Batteriefabriken Ford investiert Milliarden in E-Mobilität und neue Werke

Lange hielt Ford an Autos mit klassischen Verbrennungsmotoren fest. Doch jetzt muss der Konzern aufholen, damit er nicht abgehängt wird. Ford-Chef Jim Faley kündigt die größte Investition in der Unternehmensgeschichte an.
Wuchtig und voll elektrisch: Ford-Chef Jim Faley posiert vor einem Ford F-150

Wuchtig und voll elektrisch: Ford-Chef Jim Faley posiert vor einem Ford F-150

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REBECCA COOK / REUTERS

Ford lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und stellte in der Nacht zu Dienstag einen ambitionierten Plan zum Ausbau seiner Elektroautoproduktion in den USA vor. Im Bundesstaat Tennessee will der Konzern ein komplett neues Werk mit angeschlossener Batterieproduktion bauen. In Kentucky sollen zudem zwei weitere neue Batteriefabriken entstehen. Die neuen Anlagen sollen zum Jahr 2025 verfügbar sein, erklärte Ford-Chef Jim Farley am Dienstag im TV-Sender CNBC. Die Investitionen belaufen sich auf 11,4 Milliarden Dollar und sollen rund 11.000 Arbeitsplätze schaffen. 4,4 Milliarden davon steuert Fords koreanischer Batteriepartner SK Innovation bei.

Batteriekapazitäten für eine Million E-Autos

Es gehe um Batteriekapazitäten für rund eine Million Fahrzeuge pro Jahr, erklärte Farley. Ford verkauft in den USA rund zwei Millionen Fahrzeuge jährlich, mehr als eine Million davon entfällt auf die Pick-ups der F-Baureihe. Elektro-Versionen dieser Modelle wie etwa des Bestsellers F-150 sollen ein Schwerpunkt für die neuen Werke sein, sagte der Ford-Chef. Die großen US-Autokonzerne arbeiten im Umschwung zur Elektromobilität unter Hochdruck daran, ihre wichtigsten Produktkategorien gegen Attacken von Herausforderern wie Tesla oder Rivian zu verteidigen.

US-Marktführer General Motors hatte angekündigt, die Produktion bis 2035 komplett auf E-Autos umzustellen. So weit geht Ford nicht, auch weil der Konzern lange am Bau von Verbrennungsmotoren festgehalten hat. Erst unter dem seit knapp einem Jahr amtierenden Farley setzt Ford verstärkt auf Elektroautos. Der Konzern erwartet, dass der Anteil reiner E-Autos an seiner Flotte bis 2030 auf 40 bis 50 Prozent ansteigt. Derzeit verzeichnet Ford eine starke Nachfrage nach dem neuen Pickup F-150 Lightning und anderen Elektromodellen wie dem E-Transit und dem Mustang Mach-E.

Chipkrise könnte Ford noch bis Ende 2022 belasten

Ford stellt sich darauf ein, dass die Autobranche noch lange unter der Halbleiter-Knappheit leiden wird. "Ich denke, man kann mit Sicherheit sagen, dass uns voraussichtlich bis Ende kommenden Jahres wichtige Elektronik-Teile fehlen werden", erklärte Farley weiter. Der US-Autoriese gehört zu den Herstellern, die zuletzt besonders schwer von den Engpässen betroffen waren.

Doch auch der Rest der Autobranche leidet den Halbleiter-Engpässen. Ein Grund ist, dass die Geschäfte mit ihr wegen relativ niedriger Stückzahlen für die Chipkonzerne weniger lukrativ sind als beim Verkauf an große Elektronikkonzerne. Viele Autohersteller hatten zu Beginn der Pandemie zudem selbst Nachfrage-Einbrüche - in der Folge stornierten sie bereits zugesagte Mengen bei den Halbleiterfirmen. Jetzt, wo das Autogeschäft wieder besser läuft, fehlen diese Chips. Auslöser der Halbleiter-Knappheit war unter anderem die erhöhte Nachfrage nach Notebooks und anderen Elektronikprodukten in der Corona-Krise.

rei/AFP/DPA/Reuters
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