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Fall 2: Der Unternehmer

Erben: Fallbeispiel - der Unternehmer
aus manager magazin 2/2001

Person: Der 59-jährige Diplomkaufmann leitet als geschäftsführender Gesellschafter ein kleines Maschinenbauunternehmen. Jahreseinkommen: 500 000 Mark. Vermögen: Der Wert des Firmenanteils liegt bei 10 Millionen Mark. Neben dem Eigenheim besitzt er noch eine Ferienwohnung am Lago Maggiore und ein vermietetes Zweifamilienhaus, offene Kredite 600 000 Mark. Wert: insgesamt 3 Millionen Mark. Wertpapiervermögen rund 600 000 Mark. Familie: Der Unternehmer ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Der Sohn arbeitet bereits im Unternehmen, er soll später die Leitung übernehmen und einmal alle Anteile bekommen. Ziele: Der Familienvater will sich mit 65 aus der Firma zurückziehen. Um Streit zu vermeiden, soll die Tochter für den Verzicht auf die Firma entschädigt werden. Testament: Die Ehepartner haben sich gegenseitig zum Alleinerben eingesetzt. Die Kinder erben erst nach dem Tod beider Eltern.

Mit 59 wird es für den Unternehmer höchste Zeit, seine Nachfolge neu zu regeln. Das vor Jahren abgefasste Testament führt beim Tod des Unternehmers zu hohen Erbschaftsteuerzahlungen. Vor allem aber müsste der Sohn nach dem Tod beider Eltern Teile des Unternehmens verkaufen, um seine Schwester auszahlen zu können (siehe Musterrechnung rechts).

Mit 60 überträgt der Vater deshalb 45 Prozent seiner Anteile auf den Sohn und setzt ihn für die übrigen 55 Prozent zum Alleinerben ein. Bis zu seinem Tod lässt sich der Diplomkaufmann jedoch die Gewinne für den Firmenteil seines Sohnes zusichern (so genannter Nießbrauch). Ähnlich versorgt er seine Frau. Stirbt der Unternehmer stehen ihr zeitlebens 55 Prozent der Gewinne zu.

Das Privatvermögen teilt er bereits jetzt unter die übrigen Familienmitglieder auf. Die Ehefrau bekommt das Eigenheim und die Hälfte des Ferienhauses. Das Mietshaus und die andere Hälfte der Ferienimmobilie gehen an die Tochter. Nach zwei Jahren soll ihr das Haus am Lago Maggiore vollständig gehören. Stirbt die Mutter, erbt die Tochter das übrige Vermögen, der Sohn geht bis auf ein Vermächtnis in Höhe des Pflichtteils leer aus.

Statt wie in den vergangenen Jahren jede frei verfügbare Mark wieder in die Firma zu stecken, nutzt der Unternehmer seine Liquidität zum Aufbau eines breit gestreuten Aktien- und Anleihedepots. Hinzu kommen Investitionen in ertragsstarke ausländische Immobilienfonds und Private-Equity-Programme.

Mit 65 hat sich das Privatkapital der Eheleute auf 3,5 Millionen Mark erhöht. Mit dem schnell wachsenden Vermögen ist sichergestellt, dass die Tochter trotz Verzicht auf ihren Unternehmensteil einen gerechten Erbteil erhält.

Musterrechnung für den Unternehmer

Altes Testament:

Der Unternehmer hat seinen Nachlass denkbar ungünstig geregelt. Nach seinem Tod verfallen die Freibeträge der Kinder ungenutzt. Der Sohn muss darüber hinaus seine Schwester nach dem Tod der Mutter aus dem Unternehmensvermögen abfinden. Der Fiskus wertet das wie einen Verkauf von Firmenteilen und verlangt deshalb einen satten Zuschlag auf die Erbschaftsteuer.

Neues Testament:

Der Unternehmer trennt nun klar zwischen Betriebs- und Privatvermögen. Der Sohn bekommt das Unternehmen. Die Immobilien und Wertpapiere werden zwischen Mutter und Tochter aufgeteilt. Das Vermögen wird in Teilen bereits vor dem Tod der Eltern weitergegeben. Dafür fällt Schenkungsteuer von 149 360 Mark an.

Die Familie spart 1 563 155 Mark Steuern durch die Änderung der Erbfolge.

Nach dem Tod Nach dem Tod

des Unternehmers der Ehefrau

Steuerwert des Vermögens 6 600 000 Mark 5 555 000 Mark

Freibetrag

der Ehefrau/Kinder 1 100 000 Mark 800 000 Mark

= zu versteuerndes

Vermögen 5 500 000 Mark 4 755 000 Mark

darauf Erbschaft-

steuer von 1 045 000 Mark 903 000 Mark

Die Familie muss insgesamt 1 948 000 Mark Erbschaftsteuer zahlen.

Nach dem Tod Nach dem Tod

des Unternehmers der Ehefrau

Steuerwert des Vermögens 4 454 000 Mark 900 000 Mark

Freibetrag

der Ehefrau/Kinder 1 900 000 Mark 650 000 Mark

= zu versteuerndes

Vermögen 2 554 000 Mark 150 000 Mark

darauf Erbschaft-

steuer von 218 985 Mark 16 500 Mark

Die Familie muss 384 845 Mark Schenkung- und Erbschaftsteuer zahlen.

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