, Tiefgang bei Sachthemen, ob Bildungsfragen oder Klimaschutz- und Umwelttechnologien, die zur Positionierung Deutschlands in der Welt hervorragend geeignet sind und die die Lösungskompetenz deutscher Ingenieure und Unternehmen nachhaltig unterstützen. So nehme ich die Bundeskanzlerin wahr. Und ich erlebe sie als eine Frau, die klare Botschaften mit hohem Geschick und ohne Schärfe adressiert - gegenüber Unternehmern wie auf Staatsbesuchen im Ausland. Die Interessen von Politik und Unternehmen sind nicht immer deckungsgleich. Dafür sind Maßstab und Gesetze des Erfolgs in beiden Sphären zu unterschiedlich. Das spricht aber nicht gegen fruchtbare Zusammenarbeit, Respekt, Vertrauen und Verantwortung für Menschen und für das Gemeinwesen.

Peter Löscher, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG, München

Kanzlerin Merkel mit Wirtschaftsführern

Vor ihrer Wahl versprach Angela Merkel den demografieresistenten, (lohnneben-) kostensenkenden Umbau der überbordenden Sozialsysteme, die Rückführung der exorbitanten Staatsverschuldung, die Senkung und radikale Vereinfachung der Lohn-, Einkommen- und Unternehmensteuern und nicht zuletzt den drastischen Bürokratieabbau.

Nach der Wahl hingegen hat die führungsschwache Bundeskanzlerin - getrieben vom Ziel der Wiederwahl - mit viel Chuzpe das genaue Gegenteil dessen gemacht, was sie vor ihrer Wahl versprochen hat.

Sollte die Union nicht die Kraft aufbringen, die K-Frage jetzt ergebnisoffen erneut zu diskutieren, prognostiziere ich für die Wahlen 2009 ein Fiasko, von dem sich diese christlichen Schwesterparteien in Jahren nicht erholen werden.

Hubert Johannsmann, Düsseldorf

Das Leben ist kein Wunschkonzert, auch nicht für die "Company". Die Unternehmen hatten mit Gerhard Schröder viel Glück. Schröder hat sich sehr stark für die Interessen der Unternehmen eingesetzt und die der Arbeitnehmer hintangestellt - und dafür mit dem Verlust seines Amtes gezahlt. Da Angela Merkel Mehrheiten organisieren muss, kann sie die Interessen der Arbeitnehmer nicht unberücksichtigt lassen und denen der Unternehmer nicht immer Vorrang einräumen. Die Unternehmen leben durch die Globalisierung in goldenen Zeiten. Die Politik hat den Unternehmen die Globalisierung durch tatkräftige Hilfe ermöglicht. Etwas mehr Zufriedenheit und Realitätssinn stünde der "Company" gut zu Gesicht.

Werner Seeliger, Stuttgart

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