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Fall 1: Der Manager

Erben: Fallbeispiel - der Manager
aus manager magazin 2/2001

Person: Der 56-jährige Informatiker ist Vorstandsmitglied eines börsennotierten Automobilzulieferers. Jahreseinkommen: 540 000 Mark. Vermögen: Als konservativer Anleger setzte er bislang stets auf Wohn-, Gewerbeimmobilien und Steuersparfonds. Dazu kommen das Eigenheim und eine kleine Finca auf Mallorca. Wert: insgesamt 14,5 Millionen Mark. Darauf lasten Kredite in Höhe von 3,7 Millionen Mark. Ein Teil davon soll bis 2009 durch Lebensversicherungen im Wert von 2,5 Millionen getilgt werden. In seinem Wertpapierdepot liegen rund 750 000 Mark. Familie: Der Informatiker ist verheiratet, der Sohn steht kurz vor dem Abitur, die Tochter studiert bereits. Ziele: Der Vorstand will mit 65 aufhören und eine möglichst steueroptimale Erbschaftsregelung für die Familie. Testament: Die Ehepartner haben vor Jahren ein Berliner Testament abgefasst, die Kinder sollen erst nach dem Tod beider Eltern an das Vermögen herankommen.

Mit 56 ändert der Vorstand zunächst sein Testament und setzt Ehefrau und Kinder als gleichberechtigte Erben ein. Gleichzeitig überträgt er seinen Teil des Eigenheims auf die Ehefrau. Mit der steuerfreien Schenkung und der Änderung der Erbfolge reduziert er die Steuerbelastung, die seine Familie im Todesfall zu tragen hätte, erheblich (siehe Musterrechnung rechts).

Mit 58, wenn die Tochter ihr Studium abgeschlossen hat, möchte er ihr Teile seines Immobilienbesitzes überschreiben, drei Jahre später soll der Sohn zum Abschluss seiner Ausbildung eine ähnliche Summe bekommen. Die möglichen Erbschaftsteuerzahlungen werden so weiter reduziert. Gleichzeitig will der Informatiker, wenn er sich mit 65 aus dem Vorstand des Unternehmens zurückzieht, nicht auf den gewohnten Standard verzichten.

Um die Schenkungen an die Kinder und seinen Lebensstil finanzieren zu können, muss er die Ertragskraft seines Vermögens in den kommenden Jahren erheblich steigern. In einem ersten Schritt verkauft er deshalb Gewerbeimmobilien im Wert von 3,8 Millionen Mark. 1,2 Millionen verwendet er für die Ablösung der Kredite, 600 000 Mark investiert er in ertragsstarke Auslandsimmobilienfonds, der Rest fließt zu gleichen Teilen in Aktien und Anleihen. Das Wertpapiervermögen baut er von nun an systematisch aus. Zusätzlich investiert er jedes Jahr rund 100 000 Mark in ausgesuchte Wagniskapital-Fonds.

Mit 65 ist das Familienvermögen auf insgesamt 20 Millionen Mark angewachsen, wobei ein Teil bereits auf die Kinder überschrieben ist. Der Informatiker kann dennoch mit Erträgen von 500 000 Mark aus seinem Vermögen rechnen. Gleichzeitig hat er die Belastung durch die Erbschaftsteuer deutlich reduziert.

Musterrechnung für den Manager

Nach dem Tod Nach dem Tod

des Managers der Ehefrau

Steuerwert des Vermögens 8 173 000 Mark 7 540 000 Mark

Freibetrag

der Ehefrau/Kinder 600 000 Mark 800 000 Mark

= zu versteuerndes

Vermögen 7 573 000 Mark 6 740 000 Mark

darauf Erbschaft-

steuer von 1 438 933 Mark 640 000* Mark

Die Familie muss insgesamt 2 079 933 Mark Erbschaftsteuer zahlen.

*50 Prozent ermäßigt.

Nach dem Tod Nach dem Tod

des Managers der Ehefrau

Steuerwert des Vermögens 7 000 000 Mark 3 250 000 Mark

Freibetrag

der Ehefrau/Kinder 1 400 000 Mark 800 000 Mark

= zu versteuerndes

Vermögen 5 600 000 Mark 2 450 000 Mark

darauf Erbschaft-

steuer von 1 066 533 Mark 232 908 Mark*

Die Familie muss insgesamt 1 299 441 Mark Erbschaftsteuer zahlen.

*50 Prozent ermäßigt.

Altes Testament:

Die Ehefrau erbt zunächst das komplette Vermögen. Erst wenn sie stirbt, bekommen die Kinder ihren Anteil. Weil das

komplette Vermögen zuerst auf die Mutter und dann auf die Kinder übertragen wird, muss es zweimal komplett versteuert werden. Die Erbschaftsteuer fällt unnötig hoch aus.

Neues Testament:

Mit zwei Maßnahmen senkt der Manager die Erbschaftsteuer. Im ersten Schritt überträgt er das Eigenheim vollständig auf seine Ehefrau. Damit reduziert er das Vermögen, das nach seinem Tod versteuert werden muss. Im zweiten Schritt setzt er Ehefrau und Kinder zu gleichen Teilen als Erben ein. Weil die Kinder nun ihre Freibeträge bereits nach dem Tod des Vaters nutzen, können weitere 800 000 Mark steuerfrei vererbt werden.

Die Familie spart 779 792 Mark Steuern durch die Änderung der Erbfolge.

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