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FC Barcelona Die Comeback-Pläne der größten Sportmarke der Welt

Missmanagement hat den legendären Fußballklub in die tiefste Krise seiner Geschichte geführt. Insider und vertrauliche Dokumente belegen die Gründe für den Absturz und beschreiben die Pläne für einen rasanten Wiederaufstieg.
aus manager magazin 2/2022
FC Barcelona: Blick ins Stadion

FC Barcelona: Blick ins Stadion

Foto: jarino47 / imago images/jarino47

Ferran Reverter (49) folgte bei seinem ersten großen Auftritt als Chef des stolzen FC Barcelona einem uralten Rezept des Filmheroen Billy Wilder: Beginne mit einer Explosion, und steigere dann ganz langsam. Als er den FC Barcelona im Juli 2021 übernahm, habe sich der Klub, eigentlich die größte Fußballmarke der Welt, "in einer Situation des technischen Bankrotts" befunden, klagte Reverter Anfang Oktober. "Wäre der Verein eine Aktiengesellschaft, wäre er aufgelöst worden."

Untergangsprophet: Im Oktober erklärte der neue CEO Ferran Reverter den FC Barcelona für nahezu bankrott – eine hollywoodeske Übertreibung

Untergangsprophet: Im Oktober erklärte der neue CEO Ferran Reverter den FC Barcelona für nahezu bankrott – eine hollywoodeske Übertreibung

Foto: Agencia EFE / IMAGO

Sein "Titanic"-Szenario untermalte Reverter mit passenden Untergangszahlen. Die Schulden? 1,35 Milliarden Euro! Die Kosten für die Spieler, die wichtigsten Angestellten des Klubs bei seinem Amtsantritt? 606 Millionen Euro und damit höher als der Umsatz! Das Eigenkapital? Minus 451 Millionen Euro!

Einen Doomsday-Slide nach dem anderen ließ Reverter auf dem riesigen Screen über seinem Kopf im "Auditorium 1899" gleich neben dem Stadion Camp Nou aufleuchten.

Dann flocht der neue Barça-CEO das Ganovenelement ein: Reverter, der zuvor erfolglos versucht hatte, den Elektronikhändler Mediamarkt-Saturn in Ingolstadt zu sanieren, unterstellte der vorangegangenen Klubführung Missmanagement am Rand zur Untreue. Überall "Chaos": Dokumente fehlten, Mails seien gelöscht worden und Rechnungen gesplittet, um Kontrollen zu umgehen. Der französische Weltmeister Antoine Griezmann (30) – Ablöse: 120 Millionen Euro – sei 2019 verpflichtet worden, ohne zu wissen, mit welchem Geld man den Transfer bezahlen sollte.

In Reihe eins, Mitte, saß Barça-Präsident Joan Laporta (59). Als sein erster Angestellter Reverter nach der 47-minütigen Horrorshow die Bühne verließ, klopfte ihm Laporta gönnerhaft auf den Rücken: hübscher Budenzauber. Wer im Klub die Macht hat, wurde vier Monate später deutlich: Anfang Februar kündigte Reverter nach nur sieben Monaten im Amt seinen Rücktritt an, aus "familiären Gründen".

Überlebensgroß: Wahlkampfplakat von Barça-Präsident Joan Laporta

Überlebensgroß: Wahlkampfplakat von Barça-Präsident Joan Laporta

Foto: Juan Medina / Reuters

Reverters Oktober-Horrorshow nützt Alleinherrscher Laporta gleich mehrfach. Sie diskreditiert seinen Vorgänger Josep Maria Bartomeu (58), der im Oktober 2020 als Präsident zurückgetreten war. Anfang Februar legte die Klubführung um Laporta noch nach und warf Bartomeu "schwerwiegende Delikte" vor, Beweise will sie an die Staatsanwaltschaft weitergeben. So positioniert sich Laporta als heroischen Retter – denn je tiefer die Krise, desto strahlender der Held. Nebenbei hilft die Story von den leeren Kassen auch, Spielergehälter, Agentenprovisionen und Transferpreise zu drücken – Kosten, die der Klub zuletzt kaum noch zu kontrollieren imstande schien.

Es ist der verrückteste Absturz der Fußballgeschichte. Der FC Barcelona, weltweit vergöttert wie wohl keine zweite Sportmarke, so gut wie pleite. Der Klub, der vor nur drei Jahren wohl als erste Sportfirma der Welt inklusive Transfers fast eine Milliarde Euro Jahresumsatz einspielte. Der den Weltfußball lange dominierte und seit 2011 allein 14 große Titel errungen hat.

Der Klub steckt in der tiefsten Krise seiner 123-jährigen Historie. Die Pandemie hat das Unternehmen in einer hausgemachten Schwächephase erwischt: das Team über seinem Zenit, mit Lionel Messi (34) die Ikone weg, fast eine Milliarde Euro für neue Stars in die Wiese gesetzt, den eigenen Nachwuchs ignoriert – und ein Stadion, das vor sich hin rottet.

Betriebswirtschaftlich gesprochen: Das Kernprodukt ist veraltet, die Forschung liefert keine Blockbuster mehr, die Kostenstruktur ist aus dem Ruder, die Infrastruktur marode, und strategische Investments wurden sträflich versäumt. Lahm, bequem und satt: Barças Manager verfingen sich in der Erfolgsfalle.

Doch – nun kommt's! – die Sanierungsprognose für den FC Barcelona ist gut bis sehr gut. Denn der Klub mit den rotblauen Trikots verfügt über enorme stille Reserven – vom fehlenden Sponsor für die Namensrechte des Stadions bis hin zum Teilverkauf einzelner Geschäftsbereiche. Genau darauf und auf eine starke, weltweit einsetzbare Marke setzen Laporta und Reverter nun, allem Kanonendonner zum Trotz.

Der FC Barcelona "wird schon bald wieder so stark sein wie früher", proklamiert Ex-Siemens-Chef Peter Löscher (64), familiär eng verbandelt mit dem FCB. Ökonomisch betrachtet sei Barça "wie ein Dornröschen, das noch vor sich hin schlummert". 

Löscher ist nur einer von vielen aktuellen und ehemaligen Klubkennern und -größen, mit denen manager magazin gesprochen hat. Vertrauliche Dokumente belegen die Geschichte eines Niedergangs, der sich schon lange angekündigt hatte, aber auch die eines gar nicht so wundersamen absehbaren Wiederaufstiegs.

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