SEC schickt Sonderaufpasser EY zahlt 100 Millionen Dollar Schummelstrafe

Die US-Börsenaufsicht verhängt wegen Täuschung bei staatlichen Prüfungen die bisher höchste Strafe gegen eine Wirtschaftsprüfungsfirma – und schickt zwei Aufpasser. Die Vorgänge seien "ungeheuerlich", erklärten die SEC-Ermittler.
Sorge um den Ruf: Beratungsfirma EY

Sorge um den Ruf: Beratungsfirma EY

Foto: ARND WIEGMANN / REUTERS

Die US-Börsenaufsicht SEC hat wegen Regelverstößen bei Prüfungen von Mitarbeitenden eine Rekordstrafe gegen die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Ernst & Young (EY) verhängt. Das Unternehmen habe das Fehlverhalten zugegeben und eine Bußgeldzahlung von 100 Millionen US-Dollar akzeptiert, teilte die SEC am Dienstag mit. Nach Angaben der Behörde schummelten Beschäftigte von EY jahrelang bei Examen und Kursen, die sie für ihre Lizenzen als zertifizierte Wirtschaftsprüfer in den USA brauchten. Das Unternehmen habe bei den Ermittlungen zudem Beweismittel zurückgehalten und versucht, die SEC in die Irre zu führen.

Es ist die bislang höchste Strafe gegen eine Wirtschaftsprüfungsfirma. SEC-Direktor Gurbir S. Grewal (49) bezeichnete es  als "ungeheuerlich", dass ausgerechnet Fachleute schummelten, die dafür zuständig seien, Tricksereien von Konzernen aufzudecken. "Die wiederholten Betrügereien von EY-Prüfern und die falschen Darstellungen des Unternehmens gegenüber der SEC haben (...) den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer in Misskredit gebracht", heißt es in dem offiziellen Beschluss . EY zeigte sich in einer Stellungnahme reumütig und erklärte: "Nichts ist wichtiger als unsere Integrität und Moral."

Verlagsangebot

Wer gehört zu den besten Wirtschaftsprüfern in Deutschland?

Was sind die jeweiligen Stärken und Besonderheiten einzelner Dienstleister? Und welche Leistungen werden eigentlich angeboten?

Um für Übersichtlichkeit auf dem komplexen Markt zu sorgen, zeichnen manager magazin und die Wissenschaftliche Gesellschaft für Management und Beratung (WGMB) unter den umsatzstärksten deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften die Champions der Branche und die besten Wirtschaftsprüfer für den Mittelstand aus. Das Siegel steht nicht nur für herausragende Qualität, Kompetenz und unternehmerischen Erfolg – es sendet zugleich ein starkes Signal in den Markt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden motiviert und potenzielle Bewerber auf herausragende Unternehmen aufmerksam gemacht.

Erfahren Sie mehr über den Wettbewerb und die zahlreichen Leistungsangebote.

Für EY – die mit weltweit 33,6 Milliarden Euro Umsatz 2021 gemeinsam mit KPMG, Deloitte und PwC zu den sogenannten Big Four der Branche zählen – ist es nicht der erste unangenehme Fall in den vergangenen Jahren, der Vertrauen kostet. So erkannten die Wirtschaftsprüfer etwa über viele Jahre nicht die Luftlöcher in der Wirecard-Bilanz, bevor der Dax-Konzern implodierte. Unmut erregte vor allem die womöglich mangelnde Unabhängigkeit zwischen Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsarm. Aufsichtsbehörden in den USA, Deutschland und Großbritannien hatten ermittelt, zuletzt hatte die Partnerschaft sogar die eigene Aufspaltung forciert. Erst vor wenigen Wochen hatte sich auch die US-Chefin von EY, Kelly Grier (53), von ihrem Posten zurückgezogen.

Der Skandal in den USA betrifft die Wirtschaftsprüfer. So hatte die Aufsichtsbehörde der Wall Street festgestellt, dass 49 EY-Fachleute sich zwischen 2017 und 2021 Antwortschlüssel für die wichtigsten Lizenzprüfungen (Certified Public Accounting, CPA) beschafft oder in Umlauf gebracht hatten. Mehr als 200 weitere hätten geschummelt, um Weiterbildungsprüfungen in Bezug auf die CPA-Ethik zu absolvieren. Offenbar konnten sie über Jahre einen Software-Fehler auf der unternehmensinternen Plattform ausnutzen, wie in dem 16-seitigen Verweis  im Detail nachzulesen ist.

Selbst als die US-Aufsicht dem Verdacht nachgingen, hatte EY sich quergestellt. "Es ist schockierend, dass Ernst & Young unsere Untersuchung dieses Fehlverhaltens behindert hat", sagte Ermittler Grewal.

EY hatte gegenüber der SEC angegeben, keine Probleme mit Betrug zu haben, obwohl das Unternehmen in Wirklichkeit bereits Jahre zuvor von einem Mitarbeiter über möglichen Betrug bei einer CPA-Ethikprüfung informiert worden war, so die SEC. Selbst nachdem eine interne EY-Untersuchung bestätigt hatte, dass es einen Betrug gegeben hatte, und selbst nachdem seine leitenden Anwälte die Angelegenheit mit der Unternehmensleitung besprochen hatten, habe EY die Angaben nicht korrigiert, so die SEC.

Nachdem die US-Börsenaufsicht im Sommer 2019 eine 50-Millionen-Dollar-Strafe gegen KPMG verhängt hatte, unter anderem auch dort wegen Schummeleien bei internen Weiterbildungen, schrieb die US-Chefin Grier sogar eine Warnmail an die Belegschaft: Das Teilen von Antworten bei Tests sei "hochgradig unethisch" und werde nicht toleriert. Die Strafe gegen KPMG sei eine "wichtige Erinnerung". Gleichwohl hielt EY gegenüber der SEC den Eindruck aufrecht, selbst kein Schummelproblem zu haben.

Die Börsenaufsicht schickt zwei Aufpasser

Nun habe die Beratungsfirma zugestimmt, "umfangreiche Abhilfemaßnahmen zu ergreifen, um die ethischen Probleme des Unternehmens zu beheben", erklärten die Börsenaufseher. So hat die SEC das Unternehmen angewiesen, zwei unabhängige Berater zu beauftragen, die bei der Behebung der Mängel helfen sollen. Einer von ihnen wird die Grundsätze und Verfahren des Unternehmens in Bezug auf Ethik und Integrität überprüfen. Der andere wird das Verhalten von EY in Bezug auf die Versäumnisse bei der Offenlegung überprüfen, einschließlich der Frage, ob Mitarbeiter von EY dazu beigetragen haben, dass die Firma ihre irreführenden Angaben nicht korrigiert hat, sagte die SEC.

Die 100 Millionen Dollar, legten die Aufseher noch fest, sei innerhalb von zehn Tagen zu zahlen.

lhy/Reuters, dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.