US-Firma Wisk Boeing wettet 450 Millionen Dollar auf Robo-Flugtaxis

Der US-Flugzeugbauer erhöht seinen Einsatz als Investor bei Wisk. Der Konzern pumpt fast eine halbe Milliarde Dollar in das Start-up, dessen Jets irgendwann ganz ohne Piloten fliegen sollen.
Bunter Prototyp: Das Flugtaxi des US-Start-ups Wisk Ende 2021 auf einer Tech-Konferenz in den USA

Bunter Prototyp: Das Flugtaxi des US-Start-ups Wisk Ende 2021 auf einer Tech-Konferenz in den USA

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MIKE BLAKE / Reuters

Der US-Flugzeugbauer Boeing investiert weitere 450 Millionen Dollar in das Start-up Wisk, um die Entwicklung autonom fliegender Flugtaxis zu unterstützen, teilte der Konzern am Montag mit. Der Airbus-Rivale erhöht damit seinen Einsatz in dem Segment deutlich.

Das in Kalifornien ansässige Unternehmen Wisk war 2010 gegründet worden. Unter den Haupteignern ist neben Boeing das vom Google-Mitbegründer Larry Page (48) ins Leben gerufene Luftfahrt-Start-up Kitty Hawk, das aktuell vom Deutschen Tech-Innovator  Sebastian Thrun (54) geführt wird und selbst ein Fluggerät entwickelt. Mit dem frischen Kapital von Boeing ist Wisk nun eine der am besten finanzierten Flugtaxi-Firmen.

Der Hype um die jungen Luftverkehrsfirmen war zuletzt ein wenig abgeflaut, obwohl etliche der Firmen im vergangenen Jahr vor allem in den USA an die Börse gegangen sind. In Deutschland arbeitet vor allem Lilium um Gründer Daniel Wiegand (36)  an einem senkrecht startenden Elektrojet. Der Rivale Volocopter war zuletzt ins Schlingern geraten . Eine Zulassung hat weltweit noch keine der Firmen.

Anders als die meisten Konkurrenten setzt Wisk-Chef Gary Gysin konsequent auf autonom fliegende Jets, ohne menschliche Piloten. Zwar streben auch einige der Konkurrenten in Zukunft einen Betrieb ohne Piloten an, um einen Flugtaxiservice profitabel betreiben zu können. Da aber eine Zulassung für ein autonom fliegendes Flugzeug ohne steuernde Menschen an Bord deutlich aufwändiger ist, schrecken die meisten Entwickler davor im ersten Schritt zurück.

Wisk geht volles Risiko – und macht sich damit technisch attraktiv für Boeing. "Wir sind der Meinung, dass dies der große strategische Vorteil von Wisk ist, da wir direkt zu einem selbstfliegenden Flugzeug übergehen und diese Prinzipien auf jeder Ebene des Designs und der Entwicklung einbauen", sagte Marc Allen, Chief Strategy Officer von Boeing, gegenüber der Nachrichtenagenur Reuters. Boeing ist vor allem an der Technik für die autonome Steuerung über künstliche Intelligenz  interessiert, die künftig nicht nur im Passagier-, sondern auch im Frachtsegment eingesetzt werden soll.

Die meisten Flugtaxihersteller streben eine Zulassung ab 2024 an. Weil Wisk in der Entwicklung eine Stufe überspringt, dürfte es noch deutlich länger dauern, bis das Unternehmen eine Zulassung erhält. Boeing lehnte es ab, ein konkretes Datum zu nennen; das Flugzeug wäre aber das erste autonom fliegende in den USA. Wisk könnte erst 2028 eine Zulassung beantragen, berichtet Reuters mit Bezug auf Insider.

lhy/Reuters