Lufthansa-Chef Spohr Fliegen wird wieder teurer

Gestiegene Treibstoffkosten führen erneut zu höheren Preisen für Flugtickets – das erwartet Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Der Konzernlenker rechnet zudem mit einem raschen Ende der Maskenpflicht an Bord.
"Wir erleben bei Buchungen einen Nachfrageschub": Lufthansa-Chef Carsten Spohr

"Wir erleben bei Buchungen einen Nachfrageschub": Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Foto: ANDREAS GEBERT / REUTERS

Die Lufthansa hat die Ticketpreise in diesem Jahr schon zwei Mal erhöht und muss laut Vorstandschef Carsten Spohr (56) weiter an der Preisschraube drehen. "Ich gehe davon aus, dass sich Fliegen weiter verteuert", sagte Spohr dem "Spiegel". Die mit dem Ölpreis steigenden Treibstoffkosten könnten nur zum Teil durch Termingeschäfte abgefangen werden.

Beim Kerosin, das der Konzern jetzt für die Zukunft einkauft, schlage der gestiegene Ölpreis bereits voll durch. Auch Kosten für Personal und Bodendienste oder die Flughafengebühren steigen, wie Spohr auf einer Branchenkonferenz diese Woche erklärte. Nach Berechnungen der Analysten der Schweizer Bank UBS ist der durchschnittliche Ticketpreis der Lufthansa in der Economy Class im zweiten Quartal 47 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Trotz der höheren Preise erwartet der Lufthansa-Chef keinen Einbruch bei Ticketverkäufen – im Gegenteil: "Wir erleben bei den Buchungen einen Nachfrageschub. Vergangenes Jahr lagen wir noch bei 40 Prozent der Sitzkapazität von 2019, zurzeit sind wir bei über 50 Prozent, und für den Sommer erwarten wir im Schnitt 90 Prozent." Auf bestimmten Routen habe die Airline bereits mehr Buchungen als 2019.

Champagner-Konsum an Bord nimmt zu

Viele Menschen wollten nach zwei Jahren Pandemie wieder verreisen und sich "etwas gönnen", sagte Spohr weiter. "Wir sehen zum Beispiel, dass immer mehr Privatreisende Business- und First-Class-Tickets kaufen. Deshalb nimmt übrigens auch der Champagner-Konsum an Bord zu."

Der Konzernchef rechnet zudem mit einem raschen Ende der Maskenpflicht in den Flugzeugen: "Viele Staaten lockern ihre Auflagen oder schaffen sie ganz ab, auch in Deutschland wird es dazu kommen", sagte er dem Magazin. "Schon im Mai könnten Restriktionen wie Abstands- und Maskenregeln im globalen Luftverkehr fallen." Ein Teil der Passagiere werde aber sicher auch weiterhin aus eigenem Wunsch die Maske an Bord tragen.

Lufthansa will alle A380-Flugzeuge verkaufen

Die Lufthansa werde die komplette Flotte ihrer 14 Airbus A380-Flugzeuge verkaufen, sagte Spohr dem "Spiegel" darüber hinaus: "Das ist endgültig vorbei". Das Flugzeug mit vier Triebwerken sei im Vergleich zu den neuesten zweistrahligen Langstreckenjets zu unwirtschaftlich.

Die Airline hatte sämtliche A380 zu Beginn der Coronapandemie vor gut zwei Jahren außer Dienst genommen. Sechs seien bereits verkauft. "Diese Flugzeuge verlassen uns in diesem und im nächsten Jahr. Von den übrigen acht werden wir uns ebenfalls trennen", so Spohr.

hr/AFP, reuters
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