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Fernost lockt

Aktien: Ist die Krise an den Emerging Markets tatsächlich ausgestanden?
aus manager magazin 3/2000

Toyoo Gyohten war sich seiner Sache völlig sicher. Die asiatischen Schwellenländer hätten sich zu einem Magnet für internationales Kapital entwickelt, sagte der Präsident des Washingtoner IIF (Institute of International Finance). Das Wachstum der so genannten Emerging Markets - im Schnitt um 3,5 Prozentpunkte über den Raten der Industrieländer - werde weiterhin Anlagemöglichkeiten schaffen. Ein Crash sei definitiv nicht in Sicht.

Das war Ende Januar 1997. Nur ein halbes Jahr bevor Asien in eine schwere Krise geriet.

Der MSCI Pacific (ohne Japan), das Börsenbarometer der Region, fiel von Mitte 1997 bis September 1998 um fast 60 Prozent (siehe Grafik). Dann erst zeigten Hilfsprogramme des Internationalen Währungsfonds Wirkung. Staatliche Deregulierung, radikale Entflechtung der Großkonzerne und die durch den Währungseinbruch gewonnene Exportstärke verhalfen der Region zu einem Wiederaufstieg.

Der MSCI Pacific liegt heute wieder auf dem Stand von Frühjahr 1997. Aktienfonds, die in die Schwellenländer investieren, gewannen 1999 bis zu sagenhafte 186 Prozent (siehe Tabelle).

Lohnt sich für Anleger auch jetzt noch ein Engagement in den fernöstlichen Emerging Markets? Oder droht nach der schnellen Erholung ein neuer Einbruch?

Die Kapitalmarktexperten sind vorsichtiger geworden, jedoch weiter optimistisch. Eine stärkere Fokussierung auf bestimmte Märkte und Aktien scheint aber geboten.

Thomas Gerhardt, als Fondsmanager in der Deutsche-Bank-Gruppe für den Mandarin Fonds und den DB Tiger Fund verantwortlich, rät, sich auf vier Märkte zu konzentrieren: Korea, Taiwan, Singapur und Hongkong/ China. Diese Länder profitieren vom weltweiten Elektronik- und Internet-Boom:

u Korea ist stark bei der Produktion von Computerchips und Bildschirmen.

u Taiwan fertigt rund 70 Prozent aller Produkte, die weltweit für den Bau von Computern benötigt werden.

u Singapur etabliert sich als Auftrags- fertiger, der Hightech-Produkte zusammenbaut.

u Hongkong entwickelt sich zum Dienstleistungszentrum Asiens, das Service rund ums Internet anbietet.

u China hält den größten Mobilfunkmarkt der Welt bereit.

Die Aktien aus den empfohlenen Ländern bieten ein Kurspotenzial von rund 30 Prozent, erwartet Fonds- manager Gerhardt. Das größte Risiko droht von der Wall Street. Steigen die US-Zinsen deutlich oder brechen die Kurse in New York ein, können sich die Emerging Markets diesem Trend genauso wenig entziehen wie alle anderen Aktienmärkte.

Die langfristigen Wachstumsaussichten für die Region jedenfalls stimmen. Wer ein international diversifiziertes Depot hat, sollte mit einem Teil unbedingt auch in Asien dabei sein. Christoph Seeger

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