Zur Ausgabe
Artikel 82 / 124
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Flach-TV

Plasma-Bildschirme: Die teuren Fernseher werden an die Wand gehängt.
aus manager magazin 3/2000

Zu den wenigen natürlichen Feinden des Innenarchitekten zählte bislang die Fernsehtechnik: Überall, wo große Bildschirme gewünscht oder gebraucht wurden, gab es Probleme mit der dritten Dimension.

Die Geometrie herkömmlicher Bildröhren bedingt nun mal, dass jede Zunahme der Schirmfläche einhergeht mit einer proportional größeren Tiefe des Gesamtgeräts. Wer etwa einen Monitor mit 80 Zentimetern Diagonalmaß haben wollte, bekam folglich ein fast ähnlich tiefes Ungetüm. Das sprengt die Gestaltungsmöglichkeiten der meisten deutschen Wohnzimmer. Von Schlafzimmern ganz zu schweigen.

Damit kann nun Schluss sein: Besser sortierte Elektronikmärkte vertreiben heute Fernseher mit so genannten Plasma-Bildschirmen. Die sind so flach, dass man sie wie Gemälde an die Wand hängen kann. Das schmalste Modell ist gerade mal acht Zentimeter tief - bei 107 Zentimetern Bilddiagonale. Neben dieser Eleganz wirkt herkömmliche Röhrentechnik wie eine Dampfmaschine neben einem Mikrochip.

Der Eindruck verstärkt sich mit jeder Betriebssekunde: Auch banalste Szenen aus Daily Soaps, Zeichentrickserien oder Werbespots üben durch die brillante Wiedergabe der Plasma-Fernseher eine geradezu magische Anziehung aus.

Das gelingt selbst dann, wenn der Betrachter in spitzem Winkel zu dem vollkommen planen Bildschirm steht. Der leuchtet wie das sonnendurchflutete Glasfenster einer gotischen Kathedrale - absolut flimmerfrei und mit strahlkräftigen Farben, als sei die vom vielen Fernsehen strapazierte Netzhaut des Zuschauers zuvor poliert worden.

Plasma-Monitore sind der größte Entwicklungssprung in der Bildschirmtechnik seit der Einführung des Farb-TV. Und sie sind ein Verkaufserfolg: Trotz ihres abenteuerlichen Preises - im Einzelhandel kosten Plasma-Fernseher rund 20 000 Mark - wurden 1999 in Deutschland rund 20 000 Stück abgesetzt. In diesem Jahr sollen es schon 50 000 sein. Alle Hersteller haben Lieferzeiten von mehreren Monaten.

Ein Plasma-Bildschirm funktioniert im Prinzip wie zigtausend unter dem Rechteck des Displays regelmäßig angeordnete Leuchtstoffröhren. "Plasma" bedeutet in der Physik glühendes Gas, das aus Ionen besteht, elektrisch geladenen Teilchen. Das findet sich in jeder Neonlampe; das Edelgas glüht dank der angelegten Spannung quasi auf Raumtemperatur und gibt die elektrische Energie, die hineinfließt, in Form von Licht ab.

Mischt man nun das Edelgas Neon mit dem teureren Xenon, so entsteht an den Elektroden UV-Strahlung (siehe Grafik). Die regt die Phosphorbeschichtung der Leuchtzellwände so an, dass die, je nach Zusammensetzung des Phosphors, blaues, rotes oder grünes Licht abgeben.

Aus den drei Farben lassen sich, analog zur herkömmlichen Bildröhre, die 16,7 Millionen Farbtöne mischen, die ein lebensechtes Fernsehbild ergeben. Drei dieser Leuchtzellen - jeweils eine für blaues, für rotes und für grünes Licht - ergeben einen Bildpunkt ("Pixel"), der von der zentralen Recheneinheit des Geräts über das Raster der Elektroden präzise angesteuert werden kann.

Verzerrungen, die sich ergeben könnten, weil der Plasma-Bildschirm nicht wie die TV-Röhre eine abgerundete, sondern eine ebene Oberfläche hat, gleicht ein Korrekturprogramm bei jedem Bildaufbau aus. Also 50-mal pro Sekunde.

Das Fernsehbild wird im Plasma-Display aus 409 000 Pixeln zusammengesetzt. Das sind 111 000 weniger als bei modernen Farbröhren. Doch es sind immer noch genug, um bei Bedarf auch Bilder aus dem Internet oder anderen digitalen Speichermedien gestochen scharf und sehr viel größer wiederzugeben als etwa auf den LCD-Flachbildschirmen der Com- puterbranche. Deren Flüssigkristall-Technik ist längst nicht so lichtstark wie das Plasma, das sich selbst gegen direkte Sonneneinstrahlung durchsetzt. Und noch ist es nicht gelungen, größere LC-Displays herzustellen als im gewöhnlichen TV-Format.

Beim großen Plasma-Fernseher von Akai ist überdies ein Schaltweg installiert, der die Bits von DVD-Spielern ohne die bislang übliche Wandlung in analoge Signale direkt aufs Display gibt. Das vermeidet abermals Verzerrungen und Unschärfen. Receiver und Steuergerät lassen sich bei allen Modellen unabhängig vom Bildschirm installieren, etwa versteckt in einem Schrank.

Michael O. R. Kröher

Zur Ausgabe
Artikel 82 / 124
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel