Dax-Konzern beruft Frau an die Spitze Carla Kriwet soll FMC aus der Krise führen

Nach Merck-Chefin Belén Garijo wird ab kommenden Jahr nun ein zweiter Dax-Konzern von einer Frau geführt. Auf Carla Kriwet kommt viel Arbeit zu – der Gewinn des Dialyseanbieters brach im ersten Quartal massiv ein. Das belastete auch die Konzernmutter Fresenius.
Das Personalkarussel dreht sich: Carla Kriwet wird neue Vorstandsvorsitzende von FMC, der Mutterkonzern Fresenius bekommt eine neue Finanzchefin

Das Personalkarussel dreht sich: Carla Kriwet wird neue Vorstandsvorsitzende von FMC, der Mutterkonzern Fresenius bekommt eine neue Finanzchefin

Der weltweit größte Dialysedienstleister Fresenius Medical Care (FMC) wird im kommenden Jahr von einer Frau geführt. Carla Kriwet (51) folge zum ersten Januar 2023 auf Rice Powell (67), wie der Dax-Konzern am späten Dienstagabend mitteilte. Dieser scheide altersbedingt mit dem Auslaufen seines Vertrages Ende Dezember 2022 aus dem Vorstand aus.

Kriwet ist nun nach Merck-Chefin Belén Garijo (61) die zweite Vorstandschefin eines Dax-Unternehmens. Erst kürzlich hatte sie überraschend "aus persönlichen Gründen" ihren Posten als Geschäftsführerin der Münchener Bosch-Tochter BSH Hausgeräte GmbH per Ende April niedergelegt, nachdem sie für das vergangene Jahr über einen Rekordumsatz von 15,6 Milliarden Euro berichtet hatte. Die Managerin hatte zuvor Führungspositionen bei Philips, Drägerwerk und Linde inne.

An der Spitze von FMC stehen künftig sogar zwei Frauen: Finanzvorständin Helen Giza werde ihren Vertrag um fünf Jahre verlängern und zur stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden befördert, teilte das Unternehmen weiter mit. Powell führt den Dialysekonzern seit Januar 2013 als Vorstandsvorsitzender an. Er ist seit 1997 im Unternehmen und wurde im Januar 2004 in dessen Vorstand berufen.

FMC-Gewinn bricht um 40 Prozent ein

Doch auf die neue Führungsspitze wartet viel Arbeit. Im ersten Quartal bracht der Gewinn des Dialysekonzerns um fast 40 Prozent ein, wie FMC am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf knapp 4,55 Milliarden Euro.

Vor allem die deutlich höheren Personalkosten aufgrund der Pandemie belasteten den Konzern. Daneben muss das Unternehmen im Geschäft mit eigenen Produkten stark gestiegene Material- und Logistikkosten schultern. Der Krieg in der Ukraine habe zusätzlich belastet, hieß es weiter. Auch sei die Übersterblichkeit der Dialysepatienten im Laufe des vergangenen Quartals zwar rückläufig gewesen, jedoch höher ausgefallen als gedacht. FMC-Aktien  fanden sich denn auch mit einem Abschlag von fast 4 Prozent nahezu am Dax-Ende wieder.

FMC ignorierte Kundenwünsche zu lange

Bei FMC läuft es schon länger nicht mehr rund. Zu lange setzte der Konzern auf die Behandlung in Dialysezentren und Kliniken. Dass viele Patienten ihre Blutwäsche zu Hause abwickeln wollen, hat das Unternehmen zu lange ignoriert, der Ausbau dieses Geschäftsfelds erfolgte eher zögerlich. Bereits im Herbst 2018 strich Powell die mittelfristigen Umsatz- und Gewinnerwartungen zusammen.

Im Januar vergangenen Jahres ging Powell dann mit einer Gewinnwarnung an den Markt. Überdurchschnittlich viele FMC-Patienten waren während der Pandemie an den Folgen einer Virusinfektion gestorben. Der Börsenwert brach daraufhin um 2,5 Milliarden Euro ein.

Für das gesamte Jahr 2021 musste der Konzern Einbußen beim Umsatz und Ergebnis von rund 200 Millionen Euro vermelden. Die Ebit-Marge reduzierte sich von 14,5 auf rund 11 Prozent. Inzwischen durchläuft FMC ein Restrukturierungsprogramm bei dem weltweit 5000 und in Deutschland zwischen 500 und 750 Stellen abgebaut werden.

Gewinneinbruch bei FMC belastet Mutterkonzern Fresenius

Die Schwierigkeiten bei FMC sind auch eine der Hauptursachen für die Schwächephase des Mutterkonzerns Fresenius, der seit 2018 rund die Hälfte seines Börsenwertes einbüßte. Fresenius gehören zwar nur 30 Prozent der Aktien von FMC, die Tochter wird aber zu 100 Prozent in der Bilanz konsolidiert. Insgesamt trägt FMC rund 50 Prozent zum Umsatz und Gewinn des Gesamtkonzerns bei.

Die miesen Zahlen bei der Dialysetochter überschatten daher auch zum Jahresauftakt das Ergebnis der Mutter. Der Konzern wies zwar dank Verbesserungen bei der Infusionstochter Kabi und im Klinikgeschäft für das Quartal ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr von 8 Prozent auf rund 9,7 Milliarden Euro aus, das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) sank jedoch um 1 Prozent auf 996 Millionen Euro. Neben FMC belasteten Fresenius auch der Krieg in der Ukraine, Engpässe in den Lieferketten und teils erheblich gestiegene Ausgaben das Quartal belastet, wie Fresenius ebenfalls am Mittwoch mitteilte.

Unter dem Strich konnte der Konzern den Rückgang allerdings ausgleichen, das bereinigte Konzernergebnis zog um 6 Prozent auf 462 Millionen Euro an. Damit schlug sich das Unternehmen besser als von Analysten erwartet. Die Fresenius-Aktie  legte um 2,6 Prozent zu.

Fresenius-Chef Sturm prüft Verkauf von FMC

Auf der Bilanzpressekonferenz im Februar 2021 stellte Konzernchef Stephan Sturm (58) das erste Mal Überlegungen an, den Konzern aufzuspalten und Unternehmensteile zu verkaufen. Ohne dabei allerdings die möglichen Verkaufskandidaten konkret zu benennen. Im Februar 2021 wurde er in Bezug auf FMC konkreter. Den Verkauf der Anteile über die Börse schloss er aus. Für den Fall, dass ein Finanzinvestor oder ein strategischer Investor ein interessantes Angebot zum Kauf von FMC abgeben sollte, signalisierte er Gesprächsbereitschaft.

Beim Fresenius-Ankeraktionär, der Else Kröner Fresenius Stiftung, gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob FMC im Konzernverbund verbleiben oder verkauft werden soll. Ein Teil des Wirtschaftsrats der Stiftung, zu dem auch der langjährige Fresenius Vorstands- und Aufsichtsratschef Gerd Krick zählt, sperrt sich gegen einen Verkauf. Andere wiederum würden einem Verkauf zustimmen, wenn dadurch eine größere Akquisition zur Stärkung von Fresenius Kabi finanziert werden könnte. Dieser Bereich, unter dessen Dach das Geschäft mit Generikamedikamenten, klinischer Ernährung und Medizintechnik gebündelt ist, gilt sowohl innerhalb der Stiftung als auch in den Aufsichtsgremien des Gesamtkonzerns als künftiger Wachstumsmotor.

Klar ist aber auch, dass ein Verkauf in den kommenden Monaten unwahrscheinlich ist. Das Geschäftsmodell ist zwar intakt. Die Wachstumsaussichten aber durch die Folgen der Pandemie so beeinträchtigt, dass FMC wohl nur mit hohen Preiszugeständnissen verkauft werden könnte.

Bei Fresenius gibt es übrigens auch Veränderungen im Vorstand: So verlässt die bisherige Finanzchefin Rachel Empey (46) das Unternehmen auf eigenen Wunsch, als Nachfolgerin wurde Sara Hennicken bestellt.

mg, pal/dpa-afx, Reuters