Entspannung der Lieferketten Frachtraten in der Containerschifffahrt sinken

Die Frachtraten in der Containerschifffahrt nähern sich wieder ihrem Vorkrisenniveau an. Mit der Pandemie waren sie förmlich explodiert und auf das Zehnfache der üblichen Transportkosten gestiegen. Jetzt treibt der stagnierende Welthandel die Preise nach unten – und löst allmählich den Frachterstau vor wichtigen Containerhäfen auf.
Auf Abwärtskurs: Auf der Route von China zur US-Westküste liegen die Raten schon fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau

Auf Abwärtskurs: Auf der Route von China zur US-Westküste liegen die Raten schon fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau

Foto: Gregor Fischer / Getty Images

Entspannung in der Schifffahrt: Die nach Ausbruch der Pandemie stark gestiegenen Frachtraten in der Containerschifffahrt sinken deutlich. Der stagnierende Welthandel sorgt für etwas nachlassenden Druck auf die globalen Lieferketten. Insbesondere die Abkühlung im Handel mit China treibt die Transportkosten nach unten, wie das Kiel Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) am Donnerstag mitteilte.

Die Frachtraten für Warentransporte von China nach Nordamerika und Europa fallen dem Institut zufolge seit rund vier Monaten rapide, auf der Route von China zur US-Westküste lägen sie schon fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau, auf der Route von China nach Westeuropa noch nicht ganz.

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 waren Angebot und Nachfrage im globalen Warenverkehr durcheinandergeraten – die Verfügbarkeit von Frachtkapazität sank, die Nachfrage insbesondere nach Gütern und deren Transport aus China für Heimarbeit, Sport und Unterhaltung stieg aber. In der Folge explodierten die Frachtraten auf bis zum Zehnfachen der lange üblichen Transportkosten.

"Der Septemberhandel ist durch eine schwache Nachfrage nach Waren aus China durch Europa und Nordamerika geprägt", sagte Vincent Stamer, Leiter des Kiel Trade Indicator. Dies zeige sich in den schwachen Werten für die Importe der EU und der USA sowie für den gesamten Welthandel.

Globaler Handel im September rückläufig

Deutschlands Im- und Exporte waren im Vergleich zum August mit minus 0,5 beziehungsweise minus 0,1 Prozent leicht rückläufig. Für die EU zeichnet sich laut IfW ein ähnliches Bild ab. Mehr Bewegung gebe es dagegen in den USA, wo bei den Importen ein klares Minus von 4,4 Prozent stehe, sowie in China mit einem Plus von 3,9 Prozent bei den Importen. Russland könne sowohl bei den Im- als auch Exporten ein leichtes Plus erwarten.

Durch den geringeren Handel löst sich auch der Frachterstau in der Deutschen Bucht langsam auf, wie IfW weiter mitteilte. Nach IfW-Berechnungen stecken weltweit aber immer noch rund 12 Prozent aller verschifften Waren in Staus vor wichtigen Containerhäfen fest.

Zwölf Schiffe stecken in Deutscher Bucht fest

Von den beobachteten Staus sei derjenige in der Nordsee nach wie vor am gravierendsten und binde über 2 Prozent der weltweiten Frachtkapazität, die weder be- noch entladen werden könne. "In der Deutschen Bucht bildet sich der Stau allerdings zurück, nur noch zwölf Containerschiffe warten hier auf Abfertigung in Hamburg oder Bremerhaven." Vor einem Monat seien es noch 19 gewesen.

dri/Reuters, dpa
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