Folgen der Sanktionen Welthandel seit Ukraine-Krieg im Abschwung

Der Ukraine-Krieg wirft den Welthandel laut Institut für Weltwirtschaft zurück. Die schwächelnde Konjunktur zeigt sich bereits in der Industrie, die einen deutlichen Auftragsrückgang meldet – besonders aus dem Ausland.
Geschwächter Welthandel: Die deutsche Industrie erhielt im Februar deutlich weniger Aufträge, insbesondere aus dem Ausland

Geschwächter Welthandel: Die deutsche Industrie erhielt im Februar deutlich weniger Aufträge, insbesondere aus dem Ausland

Foto: Daniel Reinhardt / picture alliance/dpa

Nach über einem Monat Krieg in der Ukraine zeigen sich den Kieler IfW-Forschern zufolge immer mehr negative Folgen für den globalen Handel. Der Konflikt treffe fast alle Volkswirtschaften und den gesamten Welthandel deutlich, teilte das Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Mittwoch mit. "Reale Verwerfungen durch die Invasion Russlands in der Ukraine und die Sanktionen des Westens sowie eine hohe Unsicherheit der Firmen mit Beziehungen zu Russland werfen den Märzhandel spürbar zurück", erklärte IfW-Experte Vincent Stamer. Laut Kiel Trade Indicator für März dürfte der Welthandel im Vergleich zum Vormonat - preis- und saisonbereinigt - deutlich um 2,8 Prozent zurückgehen.

Für Russland signalisiert das Barometer einen weiter fallenden Handel (Exporte: minus 5,0 Prozent, Importe: minus 9,7 Prozent). An den drei größten Häfen Russlands, St. Petersburg, Wladiwostok und Novorossiysk, sei der Containerfrachtverkehr bereits um die Hälfte eingebrochen. "Die Sanktionen des Westens zeigen ganz offenbar Wirkung, und die russische Bevölkerung sieht sich einem immer knapper werdenden Warenangebot gegenüber", sagte Stamer. Europas Unternehmen und Reedereien schränkten offensichtlich den Transport über den Seeweg ein. "Gleiches dürfte für den Handel über den wichtigeren Straßenverkehr gelten, was den starken Rückgang bei Russlands Importen erklärt."

Die Ukraine sei praktisch vom internationalen Seehandel abgeschnitten. Den wichtigsten Hafen des Landes, Odessa am Schwarzen Meer, habe seit Kriegsausbruch kein großes Containerschiff mehr angelaufen.

Für China stehen die Signale laut IfW auf Stagnation. "Der Lockdown der Metropolregion Shanghai, wo vor allem Elektronikartikel für den Export produziert werden, schlägt sich noch nicht klar in den Handelszahlen für März nieder." Dies liege wohl auch daran, dass der Hafen dort weiter betrieben werde. "Künftige Verwerfungen in Chinas Handel sind damit aber keineswegs vom Tisch, auch weil die Omikron-Variante des Corona-Virus nach wie vor grassiert." Besorgniserregend sei zudem der deutliche Anstieg der weltweiten Containerschiffstaus, der auch auf Lockdowns in China zurückzuführen sei.

Der Rückgang des Welthandels machte sich bereits im Februar, als der Krieg ausbrach, in der deutschen Industrie bemerkbar. Gegenüber Januar gingen die Bestellungen in der Branche um 2,2 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Die geringere Nachfrage kam vor allem aus dem Ausland. Von dort gingen 3,3 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat. Die Inlandsaufträge gingen nur leicht um 0,2 Prozent zurück.

dri/dpa-afxp
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