CFO Helen Giza übernimmt Carla Kriwet verlässt nach nur zwei Monaten die FMC-Spitze

Sie war erst die dritte Frau als CEO eines Dax-Konzerns, doch der Einsatz währte nicht lange: Nach "strategischen Differenzen" gibt Carla Kriwet den Chefposten bei Fresenius Medical Care wieder ab. Eine Nachfolgerin ist bereits gefunden.
Sie kam, sah und ging wieder: Carla Kriwet ist nicht mehr Chefin von FMC

Sie kam, sah und ging wieder: Carla Kriwet ist nicht mehr Chefin von FMC

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Nach nur zwei Monaten gibt es beim kriselnden Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) den nächsten Wechsel an der Unternehmensspitze. Carla Kriwet (51) habe ihr Mandat als Vorsitzende und Mitglied des Vorstands mit Wirkung zum Ablauf des 5. Dezember 2022 niedergelegt, teilte die Tochter des Medizinkonzerns Fresenius am späten Montagabend mit. Auch ihren Vorstandsposten im Mutterkonzern Fresenius SE hat sie abgegeben. Neue Chefin ist ab sofort Helen Giza (54), die nun in einer Doppelrolle bei FMC aktiv sein wird. Bis ein Nachfolger gefunden ist, bleibt sie parallel auch Finanzvorständin – die Rolle hatte sie 2019 übernommen. Die FMC-Aktie  verlor am Dienstag mehr als 3 Prozent.

Doppelrolle: Helen Giza bleibt Finanzvorständin von FMC und übernimmt gleichzeitig den Chefposten

Doppelrolle: Helen Giza bleibt Finanzvorständin von FMC und übernimmt gleichzeitig den Chefposten

Foto: Fresenius Medical Care

Offenbar hatte es zuvor hinter den Kulissen heftigen Streit über die Ausrichtung des Konzerns gegeben. Sogar in der offiziellen Mitteilung nannte FMC als Grund für die Trennung "strategische Differenzen". Anscheinend war Michael Sen (54), der frisch inthronisierte Vorstandschef des Mutterkonzerns und Aufsichtsratschef von FMC, mit Kriwets Kurs nicht zufrieden. Er lässt sich nach ihrem Abgang wie folgt zitieren: "In einer fundamental gesunden Branche muss sich Fresenius Medical Care noch stärker auf den operativen Turnaround fokussieren."

Kriwets Nachfolgerin Giza habe "in ihrer Zeit bei Fresenius Medical Care eine tiefgreifende Expertise im Bereich der Nierenerkrankungen und ein umfassendes Verständnis des Unternehmens erworben", so Sen. Sie soll die "Unternehmensperformance verbessern" und das Unternehmen "auf seinen Kern konzentrieren". Giza wird parallel auch in den Fresenius-Vorstand einziehen.

Gewinnprognose zweimal in Folge gesenkt

Damit setzt sich die Reihe der Chefwechsel im Fresenius-Reich fort. Erst Anfang Oktober hatte auch Sen beim schon länger kriselnden Mutterkonzern Fresenius, der 32 Prozent der FMC-Anteile hält, den Chefposten von seinem Vorgänger Stephan Sturm (59) übernommen.

Kriwet hatte ebenfalls erst Anfang Oktober angesichts von Problemen des Unternehmens in Nordamerika vorzeitig die Führung von FMC übernommen. Ende Oktober hatte sie erklärt, es sei dringend erforderlich, die operative Geschäftsentwicklung durch tiefgreifende Maßnahmen zu verbessern.

FMC hatte zum zweiten Mal binnen drei Monaten die Gewinnprognose senken müssen und damit auch Fresenius zu einer Korrektur gezwungen. Während FMC 2021 noch 1,02 Milliarden Euro verdient hatte, erwartete Kriwet für 2022 einen Einbruch von bis zu 25 Prozent; nach neun Monaten lag das Ergebnis mit einem Plus von 535 Millionen Euro etwa ein Drittel unter dem Vorjahr. Der Umsatz in den ersten drei Quartalen lag währungsbereinigt bei 14,4 Milliarden Euro, er soll im Gesamtjahr im Vergleich zu 2021 stabil bleiben.

FMC zählt zu den größten Verlierern im Dax

FMC machen schon eine Weile ein Mangel an Pflegekräften in den USA, Lieferkettenprobleme sowie steigende Löhne und Materialkosten zu schaffen. Die Auswirkungen von Verbesserungsmaßnahmen bei den Gesundheitsdienstleistungen in Nordamerika verzögerten sich wegen des schwierigen Umfeldes, hatte es im Oktober geheißen. Im Dax zählt FMC ohnehin zu den größten Verlierern dieses Jahres. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn knapp die Hälfte ihres Werts, FMC wird aktuell nur noch mit 8,9 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Der Mutterkonzern Fresenius büßte seit Jahresbeginn rund ein Vierteil ein und ist aktuell rund 15 Milliarden Euro wert.

Der neue Fresenius-Chef Sen hatte sich auf die Fahnen geschrieben, Fresenius neu auszurichten und so aus der Krise zu führen. Er ist ein ausgewiesener Finanzexperte, bei Investoren sehr angesehen. Nach den Problemen bei FMC hatte er Ende Oktober auch die Fresenius-Investoren warnen müssen: Er erwartet in diesem Jahr einen Ergebniseinbruch von rund 10 Prozent.

Die neue Chefin an der FMC-Spitze ist ebenfalls eine Finanzexpertin. Giza kam 2019 als Finanzvorständin vom Pharmakonzern Takeda zu Fresenius Medical Care. In diesem Jahr übernahm sie bereits zusätzlich die Rollen der stellvertretenden CEO sowie des Chief Transformation Officer, in der sie das Transformationsprogramm "FME25" leitet. Zuvor war sie in diversen Rollen mit Finanz- und Sparprogrammen bei Takeda befasst.

cr/dpa-afx, Reuters
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