Top 20 des Family Business Index 2021 Das sind die 20 größten Familienunternehmen weltweit

Insgesamt 7,28 Billionen Dollar erwirtschafteten die 500 größten Familienunternehmen zuletzt weltweit. Unter den Top 20 des von EY und der Uni St. Gallen erstellten Index sind auch deutsche Unternehmen. WHU-Professorin Nadine Kammerlander erklärt, was diese Firmen so besonders macht.
Die Schwarz Gruppe gehört mit Lidl und Kaufland zu den größten Familienunternehmen weltweit

Die Schwarz Gruppe gehört mit Lidl und Kaufland zu den größten Familienunternehmen weltweit

Foto: Sven Severing / imago images/Jan Huebner

Die Corona-Krise hinterlässt bei Familienunternehmen  in der ganzen Welt ihre Spuren. Shutdown, Ausgangssperren, Fabrikschließungen oder Reiseverbote treffen die unterschiedlichen Branchen mal mehr und mal weniger stark. Wer in der Touristikbranche verankert ist, ächzt unter den Corona-Lasten. Wer im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Medizintechnik mit seinem Unternehmen tätig ist, gehört zu den Gewinnern dieser Zeit.

So hat die Corona-Krise auch den Dauerchampion gestärkt: Der US-amerikanische Einzelhandelsriese Walmart führt erneut das Ranking der umsatzstärksten Familienunternehmen auf der Welt an. Tatsächlich konnte Walmart beim Umsatz im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich zulegen und den Abstand zum Zweitplatzierten im diesjährigen Familiy Business Index  erhöhen. Der Index wird alle zwei Jahre von der Universität St. Gallen und dem Beratungsunternehmen EY erstellt.

Doch das Ranking birgt eine Überraschung. Rangierte zuletzt noch Volkswagen auf Platz zwei, tauchen die Wolfsburger nun gar nicht mehr im Ranking auf. Der Grund: Der Status Familienunternehmen wird Volkswagen nicht mehr zugerechnet. Die Familien Porsche und Piëch übten in der Praxis keinen Einfluss mehr auf Volkswagen aus, heißt es aus St. Gallen. VW funktioniere für die Familien mehr wie ein Investment. Im Gegenzug wurde aber der zum Volkswagen-Konzern gehörende Autobauer Porsche in das Ranking aufgenommen (Platz 39), für den die Wissenschaftler einen direkten Einfluss der Familien feststellten.

Doch auch ohne VW sind deutsche Unternehmen weiterhin in den Top Ten weltweit vertreten. Auf Platz vier rangiert die Schwarz-Gruppe, die mit den Einzelhandelsketten Lidl und Kaufland praktisch das deutsche Pendant zum US-Spitzenreiter Walmart bildet. Aber auch der deutsche Autobauer BMW, der mehrheitlich der Familie Quandt und ihren Erben gehört, hat es in die Top Ten geschafft.

Die Kriterien für Familienunternehmen

Der Family Business Index 500  listet die 500 größten familiengeführten Unternehmen weltweit auf. Dabei bleiben Firmen ausgeschlossen, die in den vergangenen 24 Monaten keine Abschlüsse veröffentlicht haben. Kriterien sind zum einen, dass das Unternehmen mindestens in der zweiten Generation geführt werden muss. Dabei müssen ein oder mehrere Familienmitglieder an der Leitung des Unternehmens beteiligt sein, entweder im Vorstand, in der Geschäftsführung oder im Aufsichtsrat. Zum anderen muss die Familie einen wesentlichen Anteil am Unternehmen haben. So gelten als Familienunternehmen private Unternehmen, an denen Familien einen Aktien- oder Stimmrechteanteil von 50 Prozent oder bei öffentlichen Unternehmen einen Aktienanteil von mindestens 32 Prozent halten. Pro Familie wird nur ein Unternehmen im Index gelistet.

Umsatz 2021: 559.1
An der Börse: ja
Mitarbeiter: 2.300.000
Familie: Walton
Familienanteil: 48,9 Prozent
Hauptsitz:
Gründungsjahr: 1962

Der größte Einzelhändler der Welt verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021 insgesamt 559,2 Milliarden Dollar, der Gewinn wurde auf 9,9 Milliarden Dollar taxiert. Hinter dem 1962 in den USA gegründeten Unternehmen steht die Familie Walton, die im "Forbes"-Ranking der reichsten Familien der Welt auf Platz eins gesetzt ist. Die Familie hält über Walton Enterprises, den Walton Family Holdings Trust und direkt 48,9 Prozent der Anteile an Walmart. Im Aufsichtsrat ist ein Familienmitglied vertreten.

Die Familie Walton führt auch das Bloomberg-Ranking der reichsten Familien  weltweit an. Ihr Vermögen wird insgesamt auf 238,2 Milliarden Dollar geschätzt.

Familienunternehmen entscheiden schneller

Zusammen hätten die 500 aufgelisteten Unternehmen zuletzt einen Umsatz von 7,28 Billionen US-Dollar erwirtschaftet und beschäftigten 24,1 Millionen Menschen, berichten die Urheber des Index. Doch was unterscheidet Familienunternehmen von anderen?

Nadine Kammerlander (38), Professorin an der Otto Beisheim School of Management, sagt im Interview mit manager magazin, Ziele und Struktur seien Merkmale, bei denen sich Familienunternehmen von anderen unterscheiden. Familienunternehmen hatten häufig eine schlankere Struktur und seien von langfristigen Zielen bestimmt. Andere Unternehmen werden hingegen kurzfristiger von Quartal zu Quartal getrieben.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin erklärt weiter: "Familien ist oft die Reputation des Unternehmens und damit der Familie wichtig." Das spiele beispielsweise bei der Frage des Standorts eine Rolle. "Eine Familie entscheidet sich vielleicht eben nicht zu einer Verlagerung, während ein anderes Unternehmen sich dazu entschließt." Das wirke sich auch in besonderer Weise auf die Kultur des Unternehmens aus, häufig blieben Mitarbeiter von Familienunternehmen länger an Bord. Zudem werden in Familienunternehmen in der Regel zentraler und schneller Entscheidungen getroffen. Auf der anderen Seite täten sich kleinere familiengeführte Unternehmen schwerer, Kontrolle abzugeben – und zwar in Form von Kapital bei Banken oder Fonds einzutreiben. Das habe beispielsweise Haribo lange Zeit praktiziert und keine Schulden bei Banken aufgenommen.

Umsatz 2020: 87 Milliarden Dollar
An der Börse: nein
Mitarbeiter: 395.034
Familie: Bosch
Familienanteil: 100 Prozent
Hauptsitz: Stuttgart / Gerlingen
Gründungsjahr: 1886

Der Mischkonzern blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet im Jahr 1886 als Feinmechanik- und Elektrowerkstatt steht der Name Bosch mittlerweile hinter einer Vielzahl von Firmen. Die Unternehmensgruppe ist sowohl einer der größten Automobilzulieferer weltweit, als auch relevante Branchengröße in der Industrie-, Gebäude- und insbesondere in der Energietechnik.

Der Allgemeinheit dürfte Robert Bosch jedoch vor allem über Gebrauchsgüter bekannt sein – von der Bohrmaschine über Staubsauger und Kühlschränke bis hin zur Waschmaschine und elektrischem Mixer. Doch Bosch ist nicht nur Bosch - zu den Marken, die im Geschäftsbereich BSH Hausgeräte und Elektrowerkzeuge gebündelt sind, gehören auch Namen wie Constructa, Neff und Gaggenau dazu. Seit 2003 gehört zudem der Heizungshersteller Buderus zum Bosch-Reich.

Wichtigste Sparte der Gruppe ist aber der Bereich Mobility Solutions, der 59 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt. So wundert es auch nicht, dass der Nachfolger von CEO Volkmar Denner (64) aus dem letztgenannten Unternehmensbereich stammt. Ende 2021 will Denner seinen Posten räumen, dann übernimmt Stefan Hartung (55).

Die Familie Robert Bosch ist im Aufsichtsrat der Industrietreuhand KG vertreten, auf die die Stimmrechte für die Unternehmensgruppe übergingen. Auch rief Gründer Robert Bosch 1964 die gemeinnützige Robert Bosch Stiftung ins Leben, in die ein Teil des Familienvermögens einfloss. Im aktuellen Ranking der reichsten Deutschen vom manager magazin landen die Familien Bosch, Zundel und Madelung mit einem Vermögen von 2,7 Milliarden Euro auf Platz 78 .

Lesen Sie mehr über Robert Bosch.

Corona-Krise treibt Wandel voran

Dass die Pandemie die Unternehmen weltweit vor große Herausforderungen gestellt hat, ist unbestritten. "Viele Unternehmen sind in dieser Zeit auf Sicht gefahren", berichtet die WHU-Professorin. Aber es habe auch Unternehmen gegeben, die die Phase als Chance angenommen und kräftig in die Digitalisierung investiert hätten." Die Corona-Krise ist eine Art Trigger für den Wandel", so Kammerlander. Es fielen die zurück, die sich nicht mit dem Thema Digitalisierung beschäftigten. Die Pandemie habe diesen Prozess beschleunigt und "die Spreu vom Weizen getrennt". Manchmal fiele es den Nachkommen aber auch einfach schwer, das umzustellen, anders aufzustellen oder gar zu ersetzen, was 'Opa aufgebaut hat'."

akn
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