Frauenquote zeigt Wirkung Jeder fünfte Dax-Vorstand ist weiblich

Immer mehr Frauen besetzen Führungspositionen im Dax. 2021 waren fast die Hälfte der neu berufenen Vorstände weiblich. Allerdings steigern meist nur diejenigen Unternehmen den Frauenanteil im Vorstand, die dazu verpflichtet sind.
Katja Dürrfeld: Die 49jährige ist Finanzvorstand bei Continental. Gemeinsam mit Arbeitsdirektorin Ariane Reinhardt sorgt sie dafür, dass die Frauenquote im fünfköpfigen Vorstand 40 Prozent erreicht. Das schaffen im Dax sonst nur FMC und Siemens Healthineers

Katja Dürrfeld: Die 49jährige ist Finanzvorstand bei Continental. Gemeinsam mit Arbeitsdirektorin Ariane Reinhardt sorgt sie dafür, dass die Frauenquote im fünfköpfigen Vorstand 40 Prozent erreicht. Das schaffen im Dax sonst nur FMC und Siemens Healthineers

Foto: Continental

Die Dax-Konzerne nehmen immer mehr Frauen in ihre Vorstände auf.  Im vergangenen Jahr waren 42 Prozent der neu berufenen Vorstände weiblich, womit der Frauenanteil von 15 auf 19 Prozent stieg, wie die Personalberatung Russell Reynolds am Montag mitteilte. Durch bereits bekannte Neubesetzungen werde der Frauenanteil im April dieses Jahres auf über 20 Prozent steigen.

"Der Wandel ist in den Unternehmen angekommen. Das zeigt sich auch daran, dass 55 Prozent der neuen weiblichen Vorstände interne Beförderungen sind, also Besetzungen mit Frauen aus dem eigenen Unternehmen", sagte Berater Thomas Tomkos. Immer mehr Unternehmen bereiteten weibliche Führungskräfte durch gezielte Personalentwicklung auf Aufgaben im Top-Management vor. "Das ist wichtiger als jede Quote." Berater Jens-Thomas Pietralla sagte: "Die intensive öffentliche Diskussion um Frauen in Führungspositionen trägt Früchte."

Frauenquote verpflichtet zu mindestens einer Frau im Vorstand

Allerdings verbessern sich meist nur Unternehmen beim Anteil weiblicher Topführungskräfte, die dazu verpflichtet sind. Denn seit vergangenem Jahr gilt in Deutschland das Zweite Führungspositionen-Gesetz (FüPoG II). Demnach sind börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorständen künftig bei Nachbesetzungen dazu verpflichtet, dass sie mindestens eine Frau im Vorstand haben. Die Übergangsfrist für die Regelung gilt bis zum 1. August.

Im Aufsichtsrat großer Konzerne ist schon länger ein Mindestanteil von 30 Prozent verpflichtend. Laut Russell Reynolds könnte diese Marke auch in Dax-Vorständen in zwei Jahren durchbrochen werden. Die drei Dax-Konzerne Continental, Fresenius Medical Care und Siemens Healthineers haben bereits jeweils 40 Prozent Frauen in ihren Vorstandsgremien und verfügen damit über die höchste Frauenquote im Vorstand.

Vier weitere Dax-Unternehmen kommen inzwischen auf einen Frauenanteil über 30 Prozent (Daimler, Deutsche Telekom, BASF, RWE). Insgesamt erreichen 21 von 40 Dax-Unternehmen eine Quote von mindestens 20 Prozent.

8 Dax-Unternehmen ohne Frau im Vorstand - doch nur Sartorius und MTU müssen nachbessern

Insgesamt sind derzeit 199 der 246 Dax-Vorstände männlich. Der Zählung zufolge haben 8 der 40 Dax-Unternehmen keine Frau im Vorstand. Brenntag, Hello Fresh, Linde, Porsche SE, Delivery Hero, Symrise, Sartorius und MTU.

Sartorius und MTU müssen nach der seit August 2021 geltenden gesetzlichen Frauenquote beim nächsten Wechsel im Vorstand eine Frau berufen. Für die sechs anderen greift das Gesetz nicht, da sie nicht mitbestimmt sind oder der Vorstand nur drei Mitglieder hat.

Zudem zeigt die Analyse von Russell Reynolds, dass Frauen keineswegs schneller wieder von ihren Vorstandspositionen abtreten als ihre männlichen Kollegen. Im letzten Jahr schieden 13 Männer (3%) und zwei Frauen aus (2,7%). Auch werden Frauen nicht grundsätzlich besser bezahlt als männliche Dax- oder M-Dax-Vorstände. Über alle 90 Dax- und M-Dax-Unternehmen gesehen (und Vorsitzende ausgenommen), liegt die durchschnittliche Vergütung von Frauen zwar höher. Im Gehaltsdurchschnitt der Unternehmen, in denen Frauen im Vorstand sitzen (in der Regel die größeren und oft besser zahlenden Unternehmen), liegt die Vergütung der Frauen etwas niedriger als bei ihren männlichen Vorstandskollegen.

Bei den 50 mittelgroßen Aktiengesellschaften im MDax stieg die Frauenquote im vergangenen Jahr von 11 auf 11,7 Prozent. In 29 der 50 Firmen sind den Personalberatern zufolge nur Männer im Vorstand. Der geringe Frauenanteil lässt sich darauf zurückführen, dass im MDax Unternehmen von der gesetzlichen Pflicht ausgenommen sind. Insgesamt wurden im MDax 2021 nur fünf Frauen neu in Vorstandsgremien berufen. Unter ihnen auch Lisa Agona, Marketingchefin bei Teamviewer – die das Amt aber schon nach einem halben Jahr wieder verlassen hat.

sio/dpa