Frankfurter Flughafen Fluggäste brauchen starke Nerven – und viel Geduld

Über den kompletten Sommer müssen Reisende am Frankfurter Flughafen mit Problemen bei der Abfertigung rechnen. Der Betreiber Fraport begründet das mit Personalmangel bei Flughäfen, Airlines und Dienstleistern infolge der Corona-Krise.
Lange Wartezeiten: Fliegen könnte im Sommer zur Geduldsprobe werden

Lange Wartezeiten: Fliegen könnte im Sommer zur Geduldsprobe werden

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Am Frankfurter Flughafen müssen Passagiere auch im bevorstehenden Reisesommer Geduld mitbringen. Der Flughafenbetreiber Fraport rechnet mit Problemen bei der Abfertigung der Flugzeuge, da weiter nicht 100 Prozent des Personals zur Verfügung stehe. Der Hochlauf des Flugverkehrs aus der Corona-Flaute laufe sehr schnell, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte (62) am Dienstag bei der Hauptversammlung des MDax-Konzerns.

Er rechne im Sommer mit 70 bis 75 Prozent des Passagieraufkommens aus der Vorkrisenzeit, wobei es zu sehr starken Betriebsspitzen komme, sagte Schulte. Er entschuldige sich für die nicht immer gute Qualität der Dienstleistungen. Der Fraport-Chef kündigte an, in enger Abstimmung mit den Fluggesellschaften wie zur Osterzeit den Flugplan zu entzerren. Flüge müssten verschoben oder auch gestrichen werden, um Chaos zu vermeiden. Zu Ostern hatte der Hauptkunde Lufthansa bereits mehr als 100 Flüge gestrichen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Auch andere europäische Flughäfen hatten beim Hochlauf des Betriebs erhebliche Probleme. Ein Grund ist der Personalmangel bei Flughäfen, Airlines und Dienstleistern. In der Corona-Krise hatten zahlreiche Unternehmen ihre Belegschaften verkleinert und haben nun Probleme, neue Kräfte zu gewinnen. Fraport möchte in diesem Jahr 1000 neue Mitarbeiter einstellen.

Vorstand will im Sommer bei Abfertigung aushelfen

Man werbe auch mit der Hilfe von Personaldienstleistern im europäischen Ausland an, sagte Schulte. Mehr als 100 neue Leute im Monat könne man aber kaum einstellen, weil diese Sicherheitsüberprüfungen ablegen und angelernt werden müssten. Im Sommer würden erneut Verwaltungsmitarbeiter einschließlich des Vorstands bei der Abfertigung mitarbeiten. Mittelfristig müsse man sich flexibler aufstellen, da sich mit zunehmender Bedeutung des Freizeitverkehrs in den Sommermonaten die Nachfrage überproportional erhöhe.

Gewinnrücklage statt Dividende, weitere Abschreibungen möglich

Auf der Hauptversammlung wurden sämtliche Vorschläge des Vorstands und des Aufsichtsrats von den Aktionären angenommen. Die Eigner mit dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt an der Spitze verzichteten damit auch auf eine Dividende für das Geschäftsjahr 2021, für das Fraport einen Bilanzgewinn von 38,26 Millionen Euro ausgewiesen hatte. Dieser geht nun in die Gewinnrücklage.

Wie Schulte weiter erklärte, könnte der Flughafenbetreiber den Wert seiner 25-prozentigen, wegen des Ukraine-Krieges auf Eis liegenden Beteiligung am Flughafen Pulkovo in St. Petersburg weiter abschreiben. Das sei nicht auszuschließen, sagte der Fraport-Chef. Nach einer ersten Abschreibung von 48 Millionen Euro stehe die Beteiligung noch mit 111 Millionen Euro bei Fraport zu Buche. Schulte bekräftigte, ein Verkauf sei vertraglich bis 2025 nicht möglich. Ob es zu einer Enteignung kommen könne, sei unklar.

hr, rei/dpa-afx/Reuters
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