Wirtschaftsprüfer im Umbruch EY-Bosse beschließen Spaltung des Unternehmens

Der größte Umbruch in der Wirtschaftsprüfer- und Beratungsbranche seit Langem rückt näher: Die weltweiten Spitzen von EY haben die Aufspaltung des Unternehmens beschlossen. In den kommenden Monaten erfolgt nun das Votum der weltweit 13.000 EY-Partner.
EY-Büros in München: Die Aufspaltung des Wirtschaftsprüfers kommt einen Schritt voran

EY-Büros in München: Die Aufspaltung des Wirtschaftsprüfers kommt einen Schritt voran

Foto: Sven Simon / IMAGO

Die Aufspaltung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY  rückt einen entscheidenden Schritt näher. Laut einer Pressemitteilung haben die Spitzen des Unternehmens die Aufspaltung am Donnerstag beschlossen. Nun werde eine Abstimmung unter den weltweit 13.000 Partnern von EY beginnen. Dieses Voting solle länderweise erfolgen und Ende 2022 beginnen. Zuvor sollen den Partnern ausreichend Informationen über die Pläne gegeben werden. Mit einem Ergebnis sei Anfang 2023 zu rechnen.

Geplant ist, EY in eine Wirtschaftsprüfungs- und eine Beratungsgesellschaft zu trennen. Laut der Mitteilung ist EY davon überzeugt, dass die Trennung der Geschäftsbereiche helfen werde, "die Chancen des sich verändernden Marktumfelds besser zu nutzen. Die Aufspaltung wird dazu beitragen, die Zukunft der Branche neu zu definieren."

Hintergrund dieses Vorhabens ist die Tatsache, dass es dem Unternehmen in seiner bestehenden Form kaum möglich ist, Großkonzerne, deren Bilanzen es prüft, zugleich auch zu beraten. Insbesondere in den USA, wo etwa attraktive Consulting-Mandate führender Tech-Konzerne locken, belastet dies die Geschäfte von EY. So prüft EY beispielsweise die Bücher von Amazon, Salesforce und Googles Muttergesellschaft Alphabet. Diese Unternehmen können die EY-Berater also nicht bei Umstrukturierungen und ähnlichem unterstützen.

Laut Reuters würde eine Aufspaltung zur größten Veränderung der Branche seit dem Kollaps der Beratungs- und Wirtschaftsprüfers Arthur Andersen im Jahr 2002 führen. Arthur Andersen war in den Skandal um den US-Energieriesen Enron verwickelt. Der Ausfall von Arthur Andersen machte in der Beratungsbranche aus den "Big Five" die "Big Four": EY, KPMG, PriceWaterhouseCoopers und Deloitte.

"Dies wird die Branche verändern", zitiert das "Wall Street Journal"  Carmine Di Sibio (59), den weltweiten Chef von EY. Allerdings haben alle drei großen Rivalen von EY bereits entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Sie wollen sich nicht wie EY aufspalten, sondern Wirtschaftsprüfung und Consulting unter einem Dach behalten. Laut "WSJ" hoffen die Unternehmen dabei, während der Umstrukturierung des Konkurrenten einen Teil der Marktanteile abgreifen zu können.

Teil des Vorhabens ist es, Anteile am künftigen Beratungsarm von EY an die Börse zu bringen. Dabei stehe ein Erlös von rund elf Milliarden Dollar in Aussicht, so das "WSJ". Die mehr als 13.000 Partner des Unternehmens hoffen auf dem Wege auf millionenschwere Sonderzahlungen .

cr
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