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Fließender Übergang

Epcos: Vorstandschef Klaus Ziegler will in Rente gehen. Zuvor muss er noch die Weichen stellen.
aus manager magazin 3/2000

Das Alters-Heim steht schon. Im Engadin hat sich Epcos-Vorstandschef Klaus Ziegler (65) ein schönes Domizil eingerichtet für fröhliche Ferientage mit den sieben Enkeln, ausgedehnte Wanderungen und angenehme Lektüre.

Verführerisch schildert Ziegler die Freuden des Rentnerdaseins. Doch seine Augen funkeln erst, als er von Widerständen, Kondensatoren und Induktoren spricht - jenen Produkten also, die Epcos herstellt und vertreibt.

Keine Frage: Der Abschied von seinem Job bei Epcos, dem ehemaligen Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Matsushita, fällt Ziegler schwer. Doch jetzt hat sich der bodenständige Kölner endlich durchgerungen. Spätestens im Mai des kommenden Jahres geht Ziegler in Ruhestand.

Damit der angekündigte Ausstieg ohne störende Spekulationen abläuft, präsentiert er auch gleich seinen Nachfolger. Kronprinz Gerhard Pegam (38) soll die Epcos-Führung übernehmen.

Der Jungmanager hat sich vom Produktmarketing-Ingenieur für Oberflächenwellenfilter zum Chief Operating Officer bei Epcos hochgearbeitet. Der Siemens-Ableger ist seit Oktober vergangenen Jahres an der Börse notiert. Es war kein glänzender Start. Analysten hatten Epcos äußerst skeptisch beurteilt.

Mittlerweile notiert das Unternehmen im Dax und entwickelt sich prächtig. Im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2000 (zum 30. 9.) erzielte das Unternehmen einen um 47 Prozent höheren Umsatz. Der Vorsteuergewinn stieg um beachtliche 160 Prozent.

Der Erfolg gebührt Ziegler. In 22 Jahren baute er den von heftigen Konjunkturschwankungen gebeutelten Siemens-Bereich zur Nummer drei am Weltmarkt auf. Und er managte die eher schwierige Zusammenarbeit mit den Japanern.

Im letzten Jahr seiner 50 Berufsjahre, die er im Dunstkreis des Siemens-Konzerns verbrachte, will der gelernte Kaufmann "aus Epcos noch etwas Größeres" machen. Konkret heißt das, er schaut sich nach geeigneten Übernahmekandidaten um.

Zu gern würde Ziegler das Unternehmen zum Weltmarktführer bei passiven Bauelementen ausbauen. Dazu fehlen nur noch 300 Millionen Euro Umsatz. Um extern in dieser Größenordnung zu wachsen, könnte schon der Kauf des amerikanischen Konkurrenten Kemet genügen. Ein noch lohnenderes Ziel wäre der US-Anbieter Vishay.

So richtig eilig hat es Ziegler mit seinen Kaufplänen allerdings nicht. Schließlich hofft er, auch nach seinem Abgang als CEO die Geschicke von Epcos zu beeinflussen - als Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Eva Müller

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