Einwanderung Keine Entspannung beim Fachkräftemangel

In Deutschland fehlen Fachkräfte, doch darf längst nicht jeder hier arbeiten, der gebraucht würde. Mit neuen Regeln für Einwanderer will die Bundesregierung Abhilfe schaffen - aber wie Erfolg versprechend ist das Gesetz? Das Ifo-Institut fragte exklusiv für Randstad und manager-magazin.de bei deutschen Personalchefs nach.

Hamburg/München - Einerseits klagen Deutschlands Unternehmer über den Mangel an Fachkräften, andererseits ist es für Ausländer nicht eben leicht, in Deutschland eine Beschäftigung aufzunehmen. Deshalb hat die Bundesregierung ein Gesetz verabschiedet, das die Hürden ab 2009 senken soll.

Wie reagieren diejenigen auf die Maßnahme, deren Probleme damit gelöst werden sollen? Das Münchener Ifo-Institut befragte 1000 Personalchefs in Deutschland, ob sie sich von dem Programm eine Linderung ihrer Fachkraftsorgen versprechen. Das Ergebnis ist eher verhalten: Nur rund 11 Prozent gaben an, dass das Programm der Regierung zu einer Vergrößerung des Fachkräfteangebots führen wird.

Demgegenüber stehen 44 Prozent, die keinen derartigen positiven Effekt erwarten. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. So könnten die Anforderungen für Ausländer, um hier eine Arbeit aufnehmen zu dürfen, noch immer recht hoch gesteckt sein. Wahrscheinlich ist außerdem, dass viele Berufsgruppen, in denen Mitarbeiter rar sind, keine akademische Ausbildung erfordern.

Der "Beitrag der Arbeitsmigration zur Sicherung der Fachkräfte Basis in Deutschland", wie die Regierung ihre Gesetzesnovelle getauft hat, gilt jedoch nur für Bewerber mit Hochschulabschluss. Für sie soll die bisherige "Vorrangprüfung" wegfallen, also der aufwendige Nachweis, dass für den Arbeitsplatz, auf dem sie arbeiten wollen, kein deutscher Bewerber zur Verfügung steht. Allerdings suchen deutsche Unternehmen beispielsweise händeringend Fachinformatiker - ein Job, für den man nicht zwingend studiert haben muss. Diese Bewerber werden es genauso schwer wie bisher haben.

Aus der Statistik lässt sich aber auch eine gute Nachricht herauslesen: Mehr als 40 Prozent der Unternehmen glauben, 2009 keine Probleme mit der Rekrutierung von Fachkräften zu haben. Das gilt vor allem für Arbeitgeber im Handel, die sich zu 47 Prozent für diese Antwort entschieden. Der Grund dafür könnte in der Qualifikationsstruktur im Handel liegen - allerdings auch darin, dass viele Einzelhändler weiter mit sinkenden Beschäftigtenzahlen kalkulieren.

Die Befragung fand im Rahmen der regelmäßigen Erhebung des Flexindex durch das Ifo-Institut statt. Quartalsweise erkundigen sich die Wirtschaftsforscher bei rund 1000 Personalern nach dem Einsatz von Instrumenten zum flexiblen Personaleinsatz. Dazu zählen etwa Überstunden, Arbeitszeitkonten, befristete Verträge, Zeitarbeit, freie Mitarbeiter oder Outsourcing.

Das Hauptgewicht liegt bei Überstunden, deren Bedeutung nach Einschätzung der Befragten weiter zunehmen wird. Das größte Potenzial haben zudem Arbeitszeitkonten. Auf immer weniger Gegenliebe stoßen dagegen Minijobs und freie Mitarbeiter. Die geringste Bedeutung in den kommenden drei Monaten messen die Befragten der Zeitarbeit zu. Insgesamt hat die Relevanz von Flexibilisierungsinstrumenten im Vergleich zu früheren Erhebungen leicht zugenommen, wird aber in den folgenden Monaten nach Einschätzung der Personalchefs wieder nachlassen.

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