Disput um Aufspaltung US-Chefin verliert Machtkampf und verlässt EY

Sie war die erste Frau an der Spitze von EY in den USA, der mächtigsten nationalen Mitgliedsfirma in dem internationalen Prüfer- und Beraternetzwerk. Nun verlässt sie den Konzern - im Streit und nach verlorenem Machtkampf mit dem globalen Chef Carmine Di Sibio.
Geht offenbar im Streit: Die Chefin der mächtigen nationalen Einheit EY USA, Kelly Grier, verlässt das Unternehmen. Sie soll ...

Geht offenbar im Streit: Die Chefin der mächtigen nationalen Einheit EY USA, Kelly Grier, verlässt das Unternehmen. Sie soll ...

Screenshot: EY / youtube

Die geplante Aufspaltung der drittgrößten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY sorgt offenbar für erhebliche Differenzen innerhalb des Beraternetzwerks. Nach einem Streit mit dem globalen Chef Carmine Di Sibio (59) verlässt die US-Chefin Kelly Grier das Unternehmen, berichtet die "Financial Times" . Grier (53), die erste Frau an der Spitze von EY USA, arbeitet laut Unternehmensangaben  seit 30 Jahren für EY und führte zuletzt 81.000 Beschäftigte in 31 Ländern mit einem Jahresumsatz von 21,2 Milliarden Dollar an. Grier gehört auch der Global Executive und Global Practice Group von EY an.

Bei dem Streit, der letztlich zur Trennung geführt habe, sei es um den Einfluss von EY US innerhalb der internationalen Aktivitäten des Unternehmens gegangen. Dissens habe es auch darüber gegeben, welchen Beitrag die US-Firma als größte nationale Einheit zur Finanzierung von EY Global zur Verfügung stellen soll, berichtet die "FT" unter Berufung auf Insider.

Aufteilung in Prüf- und Beratergeschäft geplant

Der verlorene Machtkampf verdeutliche zugleich die Probleme und Spannungen in der Gruppe, innerhalb der weltweit 13.000 Partner einen Konsens über eine mögliche Abspaltung des Prüfgeschäfts von dem margenstarken Beratergeschäft zu erlangen.

EY ist als Netzwerk rechtlich getrennter nationaler Mitgliedsfirmen strukturiert, die eine Gebühr an EY Global zahlen, das Kunden nicht direkt betreut, sondern die Marke und Technologie des Unternehmens verwaltet und die Beziehung zwischen seinen Unternehmen in 150 Ländern überwacht. EY beschäftigt weltweit rund 312.000 Mitarbeiter.

Wirecard-Skandal hat Ruf von EY ramponiert

Das Prüfgeschäft von EY ist durch mehrere Skandale in die Kritik geraten - in Deutschland wegen des Wirecard-Skandals. Dabei werfen Aufsichtsbehörden nicht nur den Prüfern von EY mangelnde Unabhängigkeit bei der Bilanzprüfung vor, weil sie parallel gut an den Honoraren für die Beratung ihrer Kundschaft verdienen. Eine freiwillige Aufspaltung würde Zwangsmaßnahmen also womöglich vorgreifen, hieß es.

EY erwägt dem Bericht zufolge nun die Trennung durch einen Börsengang oder Teilverkauf seiner globalen Beratungssparte, was die größte Umstrukturierung eines der vier größten Wirtschaftsprüfungsunternehmen seit dem Zusammenbruch des US-Energieunternehmens Enron im Jahr 2001 wäre.

Kampf um Einfluss und Mitsprache

US-Partner hatten Grier im Jahr 2018 für vier Jahre an die Spitze der mächtigen nationalen Einheit gewählt. Letztere erwirtschaftete im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent der weltweiten EY-Erlöse von rund 40 Milliarden Dollar. Das sorgte offenbar für ein gesundes Selbstbewusstsein bei Grier und schien ebenso ihren Machtanspruch zu wecken. Grier sei "immer besonders parteiisch gegenüber der US-Firma", zitiert die "FT" einen der Insider. "Sie wollte der US-Firma viel mehr Mitspracherecht in der globalen Struktur einräumen", so der Informant. Auch kritisierte sie den offenbar hohen finanziellen Bedarf von EY Global. In der Folge hätten sich die "Beziehungen zu Welt-Chef Carmine "rapide verschlechtert".

"Sie ist zu nah an die Sonne geflogen und hat sich die Flügel verbrannt"

Grier galt als mögliche Nachfolgerin von Di Sibio, dessen vierjährige Amtszeit im Juni 2023 endet. Zu diesem Zweck habe die Managerin wohl auch Werbung in eigener Sache betrieben. Bei ihrem Versuch, sich als Di Sibios Nachfolgerin zu positionieren, habe es Grier womöglich aber übertrieben, zitiert die Zeitung einen weiteren Insider, der mit dem Konflikt zwischen den beiden mächtigsten EY-Managern vertraut ist. "Sie ist zu nah an die Sonne geflogen und hat sich die Flügel verbrannt."

Während Grier und Di Sibio einen Kommentar zu dem Bericht ablehnten, erklärte EY auf Anfrage der Zeitung, es sei die "eigene Entscheidung" der Managerin gewesen, das Unternehmen zu verlassen. Zugleich hob EY in der Erklärung Griers Erfolgsbilanz hervor. Grier habe maßgeblich zum Umsatzwachstum und Rekordergebnissen beigetragen bei gleichzeitig "höchster Prüfungsqualität".

rei
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