Quote bei lediglich 11,5 Prozent Es gibt genug Frauen für Vorstandsposten

Es liegt nicht daran, dass Frauen nicht wollen oder können, sagen Personalberater. Doch bleiben weibliche Vorstände weiter die Ausnahme. Schreibt man die jüngste Entwicklung fort, bräuchte es noch 30 Jahre, bis Männer und Frauen paritätisch vertreten sind.
Unter Männern: 60 Prozent aller Dax-Unternehmen haben nicht eine Frau im Vorstand

Unter Männern: 60 Prozent aller Dax-Unternehmen haben nicht eine Frau im Vorstand

Foto: Oliver Berg / DPA

Die Zahl weiblicher Vorstände in den börsennotierten deutschen Unternehmen ist auf einen Höchststand gestiegen - und doch steht eine Frau in den Führungsetagen durchschnittlich neun Männern gegenüber. Derzeit sind 11,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 160 Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen weiblich, wie das Beratungsunternehmen EY am Montag mitteilte. Unter insgesamt 681 Vorstandsmitgliedern zählte EY 78 Frauen - und damit acht mehr als zum Beginn vergangenen Jahres.

"Würde der Frauenanteil weiter so wachsen wie bisher, würde es noch 30 Jahre dauern, bis die Hälfte aller Vorstandspositionen mit Frauen besetzt sind", kritisierte EY-Personalexperte Markus Heinen. "Man kann zur derzeit im Gesetzesverfahren befindlichen Quote stehen wie man will", erklärte er. "Aber wir können davon ausgehen, dass sie den Anteil von Frauen im Vorstand in kurzer Zeit signifikant steigern wird", glaubt Heinen.

60 Prozent aller Dax-Firmen haben nicht eine Frau im Vorstand

Laut EY findet sich in 60 Prozent aller in den Dax-Indizes gelisteten Unternehmen nach wie vor keine einzige Frau im Vorstand. In sechs der 160 Unternehmen hat eine Frau den Vorstandsvorsitz - darunter ist jedoch keines der 30 Dax-Unternehmen. Dafür ist der Anteil weiblicher Vorstände hier laut EY am höchsten: 15,7 Prozent der Vorstandsposten im Dax sind mit Frauen besetzt. Im MDax machen Frauen demnach 11,2 Prozent der Vorstände aus, im SDax nur 8,6 Prozent.

Es sei "ein fatales Signal für weibliche Beschäftigte" und "spricht auch nicht für die Kultur in einem Unternehmen, wenn Frauen es offensichtlich schwer haben, in verantwortliche Positionen zu kommen", sagte Heinen weiter.

Das Bundeskabinett hatte im vergangenen Jahr einen Gesetzentwurf zur Erhöhung des Frauenanteils in den Chefetagen großer Unternehmen auf den Weg gebracht. Demnach muss in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern künftig mindestens eine Frau sitzen. Bei Firmen mit einer Mehrheitsbeteiligung des Bundes soll generell bereits bei mehr als zwei Mitgliedern in der Geschäftsführung mindestens eine Frau sein. Arbeitgeber hatten in der Vergangenheit beklagt, dass die Besetzung der Topposten teilweise an einem Mangel an Kandidatinnen scheitere.

Simone Siebeke vom Beratungsunternehmen Spencer Stuart für die Vermittlung von Führungskräften hält das Argument nicht für stichhaltig. "Wir wissen, dass eine ausreichende Zahl hoch qualifizierter Frauen für Vorstandsposten vorhanden ist", sagte Siebeke. Nach Einschätzung der Personalberaterin liege es nicht daran, "dass Frauen nicht wollen oder können". Um mehr Frauen in Führungspositionen und Vorstandposten zu bekommen, brauche es "Offenheit und Bereitschaft der Entscheider", argumentiert die Expertin.

rei/AFP, DPA