Fresenius Michael Sen löst Stephan Sturm als Konzern-Chef ab

Gerüchte gab es schon länger: Jetzt verlieren Großaktionär und Aufsichtsrat die Geduld mit Fresenius-Chef Stephan Sturm - und installieren Michael Sen als Nachfolger.
Am Ziel: Michael Sen wird Ende September die Vorstandsspitze von Fresenius übernehmen.

Am Ziel: Michael Sen wird Ende September die Vorstandsspitze von Fresenius übernehmen.

Foto: Sven Simon / IMAGO

Am Ende ging alles ziemlich schnell. Eine Woche verhandelten Fresenius-Aufsichtsratschef Wolfgang Kirsch (67) und die Nummer eins der Else Kröner-Fresenius-Stiftung, Dieter Schenk (70), dann hatten sie sich mit ihrem Konzernchef Stephan Sturm (59) geeinigt. Die Sitzung der Aufsichtsgremien am Freitagnachmittag war dann nur noch eine Formalie. Um genau 18.33 Uhr ging die Nachricht schließlich über den Ticker. Sturms Zeit als Fresenius-Chef ist am 30. September beendet, sein Nachfolger Michael Sen (53), derzeit noch Oberhaupt der Generikasparte des Konzerns, übernimmt einen Tag später. Alles im besten Einvernehmen, wie es bei solchen Anlässen immer wieder heißt.

Es ist das Ende einer langen, aber zum Ende hin immer angespannteren Beziehung. Mehrfach hatte Sturm in den vergangenen Jahren Gewinnwarnungen aussprechen und Prognosen zurücknehmen müssen. Zum letzten Mal Ende Juli, als die ebenfalls im Dax notierte Dialysesparte Fresenius Medical Care (FMC) ihre Ziele kassierte, die auf der Hauptversammlung wenige Wochen zuvor bekräftigt worden waren. Es war die eine Gewinnwarnung zu viel. Seit Sturm im Sommer 2016 an die Konzernspitze rückte, haben die Aktien von Fresenius und FMC über die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Eine Gewinnwarnung zu viel: Fresenius-Noch-Chef Stephan Sturm.

Eine Gewinnwarnung zu viel: Fresenius-Noch-Chef Stephan Sturm.

Foto: Rainer Unkel / SZ Photo / picture alliance

Der einstige Finanzchef, der den Konzern zusammen mit dem später zu Nestlé gewechselten Mark Schneider (56) jahrelang erfolgreich geführt hatte, versuchte den Kurs wieder anzuschieben, indem er verschiedene Konzernteile zum Verkauf stellte oder für externe Investoren öffnete. Ernsthafte Angebote oder gar Verkaufsverhandlungen blieben allerdings aus.

Der Druck auf Sturm war schon seit längerer Zeit gestiegen. Mitte April vergangenen Jahres hatten Aufsichtsrat und Großaktionär mit Michael Sen bereits einen potenziellen Nachfolger im Konzernvorstand platziert. Der einstige Siemens- und Eon-Manager übernahm damals die Führung der Generikasparte Kabi. Früher zum Zug kommt auch Carla Kriwet (51), die sich Ende April von ihrer Chefposition bei Bosch Siemens Hausgeräte verabschiedet hatte und eigentlich erst zum Jahreswechsel an die Spitze von FMC rücken sollte. Sie startet nun zeitgleich mit Sen am 1. Oktober.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.